Poschner glaubt an Wende

Die Welt nimmt Anteil an der Löwen-Krise

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Bei den Löwen läuft's derzeit alles andere als rund.

München – Gerhard Poschner verordnet den Löwen "positive Erlebnisse". Ungeachtet der trüben Gesamtsituation glaubt der 1860-Sportchef an die Wende zum Positiven.

Auf die Branche war mal wieder Verlass. Der Tag nach der Heimpleite gegen Braunschweig (1:2), dem dritten sieglosen Löwen-Spiel in Folge: Gerhard Poschner nimmt den Dienst auf, „noch etwas angeschossen“, wie er zugibt, und kaum sind seine Handys auf Empfang, wird der Sportgeschäftsführer von externen „Dienstleistern“ an die alarmierende Situation beim neuen Tabellenletzten der 2. Liga erinnert: „Heute Früh haben mich gleich wieder drei, vier Spielervermittler angerufen und Trainerkandidaten angeboten.“ Sogar einer aus Paraguay sei dabei gewesen. Die Welt nimmt Anteil an der Löwen-Krise.

Löwen-Sportchef Gerhard Poschner.

Wenigstens diese Anekdote entlockt dem Sportchef ein kurzes Lächeln. Danach fügt er mit gebotenem Ernst und feiner Ironie hinzu: „Ich habe all den lieben Leuten, die sich gerade Sorgen um unseren Verein machen, eine Absage erteilt.“ Denn: Eine weitere Trainerentlassung ist fürs Erste nicht vorgesehen. Zwar hat sich der Punkteschnitt durch den Übergang von Ricardo Moniz (1,26 pro Spiel) auf Markus von Ahlen (0,75) noch einmal verschlechtert, doch Poschner stellt mit verwinkelter Rhetorik klar: „Markus von Ahlen hat unser vollstes Vertrauen. Er kriegt alle Zeit der Welt, solange die ganze Arbeit, die wir täglich sehen, hören und spüren, so ist, dass wir überzeugt sind, dass sie zu Ergebnissen führt, früher oder später.“

„Von Ahlen kriegt alle Zeit der Welt“

Dieser Zusatz war wichtig, denn objektiv betrachtet hat sich nicht viel zum Positiven geändert, seit von Ahlen vor fünf Wochen die Verantwortung für den viel zu großen und viel zu internationalen Löwen-Kader übernommen hat. Dem vermeintlich befreienden 2:0 gegen Fürth folgten ein 0:2 in Aalen, ein desaströses 1:4 in Aue und jetzt das unglückliche 1:2 gegen Braunschweig. Ein Spiel, das so wenig mit attraktivem Angriffsfußball zu tun hatte wie die meisten zuvor. Doch dieser hehre Anspruch ist auch längst nicht mehr das beherrschende Thema. Bescheidenheit hat Einzug gehalten bei den so ambitioniert gestarteten Sechzgern. Von Ahlen sagte nach dem Spiel am Sonntag: „Wir entwickeln uns in kleinen Schritten in die richtige Richtung.“ Da war der Absturz auf Tabellenplatz 18 gerade amtlich geworden.

Auffällig war auch gestern, dass die Sportliche Leitung eine ganz andere Sicht der Dinge hat als weite Teile der Öffentlichkeit. Das Spiel gegen Braunschweig zum Beispiel: Die Fans honorierten, dass die 1860-Profis sich nicht in ihr Schicksal ergaben und Gegenwehr leisteten – von Ahlen und Poschner zelebrierten die Partie im Rückblick als Trendwende, die sie auf Statistikdaten stützten. „Wir hatten ein positives Torschussverhältnis, sind mehr gelaufen als der Gegner, haben mehr Zweikämpfe gewonnen“, sagte der Trainer und verwies zudem auf bessere Standards, mehr Angriffsvarianten und „eine gewisse Nervenstärke“. Die Einstellung sei „korrekt“ gewesen, stimmte der Sportchef zu: „Anders als letzte Woche kritisiere ich heute nicht die Spieler, sondern nur das Ergebnis. Die Mannschaft weiß, dass sie sich das Quäntchen Glück erarbeiten muss. So gesehen bin ich guter Dinge, dass wir sehr schnell da unten rauskommen werden.“

Zunächst mal steht jedoch das Pokalduell mit dem SC Freiburg auf dem Programm. Der Gegner ist ein Erstligist, der für Konzeptfußball und Talente steht, die vom regionalen Guru Christian Streich geformt werden – alles in beispielloser Ruhe, die es nur im Breisgau gibt. Trotzdem ist das Spiel sportlich gesehen eine Chance, denn die Freiburger haben auch nicht den allerbesten Lauf. Der letzte Sieg des Sportclubs liegt ein halbes Jahr zurück.

Von Ahlens Hoffnung gründet auf den vier Auftritten unter seiner Leitung: „Wir waren dreimal die bessere, aber nur einmal die effektivere Mannschaft.“ Auch Poschner hält eine Pokal-Sensation nicht für völlig abwegig. In der Überzeugung, eine Wundertüte zusammengestellt zu haben, prognostiziert er: „Wir können jederzeit in jegliche Richtungen überraschen.“

Damit es seit langer Zeit mal wieder eine positive Überraschung wird, setzt der Sportchef auf Abschottung, negative Einflüsse betreffend. „Wenn du unten drin stehst, musst du jede Meinung von außen akzeptieren“, sagt er und meint: akzeptieren im Sinne von zur Kenntnis nehmen. Trotz der trüben Gesamtsituation setzt er darauf, dass sich die Spieler nicht vom Tabellenbild runterziehen lassen. „Was wir jetzt brauchen, sind positive Erlebnisse, in jedem Training, in jeder Unterhaltung, bei jedem Aufeinandertreffen.“ Positive Ergebnisse in den bevorstehenden Zweitligaspielen gegen Bochum und Düsseldorf würden dem Tabellenletzten freilich am meisten helfen.

Uli Kellner

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