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„Erschreckende Spiele“ – Aber: Köllner hat Quirin Moll nicht abgeschrieben

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Von: Uli Kellner

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Sechser Quirin Moll arbeitet an einem weiteren Neuanfang beim TSV 1860.
Wann zieht er wieder die Fäden auf dem Spielfeld? Sechser Quirin Moll arbeitet an einem weiteren Neuanfang beim TSV 1860. © Stefan Matzke / Sampics

Er kam 2018 mit Führungsansprüchen zu 1860, verletzte sich zweimal schwer und läuft auch aktuell der „Musik hinterher“ (Köllner). Rafft sich Moll noch mal auf?

Selten war eine Startelf des TSV 1860 so vorhersehbar wie jetzt, kurz vor dem Re-Start der 3. Liga – und mit den frischen Eindrücken des viel gepriesenen Belek-Camps. Kommt nichts Unvorhergesehenes dazwischen, werden am Samstag gegen Wiesbaden diese elf Löwen vor der Giesinger Geisterkulisse auflaufen (14 Uhr, live bei MagentaSport): Marco Hiller im Tor, in der Dreier-Verteidigung Belkahia, Salger, Steinhart, die Viererkette davor bilden Willsch, Deichmann, Dressel, Greilinger – und vorne sollen Kapitän Stefan Lex und Marcel Bär für Tore sorgen, „gefüttert“ vom umworbenen Zehner Richard Neudecker.

Vorerst kein Platz ist für den Mann, der zur überschaubaren Seniorenfraktion im Löwen-Kader gehört: Sechser Quirin Moll, 30 Jahre alt und ausgestattet mit der Erfahrung aus 48 Zweit- und 178 Drittligaspielen.

Moll kam 2018 mit Führungsansprüchen aus Braunschweig, doch bei den Löwen aus Giesing lief es von Anfang an holprig: Kreuzbandriss rechts (2. Februar 2019, 343 Tage Pause), Comeback mit Umschulung zum Innenverteidiger, Kreuzbandriss links (18. Januar 2021, 117 Tage raus, diesmal ohne Operation) – Comeback auf der Bank bei der verpassten Relegation in Ingolstadt, ausgerechnet. Diese Saison dann: Formkrise. Auftritte, die Trainer Michael Köllner als „erschreckend“ bezeichnete. Die Folge: Seit dem vierten Spieltag pendelte Moll zwischen Startelf und Ersatzbank.

Er hat den Eindruck erweckt, sich teilweise wie ein Roboter zu bewegen. Wie ein schwerer Schrank, der am Platz steht.

1860-Trainer Michael Köllner über die Hinrunden-Auftritte von Quirin Moll.

Im Belek-Camp wurde deutlich, dass Köllner auch beim Start in die Restrückrunde ohne den erfahrenen Defensivmann plant. Abgeschrieben hat er Moll nicht – wobei auch der Trainer rätselt, warum der Modellathlet derart aus dem Tritt geraten ist. „Er hat den Eindruck erweckt, sich teilweise wie ein Roboter zu bewegen“, urteilte Köllner zu Beginn des Belek-Camps: „Wie ein schwerer Schrank, der am Platz steht. Da läuft er natürlich weit der Musik hinterher.“

Köllner weiß: Ein Moll in Bestform wäre wie ein Neuzugang, den sich 1860 aus bekannten Gründen (vorerst) nicht leisten kann. „Es wäre schon wichtig für uns, dass er in die Gänge kommt“, übte der Coach sanften Druck aus: „Wir haben nicht so viele Spieler mit seiner Erfahrung.“

Ein motivatorischer Wink? Dass Köllner bei Moll jederzeit mit einer Leistungsexplosion rechnet, belegt die Einsatzstatistik des Dachauers: Zweimal war es höhere Gewalt, die in der Hinrunde eine Kaderberufung des Allrounders verhinderte (Wade, Quarantäne). In 17 von 20 Spielen der ersten Saisonhälfte kam Moll zum Einsatz, und wenn es nur für eine Minute war (wie in Dortmund). Ganz bitter lief es für Moll nur einmal – als er beim 1:1 in Saarbrücken 90 Minuten lang auf der Bank schmorte.

Als Signal an das Sorgenkind durfte sich Moll auch bei der Liga-Generalprobe gegen Rostock beweisen. In der 54. Minute löste er Willsch ab, 1860 war gerade in Rückstand geraten. Am Ende hatte auch Moll seinen Anteil am 3:1-Sieg – und bekam ein paar freundliche Worte ins Stammbuch geschrieben. „Jetzt wirkt er etwas beweglicher“, urteilte Köllner: „Vielleicht ist das neue Jahr noch mal ein Startpunkt für ihn.“

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