Löwen-Fans drehen bei Abstiegsspiel durch

Protokoll des Skandal-Spiels - Polizeipräsident fordert harte Strafen

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Schiedsrichter und Einsatzleitung diskutierten über das weitere Vorgehen.

Die hässlichen Szenen während der Relegation zwischen dem TSV 1860 und Jahn Regensburg liegen auch am Tag danach noch schwer im Magen. Münchens Polizeipräsident fordert nun hartes Durchgreifen. Das Protokoll des Skandal-Spiels:

München - Die Szenen ließen auch einen eingefleischten Fußballfan mit offenem Mund zurück: Während des Relegationsspiels zwischen dem TSV 1860 und Jahn Regensburg drehten in der Nordkurve Löwen-Fans durch, fackelten ein Teil des Sicherheitsnetzes ab und warfen Stangen und Sitzschalen aufs Spielfeld. Es grenzte an ein Wunder, dass vergleichsweise wenig passierte, denn mehrere Stangen und Schalen verfehlten Jahn-Keeper Philipp Pentke nur knapp. Doch nicht nur vor dem Spiel war es zu Ausschreitungen gekommen - auch rund um das Spiel benahmen sich einige Anhänger daneben.

Das geschah vor dem Spiel TSV 1860 gegen Jahn Regensburg

Los ging es schon vor der Partie, wie die Polizei am Mittwochmittag mitteilte. So hatte ein Unbekannter im Bereich der Esplanade Pyrotechnik gezündet, außerdem stibitzte ein Löwen-Fan ein Magnetschild von einem Polizeiauto. Der 25-Jährige wurde festgenommen. 

Zu unschönen Szenen kam es auch am Marienplatz. Als nämlich Fans des SSV Jahn Regensburg dort ankamen, wurden sie von Löwen-Fans massiv provoziert. Die Polizei sprach fünf Platzverweise aus. 

Insgesamt wandte die Polizei in der Vorspielphase 17 Mal „unmittelbaren Zwang“ an, um Provokationen zwischen den Fanlagern zu unterbinden - sechs Mal gegen Heimfans und elf Mal gegen Gastfans.

Das geschah während des Spiels TSV 1860 gegen Jahn Regensburg

Als der TSV 1860 auf dem Platz immer unaufhaltsamer in Richtung 3. Liga schlitterte, brannten dann bei einigen Fans in der Nordkurve endgültig die Sicherungen durch. In der 70. Minute fackelten noch unbekannte Täter ein Teil des Ballfangnetzes ab, wenige Minuten später brannten dann auch einige Fan-Schals. 

Ab der 80. Minute eskalierte die Situation dann vollkommen. Durch den verschmorten Teil des Sicherheitsnetzes warfen die Fans herausgerissene Sitzschalen, Fahnenstangen und Pyro. Unterstützung bekamen die Randalierer dabei von anderen Zuschauern, die ihnen applaudierten und sich somit solidarisierten. An dieser Stelle wurde das Spiel unterbrochen.

Schwer geschützte Polizisten marschierten aufs Feld, stellten sich vor die Nordkurve, doch die Fans bewarfen auch die Beamten. Die Wurfgeschosse trafen die Polizisten zum Teil neben den Protektoren an den Beinen. Mehrere Beamte zogen Schürfwunden und Prellungen davon. Um zu verhindern, dass noch mehr Wurfgeschosse in Richtung der Polizisten flogen, setzten sie fünf Mal Reizstoffsprühgerät ein. 

Um die Situation zu deeskalieren, entschieden sich Schiri und Polizei-Einsatzleiter dazu, das Spiel weiterlaufen zu lassen. Und auch die Beamten hielten sich zurück und gingen absichtlich nicht in die Blöcke, um eine völlige Eskalation zu vermeiden

So pfiff der Schiedsrichter das Spiel nach zwölf Minuten Unterbrechung wieder an, obwohl auch dann noch einzelne Stangen und Sitzschalen geworfen wurden. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Philipp Pentke entsorgte eine Sitzschale, die ihn beinahe getroffen hätte.

Den Randalierern geht es nun an den Kragen. Denn: Eine Ermittlungsgruppe wurde eingerichtet, die nun sämtliches Videomaterial auswertet. Die Polizei geht davon aus, dass der größte Teil der Randalierer identifiziert und angezeigt wird wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und weiterer Straftaten.

Das passierte nach dem Spiel TSV 1860 gegen Jahn Regensburg

Nachdem der Abstieg der Löwen mit Abpfiff besiegelt war, blieben die Ultragruppierungen noch etwa 15 Minuten im Stadion. Dann verließen sie die Ränge in Kleingruppen. Doch etwa 150 Menschen versuchten, noch einmal ins Stadion zu gelangen. Nur starke Polizeikräfte konnten das mit Einsatzstöcken und Reizgas verhindern. 

Als ein Fan einen Stuhl nach den Polizeibeamten warf, wurde er wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung festgenommen. Fünf weitere Anhänger wurden wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch festgenommen. 

Gegen 21 Uhr versammelten sich um die 50 Löwen-Fans vor der Geschäftsstelle des Vereins an der Grünwalder Straße. Sie ließen den Verein wissen, was sie über den Ausgang des Spiels hielten. Straftaten blieben aus.

Ein unheimlicher Vorfall spielte sich am Dienstagabend noch in Haar ab. Wie die Polizei berichtet, hatte dort gegen 21.30 Uhr ein betrunkener Mann mit einer Waffe drei Mal auf einen Holzstoß geschossen. Die Polizei stellte den 42-Jährigen in dessen Wohnung. Er habe aus Frust mit seiner Gaspistole auf das Holz gefeuert, erzählte er den Beamten. Er hatte einen Alkoholwert von knapp zwei Promille im Blut. Ermittlungen gegen den eingefleischten Löwen-Fan wurden eingeleitet. Mehr dazu lesen Sie bei merkur.de.

Insgesamt wurden während des Einsatzes zehn Personen vorläufig festgenommen. Ihnen werden versuchte gefährliche Körperverletzungen, Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch, Beleidigung und Diebstahl vorgeworfen.

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä fordert Geisterspiele

Selbst im Stadion war am Dienstagabend auch Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä. Und der zeigte sich geschockt von den Szenen, die sich Ende der Partie abspielten. Auf Twitter veröffentlichte die Polizei München deshalb ein deutliches Statement des Präsidenten.

Andrä bezeichnet darin die Randale der 1860-Fans als „inakzeptable Verhaltensweise“. Er fordert von allen Verantwortlichen des DFB, der DFL und den Verbänden, konkrete Maßnahmen festzulegen und umzusetzen. „Solches Verhalten muss meines Erachtens mit Sperrungen der entsprechenden Blöcke im Stadion, über Geisterspiele bis hin zu einem Punkteabzug geahndet werden“, schreibt Andrä. Den ganzen Tweet können Sie hier unten durchlesen:

Wir berichten im Ticker von allen Entwicklungen beim TSV 1860 München nach dem Abstieg in die dritte Liga.

TSV 1860 München: Der Tag nach dem Abstieg

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