TSV 1860: Zwischenbilanz

Tops & Flops nach 17 Spielen: Alte mit Biss, Junge mit Mumm

Lorenz Knöferl und Sascha Mölders umarmen sich nach einem Torerfolg.
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Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Lorenz Knöferl (17) und Sascha Mölders (35), die Torschützen gegen Wehen.

Ein 17-Jähriger setzt den Schlusspunkt, ein bald 36-Jähriger geht als Kapitän und Toptorjäger voran. In der Zwischenbilanz des TSV 1860 zum Ende des Corona-Jahres haben Lorenz Knöferl und Sascha Mölders ihren Platz sicher. Wer sich sonst noch hervorgetan hat und wer nicht, zeigt unsere „Tops & Flops“-Liste.

  • Kein Drittligist hat mehr Tore geschossen als der TSV 1860 (35 Treffer).
  • Ausgerechnet im Corona-Jahr rückten bei 1860 alle zusammen: Gesellschafter, Sponsoren, Profis, Fans.
  • Herausragend: Kapitän Sascha Mölders, der seine Torquote kontinuierlich steigert und häufiger getroffen hat als Aufstiegsjahr.

Handgestoppt eine Minute und fünf Sekunden benötigte Lorenz Knöferl, um sich in die Geschichtsbücher der 3. Liga zu schießen. Der Junglöwe, am Freitag mit der ersten Ballberührung nach seiner Einwechslung erfolgreich, wird fortan hinter zwei Bayern-Stars (David Alaba, Jamal Musiala) und dem Rostocker Frühstarter Max Christiansen geführt. Knöferl war 17 Jahre und 228 Tage alt, als er dem TSV 1860 ein Jahresabschluss-Unentschieden gegen Wehen sicherte (2:2 nach 0:2) – der zweimalige U 16-Nationalspieler führt eine Riege von 1860-Talenten an, die sich nicht nur Einsatzzeit und Aufmerksamkeit verdienten, sondern auch einen Platz in unserer Hinrundenbilanz (obwohl Anfang 2021 noch zwei Spieltage mit den Derby gegen Bayern II und Ingolstadt ausstehen). Tabellenplatz 3, die meisten Abstand Tore geschossen (35) – naturgemäß überwiegen in unserer „Tops & Flops“-Liste die positiven Aspekte.

TOPS

Michael Köllner: Ein Segen für 1860, dass der angesehene Fußballlehrer im Sommer relativ schnell Ja zum Spar- und Verjüngungskurs an der Grünwalder Straße sagte. Als Trainer ist Köllner eine Bank (40 Spiele, 65 Punkte), als Mensch lagerübergreifend beliebt, als entspannter, humorvoller Plauderer punktet er auch neben dem Platz.

Siegertyp: Michael Köllner überzeugt bei 1860 als Trainer, Mensch und humoriger Unterhalter.

Sascha Mölders: Im Januar feiert Mölders sein Fünfjähriges im Dienste des TSV 1860 (nicht mal bei Augsburg war er so lang) – und der Kapitän wird immer wertvoller. Auch weil es der bald 36-Jährige schafft, seine Torquote immer weiter zu steigern. Achtmal traf er im ersten Drittligajahr (0,23 pro Spiel), 15 Tore waren es letztes Jahr (0,40), aktuell steht er bei 12 Toren in 17 Spielen (0,70). So gut war er nicht mal im Aufstiegsjahr (19/33, Quote 0,57).

Aufstiegsachse: Was für Mölders gilt, gilt auch für den Rest der Aufstiegsachse. Marco Hiller ist inzwischen einer der stabilsten Torhüter der Liga, Phillipp Steinhart spielt seine beste Saison im 1860-Trikot (drei Tore, drei Assists) und Daniel Wein ist die Zuverlässigkeit in Person, egal was der Trainer ihm aufträgt: Sechser, Achter, rechter Verteidiger, gegen Wehen auch mal die ungewohnte Jokerrolle.

Quirin Moll: Vom Auslaufmodell zum Leistungsträger, über die Notrolle des Innenverteidigers zurück zu alter Stärke als Sechser. Moll ist jetzt der, der er immer bei 1860 sein wollte: Anführer, Ankurbler, Wortführer. Aus Köllners Problemfall („Er hatte ein hartes Los bei mir“) wurde sein verlängerter Arm.

Kämpfer und Leader: Quirin Moll ist bei 1860 in eine Chefrolle geschlüpft.

Junglöwen: „Das sind die tollsten Geschichten, die der Fußball schreibt“, sagte Kölner über Knöferls Sternstunde am Freitagabend: „Er hat Mumm in den Knochen.“ Andere Talente des Vereins stehen dem 17-Jährigen aber in nichts nach. Dennis Dressel, 22, glänzte mit einem Viererpack gegen Halle, Fabian Greilinger, 20, traf gegen Türkgücü und ist Köllners erste Option, wenn in der Stammelf ein Platz frei wird, Semi Belkahia, 21, ersetzte Stephan Salger so souverän, als hätte er nie ein ganzes Karrierejahr wegen einer schweren Knieverletzung verloren.

Ruhe im Umfeld: Ausgerechnet im Corona-Jahr rückten bei 1860 alle zusammen: Gesellschafter, Sponsoren, Fans (mehr als 10 000 verkaufte Geister-Dauerkarten). Eine positive Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch Marc-Nicolai Pfeifer, der seine undankbare Rolle als Finanzgeschäftsführer mit Elan annimmt und unter den Maskierten auf der Haupttribüne derjenige ist, der am lautesten jubelt.

FLOPS

Martin Pusic: Konnte er nicht mehr oder wollte er nicht? Was dazu geführt hat, dass der Stürmer nach 84 Tagen das Weite suchte, bleibt ein Rätsel. Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel verwies auf „Probleme im Privatleben“ seines Landsmannes, doch es nicht das erste Mal, dass der Österreicher schnell wieder die Koffer packt: Beim dänischen Club AC Horsens hielt es Pusic im Sommer 2018 nur vier Tage aus.

84-Tage-Missverständnis: Stürmer Martin Pusic.

Löwen-Blues: Für Ultras und Allesfahrer mag es eine Qual sein, monatelang ausgesperrt zu sein, dafür machen Spiele mit 1860-Beteiligung wieder Spaß – auch am Fernseher. Löwen-Blues, was war das gleich wieder?

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