1860-Trainer erklärt sich

Funkel im Video: "Da war kein gemeinsamer Nenner"

München - (Noch-)1860-Trainer Friedhelm Funkel erklärte am Mittwoch der Presse, dass sein Entschluss die Löwen zu verlassen schon seit einiger Zeit festgestanden hat.

Als Friedhelm Funkel gestern Mittag den Trainingsplatz im Laufschritt Richtung Kabine verließ und all die auf ihn gerichteten Kameras erblickte, hielt er bei einer die Hand vor die Linse. Was bisweilen manch einer tut, wenn er erbost darüber ist, dass er nicht in Ruhe gelassen wird. Funkel aber grinste dabei, er ist halt ein alter Hase im Fußballgeschäft und weiß, was so alles dazugehört und womit einer leben muss. Ein Profi halt. Und offensichtlich hat er sich deshalb auch dafür entschieden, beim TSV 1860 zum Saisonende aufzuhören.

„Eigentlich“, so sagte der 60-Jährige, „stand für mich schon seit geraumer Zeit fest, dass ich aufhöre.“ Trotzdem traf er sich am Mittwoch noch zu einem Gespräch mit der Vereinsführung. Dort wurde sein Entschluss nur noch erhärtet. Funkel: „In den Gesprächen mit der Geschäftsführung kamen wir auf keinen gemeinsamen Nenner.“

Funkel hätte wohl nur noch Sinn in einem Weitermachen gesehen, wenn man seinen Gedanken beim TSV 1860 in vollem Umfang gefolgt wäre. „Aber der Verein sieht die Dinge anders als ich“, sagte er. „Ich wollte gewisse Veränderungen, der Verein hat andere Vorstellungen.“

Oder muss er die haben? Nach wie vor ist offenbar nicht geklärt, in welchem finanziellen Umfang Investor Hasan Ismaik den Verein für die kommende Saison unterstützt.

1860-Trainer: Kandidaten und Fan-Wünsche

1860-Trainer-Gerüchte: Wer wird's nun?

Die Löwen suchen einen Nachfolger für Friedhelm Funkel. Wer könnte es werden? Wir beginnen mit den Top-Kandidaten. © MIS
Bruno Labbadia: Seit Sommer ist der ehemalige Stürmer ohne Job. Durch Jobs beim VfB Stuttgart, dem Hamburger SV und Bayer Leverkusen bringt er viel Erfahrung mit. Allerdings möchte er eigentlich noch eine längere Auszeit nehmen. © sampics
Thorsten Fink: Beim FC Basel war er der große Held, beim Hamburger SV ist er gescheitert. Er wäre sicherlich daran interessiert, noch mal in Deutschland zu beweisen, dass er es kann. "Mich hat bisher niemand kontaktiert. Deswegen mache ich mir keine Gedanken", erklärte Fink am Donnerstag auf Nachfrage unserer Onlineredaktion. Ausschließen will er für die Zukunft nichts. "Es gibt keinen Verein auf der Welt, bei dem ich sagen würde: Den würde ich nicht trainieren", so Fink. Er ergänzt: "Ich wohne zwar in München, aber mein Ziel ist das erste Liga." © Christina Pahnke / sampics
Holger Stanislawski: Galt nach der Entlassung von Alexander Schmidt als Wunschlösung der Investorenseite. Der frühere St. Paulianer, der danach weder bei Hoffenheim noch in Köln glücklich wurde, dürfte auch diesmal in die enge Auswahl kommen. Wie Pep Guardiola vor seinem Bayern-Engagement nimmt sich der 44-Jährige gerade ein „Sabbatical“. Verbürgte Information: Stanislawski hat sich am Telefon eine Stunde lang über den TSV 1860 informiert, allerdings sei er gewarnt worden. Und: Wie Anfang Mai in der Gerüchteküche verlautete, soll er hoch im Kurs stehen. © sampics / Stefan Matzke
Heiko Vogel: Wohnt in Warngau, hat erfolgreich beim FC Basel gearbeitet (CL-Sieg über Manchester United) – und ist jetzt wie zu Beginn seiner Karriere Juniorentrainer beim FC Bayern (U 19). Für Vogel spricht, dass er bodenständig ist, als taktisch fortschrittlich gilt und gerne mit Talenten arbeitet. Doch würde er seinen „Rentenjob“ beim FCB für solch eine unsichere Anstellung aufgeben? Dafür spricht: Er ist 38, und um zurück auf die große Bühne zu gelangen, wären die Löwen ein praktisches Sprungbrett. Immerhin hatte er sich im Herbst schon mal mit Ex-1860-Sportchef Hinterberger getroffen. © sampics / Stefan Matzke
Lothar Matthäus: Die Löwen-Verantwortlichen haben einem Engagement schon mehrfach eine Absage erteilt. Doch wie unsere Online-Redaktion aus vereinsnaher Quelle erfuhr, soll es zumndest einzelne Befürworter unter den Beteiligten geben. © sampics / Stefan Matzke
Dietmar Hamann: Auch sein Name wird in München gemunkelt. Ist was dran oder nur ein Gerücht? Ein Anruf beim Ex-Nationalspieler: "Davon höre ich zum ersten Mal", sagt er. Momentan macht er seine Trainerlizenz. "Ich will wieder in den Fußball zurück", so Hamann. "Die Sache muss natürlich passen", ergänzt er. "Ausschließen kann man nichts. 1860 ist ein toller Verein." © dpa
Thomas Schneider: Sportdirektor Gerhard Poschner traf sich mehrfach mit Thomas Schneider, dem Ex-Trainer des VfB Stuttgart. Beide kennen sich noch aus gemeinsamen Zeiten bei den Schwaben. Nach Informationen unserer Onlineredaktion zählt er zum erweiterten Kreis derer, mit denen sich der Verein ernsthaft befasst. © MIS
Uwe Neuhaus: Nach der Bekanntgabe der Trennung von Uwe Neuhaus und Union Berlin am Saisonende soll der scheidende Trainer nun ein Kandidat beim TSV 1860 sein. Das berichtet Sport1. © dpa
Carlos Bernegger: Laut dem Schweizer Radiosender "Radio Pilates" war der aktuelle Coach des FC Luzern ein Kandidat bei den Löwen. Doch am 8. Mai sagte er den Sechzigern ab. © FC Luzern
Adi Hütter: Mit dem SV Grödig feierte Österreichs Trainer-Aufsteiger Überraschungserfolge. Viele Fans wünschen ihn sich als 1860-Trainer. Gehört hat er von den Verantwortlichen noch nichts, erklärte er Mitte April gegenüber unserer Onlineredaktion. Ohnehin ist er kein Thema mehr. Gerhard Poschner: „Wir haben Hütter beobachtet, aber das war's dann auch.“ Hütter übernimmt nun RB Salzburg. © GEPA pictures/ Florian Ertl
Jens Lehmann: Als Sportchef wird er seit Wochen heiß gehandelt, dabei hatte er doch eigentlich mal gesagt, dass er Trainer werden wolle. Vielleicht bei 1860? © sampics / Stefan Matzke
Markus von Ahlen:  Den Co-Trainer zum Chef zu machen, war eine Zeit lang schwer in Mode, auch bei 1860 (Maurer, Wolf, Schmidt). Mit einer erneuten Günstiglösung muss gerechnet werden, wenn Investor Ismaik mal wieder schriftliche Zahlungsgarantien verweigert. Die Mannschaft könnte damit leben, denn von Ahlen ist beliebt, denkt modern – und leitet auch jetzt schon engagiert das Training. © sampics / Stefan Matzke
Peter Pacult: Die Trainerkarriere der Löwen-Legende könnte mal wieder einen Kick vertragen. Der einstige „Gaudibursch’“ hat sich zum harten Hund entwickelt (Vorbild: Ernst Happel), und Pacult hat ja auch schon mal bewiesen, dass er als Trainer was drauf hat. Bei 1860: Verwaltete das Lorant-Erbe in der Bundesliga, ehe er von Ex-Boss Wildmoser entlassen wurde – auf Platz 8 liegend! Bei Rapid Wien: Meister 2008 mit 7:0-Sieg beim Erzrivalen Salzburg. Zuletzt in Leipzig und Dresden lief es dagegen nicht ganz so gut. Für Pacult, 54, würde sich mit einer Rückkehr zu 1860 ein Kreis schließen. © Stefan Matzke / sampics
Robert Prosinecki: Früherer jugoslawischer Weltstar, in Deutschland geboren. © dpa
Frank Schmidt: Erfolgstrainer in Heidenheim. © dpa
Es folgen die WUNSCH-TRAINER der Löwen-Fans, zusammengetragen von der Facebook-Seite TSV 1860 News. © sampics
Thomas Häßler. © sampics / Stefan Matzke
Norbert Meier. © sampics
Thomas Schaaf. © picture alliance / dpa
Mike Büskens. © dpa
Und last but not least: Werner Lorant. © sampics / Christina Pahnke

Funkel war allerdings klar, dass beim TSV 1860 für die neue Saison im Sturm aufgerüstet werden muss, nachdem Yuya Osako den Klub verlassen wird und Benny Lauth seine einstige Treffsicherheit völlig flöten gegangen ist. Wofür finanzielle Anstrengungen unternommen werden müssten, die man beim TSV 1860 offenbar nicht zusichern konnte. Funkel wollte sich dazu im Detail nicht äußern. „Wir haben beschlossen, dass wir uns über die Inhalte nicht äußern“, erklärte er. „Die Vorstellungen sind halt nicht immer gleich und manche auch nicht leicht zu realisieren. Dann gibt es eben unterschiedliche Auffassungen, und welche die richtige Auffassung ist, wird die Zukunft zeigen.“

Einfach

Freie Bahn für Mayrhofer und Rejek: Bei 1860 sind die sportlichen Schlüsselpositionen unbesetzt.

sei ihm sein Entschluss allerdings nicht gefallen, sagte er, „weil mir die Zusammenarbeit mit der Mannschaft wirklich Spaß gemacht hat“. Funkel verzichtet auch auf eine mögliche automatische Vertragsverlängerung, die im Fall, dass er noch Platz fünf erreicht, greifen würde: „Meine finanzielle Situation stand nie im Vordergrund. Wir können noch Platz fünf erreichen, aber das würde nichts an meiner Entscheidung ändern. Ich bereue auch nichts und bin auch niemandem böse.“ Wenngleich er, auf Vergleiche mit seinen früheren Stationen Köln und Frankfurt angesprochen, durchaus zugab, dass in München „schon ein Stück mehr Unruhe herrscht. Unruhe, die die Spieler vielleicht nicht so gut wegstecken“.

Immerhin kann der TSV 1860 jetzt so planen, wie man es vorgehabt hat. Geschäftsführer Markus Rejek zur tz: „Jetzt werden wir zuerst einen Geschäftsführer Sport verpflichten und dann mit ihm gemeinsam den neuen Trainer. Daran arbeiten intensiv.“ Zu den gehandelten Trainernamen (u. a. Stanislawski) erklärte Rejek: „Wir haben bislang mit keinem Trainer-Kandidaten gesprochen.“

tz

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