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Türkgücü: Untergang mit drei Derbypunkten - 1860 bleibt noch letzte Hoffnung

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Von: Uli Kellner

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Türkgücü noch einmal oben auf: Während das Team um den 2:0-Schützen Sararer feiert, lässt Fabian Greilinger den Kopf hängen.
Türkgücü noch einmal oben auf: Während das Team um den 2:0-Schützen Sararer feiert, lässt Fabian Greilinger den Kopf hängen. © sampics

Türkgücü München lässt sich von all den Unruhen im Verein nicht beirren und schlägt den TSV 1860 im Stadtduell. Die Löwen zeigen eine ganz schwache Leistung.

München – Neun, sechs oder gar nur drei? Heute will der DFB über den Punkteabzug für Insolvenzclub Türkgücü entscheiden. Spoiler: Es sieht nicht danach aus, als dürften die Perlacher wie voriges Jahr der KFC Uerdingen auf einen „Corona-Abschlag“ hoffen. Vor diesem Hintergrund schwang Endzeitstimmung mit, als sich Türkgücü und TSV 1860 zum Nachholderby im Olympiastadion trafen.

Es ist hochwahrscheinlich, dass Hasan Kivrans gescheitertes Projekt ab heute das Tabellenende der 3. Liga zieren wird (mit 17 Punkten) – und nächstes Jahr wieder bayerische Provinzplätze bereisen muss. Immerhin: Die womöglich letzten drei Punkte gegen den TSV 1860 schnappten sie sich noch. Gegen einen Stadtrivalen ohne jede Inspiration siegte Türkgücü 2:1. Ein artistisches Tor von Eric Hottmann (77.) und ein Elfmetertreffer von Sercan Sararer (85.) reichten für ein bisschen Genugtuung. Verzweifelte Löwen hatten nur einen (zu) späten Anschlusstreffer von Richard Neudecker zu bieten (90.).

TSV 1860: „Heimspiel“-Effekt im Olympiastadion verpufft

„Die Enttäuschung ist riesengroß“, sagte 1860-Kapitän Stefan Lex: „Wir haben über weite Strecken nicht gespielt wie eine Mannschaft, die sechs Spiele ungeschlagen war. Die Niederlage haben wir uns selbst zuzuschreiben. Teilweise haben wir zu mutlos agiert, defensiv haben wir nicht allzu viel zugelassen – und dann kriegen wir so ein dummes Tor. Einen Fallrückzieher vom Sechzehner, bei dem drei Leute drumherum stehen.“ Besagter Kunstschütze war natürlich (für den Moment) mit sich und seinem wegweisenden Treffer hochzufrieden. „Es ging hin und her“, kommentierte der 22 Jahre alte Hottmann: „Dann springt mir der Ball an die Brust, ich dreh mich und hab einfach draufgehalten, würde ich mal sagen.“

10 000 Zuschauer hatten sich am stürmischen Mittwochabend im weiten Rund auf dem Oberwiesenfeld eingefunden – fast so viele, wie bei sämtlichen 13 Türkgücü-Heimspielen im Olympiastadion zusammen. Anfeuerungstechnisch waren die 1860-Fans beim Auswärtsspiel „dahoam“ klar in der Überzahl (Kräfteverhältnis: 9900:100) – zum Leidwesen der Löwen schlug sich das jedoch zu keinem Zeitpunkt auf dem Rasen nieder.

TSV 1860: Hoffen auf Türkgücüs Rückzug

Das Spiel der Köllner-Elf – von Beginn an ein spielerischer Insolvenzantrag. Türkgücü machte geschickt die Räume dicht und wagte sich sogar sporadisch aus der Deckung. 1860 dagegen: Ratlosigkeit, die man fühlen konnte. Kein Tempo, keine Ideen, wenig Mumm. Einmal fasste sich Yannick Deichmann ein Herz und konnte sich live davon überzeugen, dass Franco Flückiger die Ausmaße seines Kastens kennt (22.). Die noch bessere Chance der ersten Halbzeit hatte aber Albion Vrenezi, dessen Flachschuss vom Strafraumeck denkbar knapp am Tor von Marco Hiller vorbeistrich (29.).

Obwohl Michael Köllner zur zweiten Halbzeit auf 4-4-2 umstellte (mit Tallig für Moll) fanden die Löwen an einem garstigen Mittwoch nie zu ihrer Form, die sie womöglich noch zum Zeitpunkt der ursprünglichen Ansetzung dieser Partie gehabt hätten (am 22. Januar). War es der Druck, gewinnen zu müssen, während der Gegner nicht mehr viel zu verlieren hatte? Hottmanns Seitfallzieher zur Führung dürfte jedenfalls beim „Tor des Monats“ noch mal auftauchen – und der Zweikampf, den Niklas Lang vor Sararers Strafstoß zum 2:0 führte, dürfte Bestandteil der morgigen Videoanalyse werden. Mit einer feinen Einzelleistung stellte Neudecker noch auf 1:2 – aber viel zu spät. Nach der ersten Niederlage in diesem jungen Jahr bleibt den Löwen nur die Hoffnung, dass Türkgücü ganz aus der Wertung genommen wird. Auf beide Spiele – das 1:1 in der Hinrunde und das 1:2 gestern – würde 1860 auch mit Blick auf die Tabelle gerne verzichten. (Uli Kellner) *tz.de ist ein Angebpt von IPPEN.MEDIA

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