Kommentar zum Lokalderby

Hin und mit? Das gilt noch immer, nur nicht für das Talente-Gerangel...

Der Löwen-Sieg in Unterhaching nährt Zweifel an der vermeintlichen Zeitenwende im Verhältnis der beiden Lokalrivalen. Jetzt heißt es: Zurück zur alten Hackordnung!

Ein Spielerberater mit Löwen-Vergangenheit hat dieser Tage daran erinnert, wie es lange um das Verhältnis der Lokalrivalen TSV 1860 und SpVgg Unterhaching bestellt war. „Früher war Haching der Hin-und-mit-Verein für 1860“, sagte er und bezog sich auf die Duelle in den jeweiligen Ligen (Siegpflicht) – und auf das Gerangel um die besten Nachwuchsspieler. Der frühe Sechzig-Trainer Alex Schmidt (jetzt Türkgücü) beschrieb dieses Selbstverständnis so: „Wir sind hin, haben die drei Punkte mitgenommen – und meistens auch noch das beste Talent.“

Das mit den Talenten hat sich geändert, wie man weiß. Der Börsenclub Haching hat in allen Bereichen aufgeholt und 1860 erst kürzlich den U-17-Torjäger Andreas Hirtlreiter weggeschnappt. Wiederhergestellt – nach vereinzelten Haching-Nadelstichen in den Nullerjahren – wurde dagegen die alte sportliche Hackordnung. Von bisher fünf Duellen in der 3. Liga hat die Spielvereinigung nur das erste nicht verloren. Die letzten Aufeinandertreffen dagegen (inklusive Totopokal) endeten immer gleich: Haching haderte – und die Löwen bejubelten ihre ertragreichen Hin-und-mit-Ausflüge.

Das Derbyergebnis vom Montag (2:0) weckt nun bei den Siegern Hoffnung auf mehr: 1860 bleibt in der Tabelle nicht nur über Haching, sondern steht auch wieder vor den anderen 18 Drittligisten. Und das Beste aus Sicht der Sechzger: Es gibt Gründe zur Annahme, dass es sich um kein Herbsthoch handelt, sondern womöglich auch mittelfristig mit den erfolgshungrigen Köllner-Löwen zu rechnen ist. Angefangen bei der gefestigten Teamhierarchie, dem Siegeswillen und der Geschlossenheit – bis hin zu taktischer Flexibilität, ungewohnter Ruhe auf der Führungsebene und der Fähigkeit, Rückschläge in neue Energie umzuwandeln. Dem Heim-1:2 gegen Saarbrücken ließ 1860 ein kaum gefährdetes 2:0 im Sportpark folgen. Aus diesem Holz, so glauben immer mehr Experten, sind potenzielle Aufsteiger geschnitzt.

Haching dagegen blickt ungewissen Zeiten entgegen. Kurz vor Halloween kommt die bisherige Hinrunde wie eine verkleidete Horror-Rückrunde daher: Null Punkte aus drei Spielen der Englischen Woche, Tabellenplatz 13 und ein neuer Trainer (Arie van Lent, Ex-Stürmer!), der schon jetzt verzweifelt wirkt. Haching trifft das Tor nicht – vielleicht steckt aber auch ein generelles Qualitätsproblem dahinter. Hoffnung macht das eigene NLZ, das vor der Saison in die zweitbeste Kategorie hochgestuft wurde – und die Aussicht, dass der Giesinger Hin-und-mit-Club womöglich bald in der 2. Liga seine Punkte einsammelt.

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