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Blick über den Tellerrand:
Köllners Löwen lernen vom EHC

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Von: Uli Kellner

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Die Eishockey-Mannschaft des EHC München mit Trainer Don Jackson.
Kopf hoch! Die Löwen trösten Partnerclub EHC, der sich mit der Vizemeisterschaft begnügen muss. © dpa

Eine aufrechte Haltung, auch wenn‘s schief geht. Köllner schwärmt vom Teamausflug in die Eishalle und findet: Der EHC kann stolz sein - 1860 aber auch.

Die Fußballwelt schwärmt vom Halbfinale der Champions League, in dem sich Real Madrid und Manchester City einen großen Kampf geliefert haben. Und Michael Köllner? Der hat am Mittwochabend nicht mal den Fernseher angeschaltet. Der 1860-Coach, der gerne über den Tellerrand schaut, hatte Besseres zu tun: Teamausflug zur Eishalle. Daumen drücken für den befreundeten EHC. Brachte am Ende zwar nichts, aber Köllner nahm trotz der 0:5-Pleite des Partnerclubs gegen Berlin jede Menge positive Eindrücke mit. Auch welche, die ihm und seinen Löwen im Hinblick auf das Relegationsfinale am Samstag in Magdeburg dienlich sein könnten.

„Es gibt nichts Besseres, als ein Finish zu erwischen, wo du noch ein Wunder schaffen kannst“, dozierte er und verwies auf das unerwartet hohe Ergebnis im finalen Playoff-Duell der beiden besten deutschen Eishockey-Teams: „Wenn da jemand vorher 0:5 getippt hätte, den hätte man wahrscheinlich sonstwo hingeschickt.“ An den EHC gerichtet sagte er: „Es muss sich keiner schämen, wenn du deutscher Vizemeister wirst.“ Genauso wenig, schwang da mit, wie sich im Fußball eine der drei besten Rückrundenmannschaften der 3. Liga schämen müsste, wenn sie eine lange Saison „nur“ auf Tabellenplatz vier abschließt.

Wenn wir 0:4 hinten liegen würden, kann man sich ausrechnen, wer am Schluss noch da wär’: Ich, ein paar Spieler – aber der Rest wäre dann verschwunden.

1860-Trainer Michael Köllner nach dem Teamausflug zum Eishockey.

Auch in puncto Haltung und Sportgeist hat der Eishallen-Besuch bleibenden Eindruck bei Köllner hinterlassen. „Nach dem zweiten Drittel stand es 0:4“, berichtete er, „und kein Zuschauer hat die Halle verlassen.“ Selbst nach dem 0:5-Endstand und vor der Siegerehrung sei kein enttäuschter EHC-Fan zur U-Bahn geflüchtet. Köllner: „Im Fußball ein undenkbares Szenario. Bis zum Schluss waren alle Ränge proppevoll. Dieser Respekt, den die Zuschauer beiden Mannschaften gezollt haben, den habe ich als extrem außergewöhnlich empfunden.“ Grinsend fügte er hinzu: „Wenn wir 0:4 hinten liegen würden, kann man sich ausrechnen, wer am Schluss noch da wär’: Ich, ein paar Spieler – aber der Rest wäre dann verschwunden.“

Sportlich war es vor allem die Performance der Berliner, die es Köllner angetan hatte. „Berlin hat nahezu keine Fehler gemacht“, schwärmte er: „München hat sich ein paar kleinere Fehler erlaubt – die wurden gnadenlos bestraft, und dann geht so ein Spiel auch mal rasant in die Hose.“ Versteckte Botschaft an das eigene Team: am Samstag in Magdeburg an den Eisbären orientieren. „Vor allem defensiv werden wir maximal gefordert sein“, weiß Köllner: „Und offensiv sollten wir ein, zwei Törchen machen, wie meine Frau sagen würde.“

Nächstes Jahr die nächste Attacke: Macht‘s Köllner wie Don Jackson?

Zu guter Letzt lobte Köllner die Kampfmoral seines EHC-Trainerfreundes Don Jackson (65), der ihm noch in der Nacht der Finalpleite eine Textnachricht geschickt habe. Inhalt: „Wir werden nächste Saison wieder angreifen!“ Nur bei diesem Thema wollte der 1860-Coach keine Analogie herstellen, die eigene, weiterhin ungeklärte Zukunft weglächelnd: „Jetzt spielen wir erst mal in Magdeburg und gegen Dortmund II. Das werden zwei knüppelharte Spiele zum Abschluss einer sehr interessanten Saison.“

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