Ex-Kapitän im ausführlichen Interview

„Man kann mit einem Medizinball so viele Dinge machen“: Ex-Löwe und Waldhof-Trainer im Interview

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„Waldhof ist ein Verein, bei dem ich gerne länger arbeiten würde“: Bernhard Trares, seit 2018 Trainer in Mannheim.

Bernhard Trares gehörte einst zu den Aufstiegshelden des TSV 1860 und spielte mit dem Klub in der Bundesliga. Heute ist er Trainer von Waldhof Mannheim und trifft auf die Ex-Liebe.

München – Am Montagabend (19 Uhr) tritt der TSV 1860 bei Waldhof Mannheim an – und trifft dort auf einen Trainer, den man in der Löwen-Welt sehr gut kennt. Bernhard Trares spielte von 1991 bis 1997 für den TSV, führte die Mannschaft zeitweise auch als Kapitän an. Später (2004 bis 2006) assistierte er den Löwen-Cheftrainern Reiner Maurer und Walter Schachner. Auf Umwegen (er arbeitete unter anderem Bruno Labaddia in der ersten Liga beim HSV zu) landete er 2018 in Mannheim – und stieg im Frühjahr in die 3. Liga auf. Vor dem Spiel gegen Sechzig erklärt Trares, 53, warum er sich bei Waldhof so wohlfühlt, warum es heutzutage so knifflig ist, ein Bundesligateam zu koordinieren und warum es nicht verwerflich ist, mit Medizinbällen zu trainieren.

Herr Trares, als Sie im Mai Ihren Vertrag bei Waldhof Mannheim verlängerten, rechnete die Presseabteilung des Clubs zusammen, wie viele Punkte Sie in 50 Pflichtspielen als Cheftrainer geholt haben. Wissen Sie, wie viele es waren?

Bernhard Trares: Ne, das ist für mich Vergangenheit, das weiß ich nicht.

115 Punkte, ein sehr guter Wert. Warum klappte es von Beginn an so gut?

Trares: Wir waren einfach fokussiert auf unser Ziel: den Aufstieg in die 3. Liga. Im ersten Jahr sind wir in der Relegation gegen Uerdingen leider nicht belohnt worden. Danach war klar: Entweder ich steige im nächsten Jahr auf oder ich verlasse den Verein. So sind wir das angegangen – mit maximaler Intensität.

Es klappte dann mit dem Aufstieg. Was mussten Sie danach mit Blick auf die 3. Liga verändern?

Trares: Man muss immer versuchen, sein Team zu verbessern. Man muss Spieler finden, die die passende Qualität, Mentalität und soziale Kompetenz haben. Das ist nicht einfach. In dem Prozess sind wir gerade noch: ein gutes Drittligateam aufzubauen.

Sie sagten einmal, es sei inzwischen sehr schwer, eine Mannschaft zu koordinieren, weil jeder Spieler eine Art Ich-AG sei. Wie meinen Sie das genau und wie gehen Sie damit um?

Trares: Das ist bei uns etwas einfacher als in der Bundesliga, wo jeder seinen eigenen Werbeauftrag hat, hier ins Studio muss, da ins Studio muss. Wir haben schon das Gefühl, ein echtes Team zu sein. Klar, schaut jeder auch, dass er für sich weiterkommt. In der ersten Liga geht es aber ganz anders zu: Jeder Spieler vermarktet sich selbst, hat zusätzliche Verträge. Das gibt’s bei uns eben nicht.

Bernhard Trares: „Nicht verwerflich, mit dem Medizinball zu trainieren“

Als Profi spielten Sie unter Werner Lorant und Felix Magath, zwei Trainer, die nicht gerade als zimperlich gelten. Hat Sie das selbst als Trainer geprägt?

Trares: Profifußball ist ein harter Job, wo sich jeder einzeln durchsetzen muss, man aber trotzdem für den Teamgeist hohe soziale Kompetenz braucht. Ich hatte viele gute Trainer – und habe von jedem auch etwas mitgenommen, auch von den beiden.

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Zum Beispiel? Von Magath den Medizinball?

Trares: Ich habe ihn dieses Jahr nicht gebraucht, aber wenn wir Athletiktraining machen – warum nicht? Man kann mit einem Medizinball wunderbar für den Oberkörper arbeiten, um Stabilität zu finden für den Rumpf. Man kann mit einem Medizinball so viele Dinge machen. Es ist daher nicht verwerflich, mit ihm zu trainieren.

Ex-Löwe Bernhard Trares im Trainingslager des TSV 1860 München auf Zypern in Papos. Das Bild entstand im Jahr 2005.

Sie arbeiten seit 2004 als Trainer, bisher aber nie länger als drei Jahre für denselben Club. Haben Sie in Mannheim einen Verein gefunden, der gut zu Ihnen passt?

Trares: Ja, Waldhof ist auf jeden Fall ein Verein, bei dem ich gerne länger arbeiten würde. Vieles passt wunderbar. Ich kenne den Verein, das Umfeld, die Mentalität der Leute. Und es ist nah an meinem Wohnort. Es gibt viele Faktoren, die sehr positiv sind.

Waldhof ist aber auch ein Verein mit besonderen Herausforderungen: Beim Relegationsspiel gegen Uerdingen im Mai 2018 randalierte eine Gruppe von Fans so heftig, dass das Spiel abgebrochen wurde.

Trares: Das haben wir abgeschüttelt. Natürlich hat das noch nachgewirkt, der Verein hat dann aber einen Selbstreinigungsprozess eingeleitet. Wir achten aufeinander – schauen genau, wer was macht. Wir haben uns resettet und starten jetzt einfach neu.

Und sehr ambitioniert. Ihr Präsident Bernd Beetz will, das kommuniziert er ganz offen, in die 2. Liga.

Trares: Ja, es muss natürlich ein Ziel geben – wie auch bei Braunschweig, wie bei 1860. Wenn man sich stabilisiert hat, geht es darum, eine Mannschaft zu formen, mit der das auch realistisch ist.

„Der Sechzig-Fan erwartet natürlich immer den Aufstieg“

Am Montag spielen Sie gegen TSV 1860, Ihren alten Verein. Was haben Sie mitbekommen, seitdem Sie den Club 2006 verlassen haben?

Trares: Sechzig ist gerade auch dabei, sich zu konsolidieren. Sie mussten auch den einen oder anderen Spieler ziehen lassen. Es gibt finanzielle Rahmenbedingungen. Aber Sechzig ist natürlich ein Traditionsverein. Ich durfte dort in der Bundesliga spielen. Der Sechzig-Fan erwartet natürlich immer den Aufstieg, will immer ganz vorne sein.

Wie schätzen Sie die aktuelle Mannschaft ein?

Trares: In der 3. Liga kann jeder jeden schlagen. Es gibt ein paar Vereine, die einen breiteren Kader haben. Ingolstadt kann sich zum Beispiel noch einen Maximilian Beister holen, die liegen schon noch eine Nasenspitze vorne. Es gibt aber zwölf bis 14 Vereine, die etwa dasselbe Niveau haben. Dazu zähle ich eben auch 1860.

Haben Sie sich als Trainer schon mit Daniel Bierofka duelliert?

Trares: Nein, bisher noch nicht.

Was halten Sie von ihm?

Trares: Er hat seine Sache immer sehr gut gemacht – schon damals, als er bei Sechzig als Interimstrainer eingesetzt wurde. Auch jetzt noch.

In der Regionalliga sammelten Sie insgesamt 115 Punkte. In der 3. Liga sind es in dieser Saison drei. Wie viele kommen dazu?

Trares: Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen. Wie viele Punkte dann dabei herauskommen, weiß ich noch nicht.

Interview: Christopher Meltzer

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