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Löwen-Gegner RWE: „Speziell für große Namen sind wir eklig...“

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Von: Uli Kellner

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Ralf und Lars Fleischer beim Video-Doppelinterview mit Sportredakteur Uli Kellner.
Vortreffen beim Video-Interview: Ralf Fleischer von Löwen-Sponsor Stadtsparkasse freut sich auf das Wiedersehen mit Sohn Lars, der mit RW Essen anreist. © ulk

Auf wessen Konto landen die letzten drei Punkte des Jahres? Essens Co-Trainer Lars Fleischer sagt 1860 und Papa Ralf von Sponsor Stadtsparkasse den Kampf an.

Aufstiegsanwärter gegen Aufsteiger, Traditionsduell zweier Kultclubs - und mittendrin: ein Familientreffen der besonderen Art: Ralf Fleischer vs. Lars Fleischer. Der eine lenkt die Geschicke einer Münchner Bank, die den TSV 1860 sponsert, der andere sitzt auf der Trainerbank von Rot-Weiss Essen, dem Löwen-Gegner am Montagabend im Grünwalder Stadion (19 Uhr). Plakativ ausgedrückt: Der Papa möchte drei Heimpunkte verbuchen, der Sohn sie aus dem „Fort Knox“ Giesings entführen.

Für Ralf Fleischer, 59, den Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse, steht fest: Die Löwen, von seinem Arbeitgeber als Premiumpartner unterstützt, brauchen den Sieg mehr als Drittliga-Neuling Essen, der nach schwachem Start zuletzt immer stärker auftrumpft. Auf einem Sitzplatz in der Stehhalle wird der Bänker das Duell der Traditionsclubs verfolgen – mit bestem Blick auf die Trainerbank der Gäste, auf der Sohn Lars, 28, der Assistenzcoach des Aufsteigers, Platz nehmen wird. „Für mich ein ganz besonderes Spiel“, sagt Ralf Fleischer voller Vorfreude: „Zum einen sind wir als Stadtsparkasse Sponsor von 1860, zum anderen geht es gegen meinen Sohn, der mit Rot-Weiss Essen anreist. Eine spannende Konstellation.“ Sieht Lars Fleischer genauso: „Es gibt ein paar Spiele im Jahr, auf die man sich besonders freut. Da gehört Duisburg dazu, Dresden – und das Spiel bei 1860. Natürlich auch, weil mein Papa in München wohnt.“

 Es gibt ein paar Spiele im Jahr, auf die man sich besonders freut. Da gehört Duisburg dazu, Dresden – und das Spiel bei 1860. Natürlich auch, weil mein Papa in München wohnt.

Lars Fleischer, 28, Sohn von Stadtsparkassen-Vorstand und Löwen-Sponsor Ralf Fleischer, 59.

Dass sich Vater und Sohn als Gegner begegnen, ist Premiere in der Familie Fleischer, die ursprünglich aus Mülheim an der Ruhr stammt. Früher war es üblich, dass beide zusammen ein- und demselben Verein die Daumen drückten – weder den Löwen noch Rot-Weiss Essen, sondern Borussia Mönchengladbach. Ralf Fleischer gibt zu: „Eigentlich bin ich Gladbach-Fan und habe meinen Sohn irgendwann dazu gekriegt, das auch zu werden.“ Stimmt, bestätigt Lars, der seit 2018 für den Kultverein von der Hafenstraße tätig ist: „Es fließt definitiv auch grünweißes Blut in meinen Adern.“

Auch Michael Köllner, der in die Kritik geratene 1860-Trainer, hat die Borussia des Öfteren als lobendwertes Beispiel genannt, wie sich mit seriöser Aufbauarbeit Großes erreichen lässt. Aber: Die Realität heißt 3. Liga – und nicht nur Köllner, sondern auch die Fleischers sind sich der Brisanz der Partie bewusst. Schon beim Vater-und-Sohn-Treffen mittags vor dem Spiel, in irgendeinem Münchner Wirtshaus, dürfte das Familienduell verbal angeheizt werden. Lars sagt selbstbewusst: „Wir sind mit RWE seit sechs Ligaspielen ungeschlagen, haben uns zuletzt in der Fremde etwas leichter getan. Emotionale Spiele gegen tolle Namen liegen uns. Für jeden Gegner eklig zu sein, kriegen wir immer besser hin. Speziell wenn der Gegner in der Rolle ist, das Spiel zu machen, können wir uns gut reinarbeiten. Ich denke, daher kamen zuletzt auch die positiven Resultate.“

Und wie geht’s am Montagabend aus? Papa Fleischer sagt: „Mein Wunsch wäre ein Unentschieden. Ich glaube, da können beide Vereine mit leben, verbunden natürlich mit der Hoffnung, dass 1860 trotzdem aufsteigt.“ Sieht Lars im Prinzip genauso: „1860 ist wie Essen ein toller Traditionsverein, der nicht da spielt, wo er hingehört. Es ist ein Verein, den man sich weiter oben wünscht“. Aber, wirft er ein: „Wir werden nicht mit dem Ziel nach München fahren, ein Unentschieden zu holen, sondern fahren mit der festen Absicht dahin, das Spiel zu gewinnen.“

Danach ist zwei Monate Pause. Zeit genug für die Fleischers, die ersten 17 Saisonspiele zu analysieren. Oder sich in München wieder zu treffen – dann nicht mehr als Gegner (erst mal), sondern als Vater und Sohn.

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