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1860-Rückkehr ins Grünwalder: Das sagen die Anwohner

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Gut gerüstet: Wirtin Alice Völtl hat in Erwartung der Fans schon zusätzliches Personal eingestellt.
Gut gerüstet: Wirtin Alice Völtl hat in Erwartung der Fans schon zusätzliches Personal eingestellt. © Oliver Bodmer

Die Heimkehr der Löwen ins Grünwalder Stadion steht so gut wie fest. Im Vorfeld gab es viele kritische Stimmen aus den Reihen der Anwohner und der Lokalpolitik. Doch nicht alle Giesinger blicken der Rückkehr mit Sorge entgegen.

München - Wenn Elisabeth Bräunlein aus ihrem Wohnzimmerfenster schaut, dann sieht sie direkt auf das Grünwalder Stadion. Bereits seit 30 Jahren lebt die pensionierte Lehrerin in der Altbauwohnung in Giesing. Sie hat bereits damals Spiele des TSV 1860 München in seiner alten Heimat erlebt. Dass das nun wieder Normalität werden soll, stört die 69-Jährige nicht. „Bei uns ist eigentlich das ganze Haus dafür“, erzählt sie. Die Aufregung manch anderer Anwohner versteht sie nicht. „Das ist doch lächerlich“, sagt sie. „Die Grünwalder Straße ist sowieso viel befahren und laut. Da stört ein Spiel am Wochenende auch nicht mehr.“

Hält die Aufregung für „lächerlich“: Elisabeth Bräunlein hat freien Blick aufs Stadion.
Hält die Aufregung für „lächerlich“: Elisabeth Bräunlein hat freien Blick aufs Stadion. © Oliver Bodmer

Regelrecht begeistert von der wahrscheinlichen Heimkehr der Löwen sind viele Gastronomen rund um das Stadion. „Für uns ist das zu 100 Prozent positiv“, sagt Amela Skrbo-Baur, Chefin der Wienerwald-Filiale an der Tegernseer Landstraße, und strahlt. Die Heimspiele jedes zweite Wochenende ließen den Umsatz nach oben schnellen, denn viele Löwen-Fans treffen sich vor und nach dem Spiel in ihrem Lokal zu Bier und Hendl. „An so einem Tag nehme ich gut das Fünffache ein“, sagt Skrbo-Baur. Die 52-Jährige hat für den bevorstehenden Ansturm schon sechs neue Mitarbeiter eingestellt. „Zum ersten Spiel sind wir dann perfekt vorbereitet.“

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An Spieltagen klingelt die Kasse: Wirtin Amela Skrbo-Baur heißt die Löwen-Fans gern in ihrer Wienerwald-Filiale willkommen. © Oliver Bodmer

„An Spieltagen wird die Kneipe bestimmt voll sein“

Auch die Brasilianerin Alice Völtl, die mit ihrem Mann Robert das „Augustiner Stüberl“ betreibt, freut sich über die Rückkehr nach Giesing. „An Spieltagen wird die Kneipe bestimmt voll sein“, sagt sie. Dass die Fans des TSV 1860 München hier eine Heimat finden, ist unübersehbar. Schon jetzt ist das Löwen-Emblem allgegenwärtig. Auf einem Schal an der Wand steht in großen Lettern „Dahoam in Giesing“. Dass Giesing die Heimat der Löwen sei, hört man immer wieder, wenn man sich im Viertel umhört. Manche sagen auch, dass sie irgendwo ja spielen müssen, die Blauen.

Vielen scheint es schlicht und ergreifend gleich zu sein, ob die Löwen wieder im Grünwalder Stadion kicken oder nicht. So wie Martin Schneider. Der 65-Jährige wohnt schon lange in Giesing und erinnert sich: „Die Sechziger waren nie die Schlimmen, sondern eher die Spiele der Regionalliga.“ Daher sieht der Rentner dem Ganzen eher entspannt entgegen.

Einige fürchten randalierende Fans

Es gibt auch Giesinger, denen der Gedanke an den regelmäßigen Ansturm der Fußballfans Bauchschmerzen bereitet. Einer von ihnen ist Martin Hunger. Der 43-Jährige führt die Fahrschule an der Tegernseer Landstraße nahe dem Giesinger Grünspitz. „Ich befürchte, dass einem nach den Spielen die Fenster eingeschlagen werden könnten, wenn die Stimmung zu sehr hochkocht im Stadion“, sagt Hunger. Zudem befürchtet er, dass vor und nach den Spielen die Kreuzungen an Stadion und Candidplatz gesperrt werden. „Dann müssten wir an den Tagen unseren Betrieb quasi einstellen“, sagt Hunger. „Das wäre natürlich sehr ärgerlich.“

Fürchtet Stau und Randale: Fahrlehrer Martin Hunger.
Fürchtet Stau und Randale: Fahrlehrer Martin Hunger. © Oliver Bodmer

Auch wenn einige Bedenken sicherlich noch im Raum stehen, scheint Giesing im Großen und Ganzen entspannt zu bleiben. Und schließlich, so sagt Elisabeth Bräunlein, habe die Rückkehr der Löwen noch einen weiteren Vorteil: Solange das Stadion bespielt wird, bestehe nicht mehr die Gefahr, dass es doch noch abgerissen werden könnte. „Ein neu gebautes Hochhaus würde uns nur die Sicht versperren“, erklärt sie. „Und so kann ich weiterhin jeden Tag die Sonne hinter dem Stadion untergehen sehen.“

Lisa-Marie Birnbeck

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