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TSV 1860: Kapitän Lex nimmt alle mit und träumt vom Aufstieg

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Von: Uli Kellner

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Stefan Lex steht in einer Art Gondel.
Wohin steuern die Löwen in der Rückrunde? Kapitän Stefan Lex im Teamhotel in Belek. © Stefan Matzke / Sampics

Bei 1860 ist ein neues Zeitalter angebrochen: Nach der sechsjährigen Regentschaft von Sascha Mölders ist es jetzt Stefan Lex, der seinen Führungsstil einbringt.

München - Kurz vor dem Abflug ins Trainingslager bekam Stefan Lex die Last seiner neuen Dreifachbelastung zu spüren. Sie äußerte sich in Form von Übergepäck, denn neben seiner Rolle als Torjäger und Kapitän ist Lex ja auch der inoffizielle Gesellschaftsspiel-Beauftragte des TSV 1860. Von Teammanager Fatih Aslan erhielt er kurzfristig den Auftrag: Mannschaftsabend organisieren. Bedeutete für Lex: Noch ein paar Spiele in die Belek-Tasche reinquetschen. An Auswahl mangelt es zu Hause in Eitting nicht – Weihnachten kamen wieder ein paar dazu. „Obwohl meine Frau schon geschimpft hat“, wie der Stürmer mit Blick auf seine überquellenden Regale berichtet: „Sie sagt: Neue Spiele gibt’s jetzt nur noch, wenn ich pro Spiel ein altes rausschmeiße.“

Ausgesucht hatte Lex für Montagabend: „Just one“, „Colour Brain“ und „What do you meme?“ Drei Spiele, die von den Herstellern als „kurzweiliger Partyspaß“ angepriesen werden – ideal für den Auftrag, den Lex nach den Vorstellungen von Trainer Michael Köllner zu erfüllen hat. Er lautet nach dem Ende der sechsjährigen Regentschaft von Sascha Mölders: Teamgeist fördern, ein neues Miteinander schaffen, Zusammenhalt stiften. All das, was am Ende der Ära Mölders dem Vernehmen nach auf der Strecke geblieben ist.

Teamabend in Belek - organisiert vom Gesellschaftsspiele-Fan Lex

Aus Sicht von Köllner ist Lex, 32, der ideale Kapitän. Beliebt bei jung und alt, ausgleichend, sportlich als Ex-Bundesliga-Spieler über jeden Zweifel erhaben. Eine offizielle Nachfolgerwahl gab es nicht, doch Lex weiß selber, dass er die Binde, die er zuletzt zweimal am Arm trug, nicht so schnell wieder los wird. „Der Trainer hat’s bestimmt. Das ist schön, nehme ich mit – aber es ist schon auch ein Stück weit mehr Verantwortung“, sagt der Urbayer. Schon der Umstand, dass er mal für seinen Herzensverein auflaufen würde, sei ja „ein unrealistischer Traum“ gewesen: „Umso mehr freut’s mich jetzt, dass ich Kapitän bin – wobei ich mich nicht dafür feiern will.“

Die Mannschaft schon eher, denn der Ansatz von Lex ist ein anderer als jener des Ex-Alphalöwen Mölders. „Ich werde Sascha nicht nachahmen – kann ich auch nicht“, sagt Lex, der verspricht: „Ich versuche, alle einzubinden, vor allem auch die jungen und die neuen Spieler. Das war aber auch schon vorher meine Herangehensweise.“ Lex sieht es so: „Alle bei uns müssen mehr vorangehen – und ich denke, das ist uns zweimal auch ganz gut gelungen.“

So wie bei den Siegen in Dortmund (2:0) und Würzburg (3:0) wollen die Löwen weitermachen. Sportlich, taktisch – vor allem aber auch menschlich, was den Umgang miteinander betrifft. „Nach dem Magdeburg-Spiel haben wir uns in der Kabine zusammengesetzt“, berichtet Lex: „Das ist jetzt nichts Ungewöhnliches in einer Saison und hat auch weniger mit Sascha, sondern mehr mit der ersten Halbzeit zu tun (0:5). So was hat noch keiner von uns als Profi erlebt. Allen war klar: So können wir nicht weitermachen. Da müssen wir einen anderen Ansatz finden. Von der Gemeinschaft her. Und wie wir uns in solchen Spielen wehren.“

„Nach dem Magdeburg-Spiel haben wir uns in der Kabine zusammengesetzt. Das hatte weniger mit Sascha, sondern mehr mit der ersten Halbzeit zu tun (0:5). So was hat noch keiner von uns als Profi erlebt. Allen war klar: So können wir nicht weitermachen.“

Der neue 1860-Kapitän Stefan Lex.

Ein Nebenprodukt der defensiveren Marschroute war, dass sich vorne Platz fand für ein neues Sturmduo: Lex und Marcel Bär (alias Lexi & Cello) harmonierten wie ein altes Ehepaar, teilten sich die fünf Auswärtstore und legten sich einige sogar gegenseitig auf. „Für uns hätte es nicht besser laufen können“, sagt Lex. Ein Torjäger ist gegangen, zwei neue wurden geboren – nicht das Schlechteste, das 1860 mit Blick auf die Rückrunde passieren kann: „Wir haben jetzt keinen Spieler mehr, der bis zum Winter bei 15 Toren steht. Aber der Cello hat acht, einige haben fünf – am Ende könnten ein paar im zweistelligen Bereich sein, was uns insgesamt schwerer ausrechenbar macht.“

Das gemeinsame Ziel ist unschwer zu erraten. Verklausulierte Frage an den „Codenames“-Fan Lex: Wenn ein imaginärer Partner „Aufstieg 3“ sagt und vor ihm die Kärtchen mit den Namen der 20 Drittligisten liegen – welche der Vereine würde er mit dem Codewort assoziieren? Verschmitzte Antwort des Spieleprofis: „Magdeburg, Mannheim – und die letzte Mannschaft lasse ich offen.“ Welche das wohl sein wird? Noch mal Lex: „Ich habe immer gesagt, dass ich hier einen Aufstieg miterleben will.“ (Uli Kellner)

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