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TSV 1860: Rückhalt für den 1:1-Trainer - Ismaik und Reisinger stützen Köllner

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Von: Uli Kellner

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1860-Kapitän Sascha Mölders schaut entsetzt beim 1:1 in Saarbrücken.
Nicht schon wieder: Sascha Mölders mit entsetztem Unentschieden-Gesicht. © Imago

Sie verlieren kaum, gewinnen aber auch nicht - und sacken immer weiter in der Tabelle ab. Die Löwen 2021/22 - ein Team, dem laut Coach Köllner „Nuancen“ fehlen.

Abwandlung eines Löwen-Bonmots aus den 80er-Jahren: Gegen wen hat 1860 eigentlich diese Woche 1:1 gespielt? Antwort: auswärts beim 1. FC Saarbrücken. Wie zuvor bereits gegen Türkgücü, Braunschweig, Meppen, Halle, Verl und Viktoria Berlin.

Der Originalspruch bezieht sich auf den Hang der Giesinger zu Personalwechseln und stammt aus einem Tatort von 1985 mit Helmut Fischer als Hauptkommissar („Wer ist eigentlich diese Woche Trainer beim TSV 1860?“). An der Trainerfront ist es seit einiger Zeit wohltuend ruhig – dafür bietet die fast schon unheimliche Aneinanderreihung von Unentschieden (8 in 12 Spielen) Anlass für eine humorige Betrachtung. Nur nicht bei den Betroffenen selbst. „Ehrlich gesagt: Ich kann die ganzen Remis nicht mehr sehen“, sagte Merv Biankadi, der 1860 im Ludwigspark nach einer Brustvorlage von Sascha Mölders in Führung gebracht hatte (58.): „Hier in Saarbrücken kann man natürlich unentschieden spielen, aber von der Menge her ist es einfach zu viel.“

Ehrlich gesagt: Ich kann die ganzen Remis nicht mehr sehen.

Torschütze Merveille Biankadi.

Isoliert betrachtet war es sogar ein Erfolg, bei der Mannschaft der Stunde (Tabellendritter, seit sechs Spielen ungeschlagen) beinahe zu gewinnen. In der auf Platz vier beendeten Vorsaison verloren die Löwen beide Duelle mit den Saarländern – am Samstag lieferten sie einen Kampf auf Augenhöhe, gingen in Führung, hatten Chancen, den Sack zuzumachen (Bär, Greilinger) – und viele Phasen der Dominanz.

Ohne das angeschlagene Duo Lex/Linsbichler (beide wurden spät eingewechselt) hatte Michael Köllner seine Mannschaft in einem ausbalancierten 4-Raute-2-System aufgeboten – mit Dauerläufer Yannick Deichmann und den Startelf-Rückkehrern Mölders und Biankadi als Aktivposten, einem Marco Hiller, der das Glück des Tüchtigen hatte (zwei Pfostentreffer) und dem Innenverteidiger-Duo Lang/Salger, das den formstarken Ex-Löwen Adriano Grimaldi meistens im Griff hatte. Lang hatte Glück bei einem Trikotzupfer gegen Grimaldi (36.), Salger fehlte dieses Glück später, als sein Armeinsatz gegen Robin Scheu mit Strafstoß geahndet wurde. Julian Günther-Schmidt traf zum Ausgleich (80.) – und zerstörte die Löwen-Hoffnung von einem Befreiungsschlag. Die neue Realität heißt Platz 16.

„Wir haben hier im Hexenkessel einen starken Auftritt hingelegt“, kommentierte Trainer Michael Köllner: „Letztes Jahr haben wir verloren, diesmal fahren wir mit einem Punkt nach Hause. Das ist immer das Mindestziel.“ Es seien nur „kleine Nuancen“, die für einen Dreier fehlen. „Ich bin mir sicher: Wir werden uns in den nächsten Wochen belohnen.“

Auch Ismaik stärkt dem Trainer den Rücken

Erfreulich für Köllner: Nachdem Sportchef Günther Gorenzel zuletzt ein wenig auf Distanz gegangen war („Du musst im Fußball bei allen Prozessen sehr wachsam sein“), erhielt der Trainer am Wochenende maximalen Zuspruch von beiden Gesellschafterseiten. Über seinen Instagram-Kanal teilte Hasan Ismaik in Richtung Profiteam mit: „Ich wiederhole mich gerne: Ihr genießt weiterhin mein uneingeschränktes Vertrauen und meine Unterstützung – genau wie Michael Köllner als Trainer. Wir wissen ganz genau, was wir an ihm und Euch haben.“ Robert Reisinger stieß auf der Mitgliederversammlung ins selbe Horn. „Wie war es denn in der Vergangenheit?“, fragte er: „Trainer sind geschmissen worden, ebenso Sportdirektoren – was war das Ergebnis? 4. Liga! Dafür stehe ich nicht. Als Verein unterstützen wir den Neuaufbau nach Kräften. Und ich hoffe auch, dass unsere Mitglieder geduldig den Weg mitgehen.“

Am Dienstag kommt Schalke - da muss es einen Sieger geben

Dem Beifall nach ist das der Fall. Und der Applaus steigerte sich noch, als Reisinger die Absenz des Trainers in der Zenith-Halle wie folgt entschuldigte: „Das Weiterkommen gegen Schalke ist wichtiger, als hier Präsenz zu zeigen.“ Eins steht fest: Im Pokalspiel am Dienstag wird es definitiv kein Unentschieden geben.

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