TSV 1860: Jahresendspiel gegen Wehen Wiesbaden

Köllners Award 2020? Der beste Torjäger bekommt ihn nicht, sondern...

Schon jetzt ist es eine außergewöhnliche Englische Woche. Aus den Spielen gegen Mannheim (5:0) und Kaiserslautern (3:0 auswärts) haben die Löwen sechs Punkte geholt und sich Tabellenplatz drei zurückerobert. Am Freitagabend kommt Wehen Wiesbaden ins Grünwalder Stadion, und auch da rechnet sich das Team von Michael Köllner was aus. Im Idealfall überwintert 1860 auf einem Aufstiegsplatz.

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Teamwork: Daniel Wein könnte in die Startelf zurückkehren, um an der Seite von Quirin Moll (r.) die konterstarken Wehener zu bremsen.
  • Köllners Star 2020 ist die Mannschaft: „Bei uns reißt sich jeder den A... auf.“
  • Stefan und Stephan fallen aus: Lex hat muskuläre Probleme, Salger ist an der Wade verletzt.
  • Sonderlob für Daniel Wein, der in die Startelf zurückkehren könnte.

Während die Fußballwelt am Donnerstagabend auf die FIFA-Wahl der Besten blickte, interessierte sich Michael Köllner nur am Rande für die Kür der Superstars. Sein Standpunkt: „Ein extrem guter Sechser oder Achter, der die Fäden in der Hand hält, ist aus Trainersicht oft der wichtigere Spieler als ein Lewandowski, Ronaldo oder Messi, der vorne die Angriffe finalisiert.“ Analog dazu fiele Köllners Wahl aus, sollte der 1860-Coach in die Verlegenheit kommen, den Besten der Besten aus dem Löwen-Kosmos 2020 auszuzeichnen. Seine salomonische Antwort: „Der Star ist eindeutig die Mannschaft, weil sich alle den A . . . aufreißen, dass es gute Ergebnisse gibt.“

Aktuelle Beispiele: „Dennis Dressel hätte den Award schon erhalten, auch Marius Willsch oder viele andere.“ Dass Sascha Mölders bei den jüngsten Tor-Orgien (5:0 gegen Waldhof, 3:0 in Lautern) „unser Man of the Match“ war, freut Köllner, „weil es Punkte bringt“. Grundsätzlich sei es aber so: „Das pendelt bei uns jeden Tag. Wir haben eine gute, kompakte Mannschaft, und wenn ich an das letzte Training denke, dann würde die Wahl ganz klar Daniel Wein gewinnen.“

Auf Anhieb eine Stütze: Salger-Vertreter Semi Belkahia.

Womit die Überleitung auf das Jahresabschlussspiel gegen Wehen Wiesbaden hergestellt wäre. Für eine Wein-Rückkehr ins zuletzt siegreiche Löwen-Team sprechen gleich drei Umstände. Erstens: Der Ausfall von Stefan & Stephan macht Platz für taktische Änderungen. Stefan Lex hat muskuläre Probleme, Stephan Salger noch immer eine lädierte Wade. Beide werden heute nicht im Kader stehen. Zweitens: Köllners Respekt vor der „extrem starken Umschaltmannschaft“ Wehen ist enorm. „Es wird für uns auf eine sehr gute Konterabsicherung ankommen“, was für eine Doppelsechs Moll/Wein sprechen könnte. Drittens, wobei das eher eine flapsige Bemerkung mit Bezug auf die Kadergröße war. „Ich kann nicht Wasser in Wein verwandeln“, scherzte der bibelfeste Köllner, „ich kann nur mit Daniel Wein spielen.“

Aus einem schmalen Kader ein starkes Team entwickelt

Unabhängig von der Aufstellung im letzten Spiel des Jahres geht es für 1860 darum, eine Englische Woche zu veredeln, die ein Überwintern auf Tabellenplatz zwei möglich machen könnte. „Es geht um drei wichtige Punkte“, so Köllner. Nach Sportchef Günther Gorenzel, der bei seiner Dankesrede niemanden aussparte, war es auch dem Coach ein Anliegen, einen größeren Bogen zu spannen. Zufrieden sei er mit der Mannschaft, die er und sein Team aus einem schmalen Kader entwickelt hätten. Semi Belkahia sei das beste Beispiel dafür, wie es gelingen kann, einen Spieler so an die Startelf heranzuführen, dass ihm im Ernstfall nicht die Nerven versagen: „Es bringt nichts, einen Spieler nur kurz vor dem Spiel starkzureden, so etwas geht nur über einen längeren Zeitraum.“ Und mit Vertrauen. Das Motto des gläubigen Christen Köllner: „Der Mensch denkt, Gott lenkt. Man muss Dinge auch mal laufen lassen.“ Generell sei die Zeit nun einfach reif gewesen, auch mal Talente wie Lorenz Knöferl von der Leine zu lassen: „Es wäre Unsinn gewesen, die jungen Spieler ganz am Anfang zu bringen.“

Der Mensch denkt, Gott lenkt. Man muss Dinge auch mal laufen lassen.

Der gläubige Christ Michael Köllner.

Wobei der Glaube das eine ist und der Aberglaube das andere. Dass Köllner seit Kurzem wieder auf sein Headset verzichtet, begründet er so: „Wenn ich ein Spiel verliere, habe ich die Klamotten ein zweites Mal nicht mehr an. Ich habe da meine Marotten – und bin bisher gut damit durchs Leben gekommen.“ Und durch eine Saison, mit der 1860 die Fans „glücklich und stolz“ gemacht habe.

Rubriklistenbild: © Bernd Feil / M.i.S.

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