Mehr als eine Fußnote?

"Socken-Affäre": Möhlmann hält alles für "Käse"

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Weg mit den Dingern: Nach der 0:1-Pleite in Heidenheim entledigen sich die 1860-Profis ihrer roten Leihstutzen.

München - Die Löwen-Profis haben die "Socken-Affäre" von Heidenheim nicht vergessen. Möhlmann hingegen nimmt es entspannt, denn schließlich sei viel wichtiger was auf dem Platz passiert.

Alle, die damals dabei waren, haben die Bilder noch im Kopf: Löwen-Profis, die sich voller Frust die roten Leih-Stutzen von den Füßen reißen. Heidenheims Zeugwart, der polternd und fluchend durch die Katakomben stapft („Thekentruppe!“). Draußen ein Berg dampfender Socken vor dem Fanblock – nach 1860-internem Beschluss dort hingepfeffert. Drinnen ein vor Wut schäumender Gästetrainer. „Mit Fairplay hatte das nichts zu tun“, rief Torsten Fröhling, der die 0:1-Pleite zum Saisonstart kommentieren musste: „Rot ist für uns die Höchststrafe. Es ist schade, dass wir zusätzlich noch einen auf die Fresse bekommen haben.“

Jetzt, vor dem Wiedersehen mit Heidenheim, kommt das alles wieder hoch. Wie Schiedsrichter Dingert kurz vor dem Anpfiff verfügt hat, dass die Löwen ihre weißblauen Stutzen ausziehen müssen, weil sonst Verwechslungsgefahr mit dem Heimteam bestehe. Wie die Gastgeber nichts taten, um die sog. „Socken-Affäre“ zu verhindern. Schließlich hätten sie ihre roten Zweitstutzen auch selber tragen können. Vitus Eicher, in Erding aufgewachsen und als Urlöwe bestens mit der Münchner Farbenlehre vertraut, sagte gestern: „Mich haben in den letzten Tagen so viele Leute auf dieses Thema angesprochen . . .“ Sein Blick sagt: Zurecht, denn ein Blauer darf natürlich niemals ein Kleidungsstück in den Farben des FC Bayern tragen. Sein Verstand sagt jedoch: Bloß keine Nebenkriegsschauplätze eröffnen, nicht jetzt im Abstiegskampf. „Nicht groß drüber reden“, empfiehlt der besonnene Torwart: „Lieber am Freitag auf dem Platz zeigen.“

Die Heidenheimer niederzukämpfen, ist grundsätzlich keine schlechte Idee, findet auch Benno Möhlmann, Fröhlings Nachfolger. Allerdings: Jetzt allzu viel Energie in das Stillen von Rachegelüsten zu stecken, hält der aktuelle 1860-Trainer für kontraproduktiv. „Für mich ist das Käse“, sagte er zur Socken-Affäre, von der er unter der Woche zum ersten Mal gehört habe. Seine Meinung ist: „Man hätte sich damals weigern sollen. Es bringt nichts, sich mit Dingen drumherum zu beschäftigen. Oder mit Dingen, die vorbei sind. Da lenkt man sich nur selbst ab.“

Möhlmann findet, dass es wichtiger sei, „über Dinge nachzudenken, die auf dem Platz passieren“. Oder zuletzt – zum Beispiel beim 0:1 gegen den FSV Frankfurt – nicht passiert sind. Als Denkanstöße bietet er einen ganzen Strauß an Themen an: „Wie die Spieler Zweikämpfe gewinnen? Wie sie mutig in Gassen gehen?“ Allgemein gesprochen: „Wie Fußball gespielt wird.“ Und zwar besser und vor allem erfolgreicher als zuletzt. Der Trainer weiß: Um die Klasse zu halten, muss eine zweite Halbserie her, in der die historisch schlechte Punkteausbeute aus den ersten 17 Spielen (14) nahezu verdoppelt wird. „40 Punkte sind eine Menge Holz, aber machbar“, sagt er: „Wie viele Punkte wir am Ende brauchen, weiß keiner. Es müssen aber deutlich mehr sein als in der Hinserie.“

Immerhin: Die personelle Lage entspannt sich. Schon heute kehren drei wichtige Spieler zurück: Marius Wolf, Gary Kagelmacher, Richard Neudecker. Zwei von ihnen waren auch im Hinspiel dabei. Kagelmacher verspürt laut AZ „Extra-Motivation“ wegen der roten Socken, Wolf sprach in der tz von einer „offenen Rechnung“. Da kann Möhlmann mahnen, wie er will, aber zum Auftakt einer verkorksten Hinrunde war diese Affäre womöglich doch mehr als eine Fußnote.

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