Trainer hat Bilanz, die zu Aufstiegsträumen berechtigt

Lienen schlägt Lorant nach Punkten

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Ewald Lienen will mit 1860 nachmachen, was er mit Köln geschafft hat. Werner Lorant rückt nicht von seiner Kritik an den Löwen ab.

München - Die beinharte Kritik von Werner Lorant an den runderneuerten Löwen („Katastrophe“) ist bereits zwei Wochen alt, doch noch immer wirkt der Rundumschlag nach.

Der Ex-Trainer war am Samstag einer Einladung seines Ex-Vereins in die Allianz Arena gefolgt, sah dort das von Florin Lovins Knieverletzung überschattete 3:1 gegen Greuther Fürth und ging – ob gewollt oder ungewollt – den Verantwortlichen aus dem Weg. „Er ist mir nicht untergekommen, der Kerl“, sagte Geschäftsführer Manfred Stoffers, klang dabei aber mehr amüsiert als verstimmt. Der Tenor im Verein ist inzwischen: Lasst ihn halt reden, den Beinharten.

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Sicherheitshalber haben die Löwen aber noch mal eine Statistik nachgereicht, die zwei Zwecken dient: Lorant ärgern und Ewald Lienen aufwerten. Das neueste Zahlenwerk lässt den aktuellen Trainer in einem deutlich helleren Licht erscheinen, als das bei einer vor dem Fürth-Spiel veröffentlichten Statistikauswertung der Fall war. Wurde Lienen in der auf Opta-Daten gestützten Vereinsmeldung als „schlechtester Löwen-Trainer seit dem Abstieg“ geführt, ist er nach neuer Lesart plötzlich einer, der selbst Aufstiegstrainer Lorant in den Schatten stellt. Wie das möglich ist? Ganz einfach. Man muss nur ein bisschen an den Zahlen drehen, denn es heißt ja nicht ohne Grund, man solle keiner Statistik trauen, deren Auswertung man nicht selber überwacht hat.

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Der Trick ist ganz einfach: Stützt man sich nicht nur auf Lienens überschaubares Wirken als Trainer des TSV 1860 (saisonübergreifend sieben Spiele mit zwei Siegen, zwei Unentschieden, drei Niederlagen), sondern nimmt noch seine Zweitligabilanz als Aufstiegscoach des 1. FC Köln hinzu, so stehen unter dem Strich 55 Spiele mit einer Ausbeute von 98 Zählern. „Lienen kommt so auf einen Schnitt von 1,78 Punkten pro Spiel“, rechnet Vereinssprecher Robert Hettich vor, „Lorant hatte in seinem Aufstiegsjahr 1,73.“ Selbstverständlich nach Umrechnung der Zwei- auf die seit 1994 gültige Dreipunktezählweise. Stellt sich die Frage: Wem nützt das Ganze? Zunächst mal niemandem, doch sollte Lienen seinen 1,78er-Schnitt halten, würde es am 9. Mai wohl zu einem Happy-End kommen. Die 60 Punkte, die Lienens Löwen dann auf dem Konto hätte, haben fast immer zum Aufstieg gereicht.

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Damit konfrontiert, antwortete Lienen mit dem berühmtesten aller Lorant-Zitate: „Interessiert mich nicht.“ Erklärend fügt er hinzu: „Wir können einen Strich drunter machen, wenn ein Jahr vorbei ist, aber doch nicht nach fünf Spielen.“ Lieber konzentriert er sich darauf, in Aachen am Sonntag den nächsten Dreier einzufahren – voraussichtlich mit jenen elf Profis, die in der zweiten Halbzeit den Sieg gegen Fürth einfuhren, also wieder mit dem jungen Tarik Camdal auf links und Lovin-Vertreter Mathieu Beda neben Aleks Ignjovski. Lienen erwartet „ein schweres Spiel, denn Aachen hat eine gute und gestandene Mannschaft“. Und Lorant? Der will sich nicht mehr groß zu seinem Ex-Verein äußern. „Jeder ist gleich beleidigt“, stellt er leicht beleidigt fest, „wenn sie keine Kritik vertragen, dann sollen sie’s lassen. Ich bleib bei meiner Meinung, und viele Leute, die mich angesprochen haben, geben mir Recht. Die sollen ihre Arbeit machen und aufsteigen, alles andere interessiert mich nicht mehr. Ende, Schluss, Feierabend.“ Abrücken von seiner Meinung wird er erst, wenn die Löwen wirklich am 9. Mai vom Rathausbalkon winken.

Uli Kellner

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