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Typisch 60: Anfang mit Hindernissen…

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Sechs der Gründungsmitglieder gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

München - Ach, wie viel Leid wäre Millionen Menschen erspart geblieben, wenn an jenem 15. Juli 1848 in der Buttler’schen Brauerei zum Bayerischen Löwen Ruhetag gewesen wäre.

Oder wenn die Kutscher der Pferdedroschken gestreikt hätten oder ein furchbares Unwetter über München niedergegangen wäre. Dann hätten sich dort sicherlich nicht jene Herrschaften eingefunden, die an diesem Abend einen Verein ins Leben riefen, der quasi als Urknall für den heutigen TSV München von 1860 herhalten muss: den Münchner Turnverein. Mit einem Wiener Hofschauspieler namens Adolf Schwarz als erstem Vorsitzenden. Der ein oder andere Schmierenkomödiant sollte ihm im Verlauf der nächsten 150 Jahre folgen…

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Der Schatzmeister nannte sich damals übrigens „Säckelwart“ und hieß Robert Bier. Aber 1848? Und jetzt 150-jähriges Jubiläum? Wie passt das zusammen? Nun, der Münchner Turnverein wurde bereits zwei Jahre später, am 6. Juli 1850, wieder geschlossen, da er, wie viele andere Vereine damals, für die Obrigkeit als „Anstalt moralischer Verpestung“ galt. Und Turnwart Karl Sedlmayer, ein gebürtiger Amberger, wurde wegen seiner Betätigung für den Turnverein als Ortsfremder sogar vom Rat der Stadt aus München ausgewiesen. Ein Schicksal, das unzählige Löwen-Trainer später auch ereilen sollte.

Die übrigen Herrschaften allerdings trafen sich weiterhin. Geturnt wurde weniger, man pflegte aber die Geselligkeit und rief 1856 einen Gesangskreis ins Leben.

Vier Jahre später wagte man dann einen neuen Anlauf. Mit allerdings noch gebotener Vorsicht. Das Wort Turnen wurde vermieden, als am 17. Mai 1860 der „Verein zur körperlichen Ausbildung“ aus der Taufe gehoben wurde. Mit den Vereinsfarben Grün und Gold, und Ludwig Schittler als Vorstand. Zwei Jahre drauf nannte man sich wieder Münchner Turnverein. Und am 14. Dezember 1889 wurde die heute legendäre Turnhalle an der Auenstraße bezogen, die 93 Jahre später im Zuge des Lizenzentzugs 1982 an die Stadt verkauft werden musste.

Am 6. März 1899 wurde die zweite Chance vertan, nachfolgende Generationen vor Verdruss und großem Ärger zu bewahren: Die Fußballabteilung wurde gegründet. Und setzte als neue Vereinsfarben Weiß und Blau durch. Aber erst drei Jahre später stieg das erste Spiel. Gegen den 1. Münchner Fußball-Club von 1896 setzte es am 27.Juli 1902 auf der Schyrenwiese ein 2:4. Und das allererste Duell mit dem FC Bayern geht zwei Monate später (21. September) mit 0:3 ebenfalls verloren. All das nahm man aber nicht als Warnung und machte weiter.

Gut, damals war man noch voller Hoffnung. Begriffe wie Allianz Arena, Falko Götz oder Zwangsabstieg waren seinerzeit noch gänzlich unbekannt.

Seit dem 7. April 1900 hatte der Verein übrigens die Zahl des Gründungsjahrs, 1860, in den Vereinsnamen aufgenommen. Die Fußballer waren also von Anfang ganz schnell als die „Sechz’ger“ unterwegs. Und den anderen Spitznamen, die „Löwen“, hatten sie ab 1911 weg. In diesem Jahr wurde nämlich der Löwe ins Vereinswappen aufgenommen. Um nicht mit dem Brauereilöwen verwechselt zu werden, nahm man 1914 eine Korrektur vor. Der Löwe des TSV 1860 erhielt zwei Schwänze…

Hätten sie es 1911 nur beim Löwen belassen. Aber nein, auch die dritte Chance, all den Nachfahren eine einigermaßen unaufgeregte Hingabe zu den Sechzigern zu ermöglichen, wurde vertan. Der Verein pachtete ein Grundstück. An der Grünwalder Straße . Und begann 1922 damit, auf diesem Grund ein Stadion zu erbauen. Das Unheil nahm seinen Lauf…

Claudius Mayer

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