Ein bisserl Ligasthenie

TV-Kritik: Sport1 und der Hass auf deutsche Sprache

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Sport1-Moderatorin Laura Wontorra mit 1860-Sportchef Gerhard Poschner.

München - Halleluja, der richtige Fußball ist wieder da! Ohne Strandläufer, ohne Busfahr-Quatsch, dafür aber mit den Löwen: die TV-Kritik von tz-Kolumnist Jörg Heinrich.

Bier und Schnaps statt WM-Champagner – so basisnah schmeckte am Montag der Saisonstart auf Sport1. Underberg auf dem Betzenberg. Kein Wunder, dass Moderatorin Laura Wontorra verkündete: „Wir sind ­pickepackevoll!“ Sie präsentierte einen leidenschaftlichen Kampf aller Beteiligten gegen die fiesen Fallen von der deutschen Sprache.

Gleich zu Beginn machte der rührige Sportsender die Löwen-Fans mit den Brutalitäten des Lebens vertraut, als Falko Götz, der Voldemort des grünen Rasens, der Mann von Schmerzgebirge Aua, wohlgefönt durchs Bild geisterte. Da atmeten alle Sechzig-Anhänger tief durch: „Sehr schön, schlimmer kann’s heute nicht mehr werden.“

Analysetechnisch unterwegs bei Sport1 ist Pele Wollitz, der Mehmet Scholl aus der Eckkneipe. Er lungert etwas zerfleddert vor der Kamera rum, und man denkt sich: „Junge, im richtigen Fernsehen kämste so nicht auf’n Sender.“ Bei Sport1 inne zweite Liga, beim Neururer-Fußball, geht dat aber. Wollitz ist ein klassischer Gras-Fress-Experte, der über 60 meint: „Wichtig ist, dass die Spieler das Vertrauen raushauen.“ Bester Spruch des Abends: „Kuck ma den Laufweg!“

Sie merken: Am Montagabend kommt auch das Fernsehen über den Kampf zum Spiel. Interviewer Martin Quast haut über Lautern raus: „Wenn man die Vorschusslorbeeren zu Fakten bringt, sind das hier knapp 40 000 Zuschauer.“ Das Frollein Wontorra hat viel vom Papa, mehr sog i ned. Und Kommentator Hansi Küpper bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: „Die Löwen, ich darf das mal so sagen, haben die Schnauze voll von der 2. Liga.“ Darfste sagen, alte Wurst!

Später grätscht auch er entschlossen die Grammatik nieder, und stellt nach Rot für die Roten Teufel fest: „Die Koordinaten in dieser Partie werden neu gestellt.“ Ein bisserl Ligasthenie geht immer. Bereits nach der achten Zeitlupe sind sich die beiden sicher: Es war die Brust von Keeper Sippel, und nicht die Hand. Wollitz analysiert: „Boah, das war bitter!“ Doch er weiß, dass die Löwen noch viele Probleme haben: „Mit ein Stürmer kannste nicht die Meisterschaft gewinnen.“ Warum hassen auf Sport1 eigentlich alle die deutsche Sprache? Die ist doch eigentlich ganz schön.

Jörg Heinrich

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