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"1860-Spieler wurden für alberne Summen abgegeben"

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Von: Ludwig Krammer

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Ein Foto aus seiner 1860-Zeit: Ewald Lienen © sampics

München - Ewald Lienen wird am Donnerstag 60 Jahre alt. Die tz sprach mit ihm über seinen aktuellen Job, seine Geburtstagsfeier und natürlich den TSV 1860.

Ewald Lienen, eine der interessantesten Figuren des deutschen Profifußballs, feiert am Donnerstag seinen 60. Geburtstag. Mit der tz sprach der Ex-Profi (UEFA-Cup-Sieg 1979 mit Gladbach) und leidenschaftliche Trainer über seine Geburtstagsfeier, seine neue Aufgabe in Rumänien und – natürlich – den TSV 1860.

Herr Lienen, wie geht’s Ihnen in Galati?

Lienen: Gut, ich hab' viel Arbeit hier mit der Mannschaft und zum Regenerieren eine schöne Wohnung im achten Stock mit wunderbarer Aussicht auf die Donau.

Sportlich hätte Ihr Einstand besser verlaufen können.

Lienen: Ja, im ersten Spiel gegen Timisoara waren wir zwei Klassen besser, hätten sieben Tore schießen können – und in der 93. Minute kriegen wir das 0:1. Im zweiten Spiel gegen Vaslui hat uns die letzte Aggessivität gefehlt. Durch krasse Fehler haben wir 1:2 verloren. Das wollen wir am Samstag in Constanta besser machen. Die Mannschaft ist es nicht gewohnt, unten zu stehen. Darin liegt die Herausforderung.

Was hat Sie eigentlich nach Ost­rumänien verschlagen?

Lienen: Ich hatte viele Kontakte im europäischen Raum. Galati kannte ich von einem Champions-League-Spiel beim FC Basel 2011, wo sie mir trotz einer 2:3-Niederlage sehr gut gefallen haben. Als die Anfrage kam, hab ich mir ein Ligaspiel im Internet-Livestream angesehen, der anschließende Kontakt mit dem Klubeigentümer und dem Sportdirektor war sehr angenehm. Auch die Arbeitsbedingungen in Galati sind gut – einfach, aber funktional. Wir haben sogar eine Fußballhalle hier und ein kleines Hotel, wo sich die Spieler zwischen den Trainingseinheiten hinlegen können. Da muss man selbst in Deutschland lange suchen.

Hatten Sie mit knapp 60 nie den Gedanken, auf Privatier zu machen?

Lienen: Nein, das war kein Thema. Nach dem Engagement in Bielefeld hab ich ein Jahr pausiert, Fernsehen gemacht, was eine sehr interessante Erfahrung war. Aber die Lust, wieder als Trainer zu arbeiten, ist nie versiegt.

Wie feiern Sie Ihren 60. Geburtstag?

Lienen: Ich hab’ meinen 40. groß gefeiert, auch den 50. Und auch den 60. werde ich würdig begehen. Aber erst im Urlaub vor Weihnachten, wenn ich wieder in Deutschland bin. Hier werden wir im kleinen Kreis so tun, als wenn wir feiern würden (lacht). Eine große Sause würde jetzt auch gar nicht zur sportlichen Lage passen. Wir sind 15. von 18 Mannschaften.

Das hätte bei einer Pleite gegen Fürth auch dem TSV 1860 blühen können. Wie bewerten Sie Ihre Zeit bei den Löwen im Rückblick?

Lienen: Es war eine schöne Zeit, aber insofern bitter, als Leute wie Mlapa, beide Benders oder Julian Baumgartlinger für alberne Summen abgegeben wurden. Ich habe irgendwann gemerkt, dass das für mich keine Zukunft hatte. Piräus war im Nachhinein freilich der falsche Schritt. Kaum war ich da, wurde der Klub verkauft und der neue Eigentümer wollte mit mir nichts zu tun haben.

Was wünschen Sie 1860?

Lienen: Geduld, Ruhe und finanzielle Planungssicherheit. Auch Friedhelm kann nicht zaubern. Und es kann nicht sein, dass jeder Spieler, der den Ball trifft, quasi schon verkauft ist.

Interview: lk

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