Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund

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Der Ex-Löwe (34) über Ball, Bub und Berufsaussichten

Benny Lauth im tz-Sommerinterview

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Benny Lauth mit Australian-Shepherd Casper (8) an der Isar

München - Mit elf Jahren hat er einst bei 1860 München angefangen und kickte sich bis in die erste Mannschaft. Nach dem Abstieg 2004 ging Benny Lauth nach Hamburg, 2008 dann die umjubelte Rückkehr. Vor dem Karriereende folgte 2014 noch eine kurze Station in Budapest. Jetzt traf tz den einstigen Publikumsliebling mit Australian-Shepherd Casper (8) an der Isar zum Sommerinterview.

Es ist die erste echte Sommerpause für Sie. Kribbelt es in den Füßen?

Lauth: Wenn’s kribbelt, gehe ich mit meinen Freunden kicken. Ich möchte ja auch meine Fitness halten. Aber natürlich ist es auch schön, wieder mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Mal selber planen können, keine festen Termine von den Vereinen zu haben. Gerade waren wir ein paar Tage in London.

Haben Sie da direkt bei Arsenal unterschrieben?

Lauth: Nein, leider nicht (lacht).

Aber einen neuen Verein gefunden?

Lauth: Nein. Es muss für mich 100 Prozent passen. Auch im Bezug auf meine Familie. Gerade laufen die Planungen in beide Richtungen.

Wann sind Sie zu 100 Prozent überzeugt?

Lauth:Der Verein muss eine interessante Aufgabe sein. Für die Familie muss es auch mit dem Pendeln passen. Wenn nicht, geht’s mit was Neuem los.

Wie sieht Ihre Karriere nach dem Fußball aus?

Lauth: Ich will jetzt ein bisschen ausprobieren. Gerade mache ich ein Fernstudium in Betriebswirtschaft und Sportmanagement. Damit habe ich im letzten Jahr angefangen. Aber ich möchte auch die Trainerscheine machen. Ich will auf alles vorbereitet sein und nicht irgendwo blind reingehen.

Warum nicht?

Lauth: Ich habe viele Spieler erlebt, die ihre Karriere beendet haben. Manche gut, manche schlecht. Da habe ich mir viel abgeschaut.

Im Sommer sind Sie wieder mit den Löwen in Verbindung gebracht worden. Gab es da tatsächlich eine ernsthafte Anfrage des Vereins?

Lauth: Nein, nicht wirklich. Ich hatte einen guten Abschluss bei meinem letzten Spiel gegen Bochum. Aber es hat mich natürlich gefreut, dass viele gesagt haben: „Wäre schön, wenn du zurückkommen würdest.“

Trotz der schwierigen letzten Saison bei Sechzig: Ziehen Sie ein positives Fazit?

Lauth: Dieses eine Jahr kann nicht die anderen Jahre vergessen lassen. Auch ohne das Tor im letzten Spiel. Natürlich war es am Ende nicht so, wie ich mir das gewünscht hätte.

Hat Ihnen die Anerkennung gefehlt?

Lauth: Nein. Aber die Art und Weise, wie alles gelaufen ist, hätte anders sein können. Auf der einen Seite muss man das Sportliche sehen, auf der anderen das Menschliche und was man für den Verein geleistet hat. Wenn man das alles betrachtet, hätte man sicher auch andere Wege gefunden. Das wäre für mich, aber auch für den Verein besser gewesen.

Mit elf Jahren haben Sie bei Sechzig angefangen …

Lauth: … da waren die Löwen noch in der Bayernliga und haben sich dann hochgekämpft. Es war immer mein Traum, für diesen Verein in der Bundesliga zu spielen.

Das haben Sie geschafft. Später sind Sie aber zum HSV gegangen. War der Wechsel im Nachhinein richtig?

Lauth: Ich wäre gern in München geblieben, aber durch den Abstieg und die finanziellen Nöte ging das nicht. Sechzig hat das Geld gebraucht. Sonst wäre ich vielleicht immer dageblieben.

Mit Ihnen ist Andi Görlitz gegangen – zu den Roten. Wäre das auch für Sie in Betracht gekommen? 

Lauth: Ich hatte damals kein Angebot.

Aber in der Jugend schon …

Lauth: Eigentlich jedes Jahr, aber ich habe mich bei 1860 immer wohlgefühlt. Vielleicht wäre ein Wechsel aus sportlicher Sicht interessanter gewesen, aber im Nachhinein war mein Weg der richtige.

Sie haben 2002 das Tor des Jahres geschossen, 140 Spiele in der ersten und 188 in der zweiten Liga gemacht, dazu sechs Länderspiele. Trotzdem ist es nicht ganz große Karriere geworden. Warum?

Im Trainingslager 2003: Lauth beim Kamelritt in Dubai

Lauth: Schwerzu sagen. Es wurde viel von mir erwartet. Auch ich selbst habe die Messlatte sehr hoch gesetzt, aber nicht alles davon erreicht. Wenn man sich die Bilanz ohne meinen Namen anschaut, würden viele sagen: „Oh, gute Zahlen“. Wenn man meinen Namen noch dazustellt, wird gesagt: „Wir dachten, da kommt viel mehr …“ Es ist richtig, dass vielleicht viel mehr drin gewesen wäre. Aber zu sagen: „So gut war’s ja eigentlich auch nicht“ – das ist nicht ganz korrekt.

War es denn möglich, die hohen Erwartungen zu erfüllen?

Lauth: Weiß ich nicht. Ich war ja auch ein Jahr verletzt, wo ich vielleicht auch den Anschluss an die Top-Spieler verloren habe. Dann habe ich mich entschieden, zu Sechzig zurückzukehren.

Ihr Vater hat Sie früher ins Training gefahren. Was, wenn Ihr Sohn einmal sagt: „Papa, ich will Profi werden“?

Lauth: Ich werde es ihm mit Sicherheit nicht verbieten (lacht). Er kann aber natürlich auch etwas anderes machen. Gerade will er den ganzen Tag Fußball spielen. Ich werde ihn nicht daran hindern, Profi zu werden – schließlich war das auch immer mein Traum.

Hat er etwas von Ihrem Talent geerbt?

Lauth: Das wird sich zeigen. Er wird jetzt fünf. Er ist richtig begeistert, aber ich habe ihm nie den Ball in die Hand gedrückt. Das hat er selber für sich entdeckt.

Sehen wir in 20 Jahren die Schlagzeile: Lauth schießt Sechzig in die erste Liga?

Lauth: Das wäre natürlich der Wahnsinn (lacht). Ich weiß aber nicht, ob das noch 20 Jahre dauern muss. Gern vorher! Vielleicht schafft er ja den Sprung wie ich, direkt in die Bundesliga. Ohne, dass er die Löwen noch hochschießen muss …

Gehen Sie noch ins Stadion?

Lauth: Einmal war ich. In Heidenheim, weil ich da Arne Feick besucht hab. Liam geht auch gerne ins Stadion. Ich bin aber nicht so fußballverrückt, dass ich jedes Wochenende ins Stadion gehen muss.

Ist Liam Sechzig-Fan?

Lauth: Im Moment ist er noch Fan von allem. Aber von Sechzig natürlich auch. Ich glaube, vor allem wegen des Löwen im Wappen.

Sie wohnen hier draußen in Grünwald, andere Spieler lieber am Gärtnerplatz …

Lauth: Ich habe auch immer in der Stadt gelebt. Ich mag das, wenn man aus der Haustür rausgeht – und da sind direkt Cafés und Restaurants. Aber mit Familie haben wir uns für das Ruhige entschieden. Ich glaube, dass es für Liam hier einfacher ist, aufzuwachsen. Hier ist alles: Kindergarten, Schule und Freizeit. Trotzdem wollten wir nicht aufs Land, sondern so nah an die Stadt wie möglich. Wir gehen sehr gern an die Isar oder auch in den Perlacher Forst mit Casper.

Sie haben in einigen Städten gespielt. Warum zieht es Sie so nach München?

Lauth: Meine Freunde und Familie wohnen hier, und ich kann sie regelmäßig sehen. Die Stadt ist wunderschön – und die Berge sind direkt vor der Tür. Da fahre ich immer raus, um meine Eltern zu besuchen. Hamburg ist auch traumhaft, ich fahr aber lieber in die Berge.

Lauths Sommer-Tipps:

Im Sommer fahre ich gern in die Heimat. Da geht’s dann zum Wandern, zum Beispiel auf die Schliersbergalm. Da gibt’s eine gute Brotzeit und eine Sommerrodelbahn. Mein Lieblingsbiergarten ist Toni Roiderers Gasthof zum Wildpark in Straßlach. Das Tolle: Der hat eine eigene Metzgerei. Mein Lieblings-Café ist das Stereo in der Residenzstraße. Das Frühstück ist super, aber mittags kann man auch gut hin. Es ist aber außerdem fein zum Kaffee und Kuchen.

Florian Fussek

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