Radi: „Ich habe meine Pflicht getan“

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Radi mit Radi: Petar Radenkovic verspeist tatsächlich sehr gerne mal einen Rettich…

München - Zum Abschluss der tz-Serie spricht Petar Radenkovic im Geburtstagsinterview über einen möglichen Wegzug aus München, über die Rivalität von 1860 und FC Bayern, über Zoff mit Merkel und über seinen Hit „Bin i Radi bin i König“.

Teil 1 bis 3 der Geburtstagsserie:

Verlässt Radi München?

Radi greift die Beatles an

Meisterhafter Zoff mit Merkel

Er ist der älteste Meis­terlöwe. 75 Jahre wird Petar Radenkovic am Donnerstag alt. Die tz gratuliert dem „Radi“ – der schillerndsten Figur, die der TSV 1860 wohl je in seinen Reihen besaß. Ein überragender Torhüter, der den Löwen acht Jahre (von 1962 bis 1970) die Treue gehalten und die erfolgreichste Ära des bald 150 Jahre alten Traditionsvereins kräftig mitgestaltet hat. In den letzten Tagen haben wir in einer Serie noch mal an diese glorreichen Zeiten erinnert, heute folgt zum Abschluss ein Interview mit dem Jubilar.

Radi, 75 Jahre – wie fühlt man sich an so einem Geburtstag?

Radenkovic: Ach, mir wäre viel lieber, ich würde erst 50 oder 55 werden. Wenn du 75 wirst, dann gibt es nicht mehr so viel zu feiern. Außerdem ist es der erste Geburtstag nach dem Tod meiner Frau Olga. Ich treffe mich mit meinen beiden Töchtern und ein paar wenigen Freunden.

Sie spielen mit dem Gedanken, München zu verlassen und nach Belgrad zurückzuziehen…

Radenkovic: Der Tod meiner Frau war ein schwerer Schlag. Ich weiß im Moment nicht, wo ich in Zukunft leben soll. In Belgrad habe ich viele Freunde und außerdem bin ich als Delegationsmitglied der serbischen Nationalmannschaft, die drauf und dran ist, sich für die WM zu qualifizieren, sehr beschäftigt. Aber egal, wo ich wohne: Ich werde immer zwischen Belgrad und München pendeln.

Das hieße aber trotzdem, dass Sie nicht mehr so oft die Löwen sehen würden. Was bedeutet Ihnen der TSV 1860?

Radenkovic: Sehr, sehr viel. Als ich vor 47 Jahren hier als Torhüter angefangen habe, war München im Fußball nicht groß. Und mit den Löwen haben wir auf einmal alles erreicht in Deutschland, was es an Titeln gibt. Und auch noch sehr attraktiv gespielt. Wenn du da dabei warst, was willst du dann machen? Dann bleibst du bei diesem Verein. Ich würde mir nur wünschen, dass wieder so eine Zeit kommt wie früher, als 1860 mit dem FC Bayern richtig rivalisiert hat.

Was war das Besondere an dieser Mannschaft in den 60er-Jahren?

Radenkovic: Wir waren alle Freunde und sind es auch heute noch. Wir treffen uns immer wieder. Fußballerisch war es einfach so, dass das Paradestück unser Sturm war. Dieser tolle Fußball von damals ist immer noch der Grund dafür, dass ältere Löwen-Fans an spätere Mannschaften, und das ist bis heute so, solch hohe Ansprüche stellen.

Gab es nie Überlegungen, den Verein zu wechseln?

Radenkovic: Es gab Angebote von Köln und Hertha BSC, aus der Schweiz und aus Holland. Aber ich war mit München auch geschäftlich schon zu sehr verwurzelt, so dass das nicht infrage kam. Ein Traum wäre es natürlich gewesen, für Real Madrid oder den FC Barcelona zu spielen. Aber das war wegen der damaligen Ausländersperre nicht möglich.

Sie wurden 1969 vom DFB für drei Spiele gesperrt, weil Sie nach dem 0:2 in Dortmund Schiedsrichter Horstmann beschuldigt hatten, er hätte das Spiel in betrunkenem Zustand geleitet. Wie kamen Sie darauf?

Radenkovic: Wir hatten gehört, dass er vor dem Spiel bis tief in die Nacht an der Hotelbar gefeiert hatte. Und im Spiel hat er innerhalb kürzester Zeit einen unberechtigten Elfmeter gegen uns gegeben und dann einen klaren Strafstoß für uns nicht. Da lag diese Vermutung nahe.

Sie hatten oft Ärger mit Max Merkel. Warum?

Radenkovic: Merkel war sicherlich ein guter Trainer, aber auch ein charakterloser Mensch, der die Spieler öffentlich gedemütigt hat. Das hat dazu geführt, dass wir ihn später auch zu keinem unserer Treffen eingeladen haben.

Merkel haben auch immer Ihre Ausflüge auf dem Spielfeld gestört. Warum haben Sie die gemacht?

Radenkovic: Da ist ein völlig falsches Bild entstanden. Das hatte nichts mit irgendeiner Gaudi zu tun. Ich habe damals einfach ein modernes Torwartspiel kreiert. Ich war schließlich in der Jugend Feldspieler und habe gelernt, dass man den Ball nicht einfach wegdrischt.

Sie hatten auch großen Erfolg mit Ihrer Platte „Bin i Radi bin i König“. Wie lohnenswert war der Ausflug ins Showgeschäft?

Radenkovic: Ich habe gut verdient damit. Es wurden rund 400 000 Platten verkauft und ich trat in vielen Shows auf. Unter anderem auch bei Hans-Joachim Kulenkampff. Auf der Wiesn wird das Lied auch immer noch gespielt. Jede Blaskapelle besitzt die Noten.

 

 

Zurück zu 1860. 1980 wollten Sie als Abteilungsleiter kandidieren, wurden aber vom damaligen Präsidenten Erich Riedl ausgetrickst. Hat das sehr geschmerzt?

Radenkovic: An diesem Abend wurde manipuliert. Ich habe jedenfalls meine Pflicht getan und hätte mich für ein Amt zur Verfügung gestellt. Und wissen Sie was: Ich hätte es sicher besser gemacht, als viele andere in den letzten 30 Jahren…

Interview: Claudius Mayer

Über 1860 diskutieren: Das tz-Forum

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