Interview mit 1860-Stadionsprecher Schneider

„Pessimistisch? Das dauert noch“

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„Ich bin fürs Jubeln zuständig“: 1860-Stadionsprecher Stefan Schneider

München - Er ist so etwas wie der Gute-Laune-Onkel bei den Löwen. Stefan Schneider (47), der Stadionsprecher. Wie er die aktuelle Krise sieht, verrät er im tz-Interview.

Er kennt sie alle: Die Spieler, viele Fans – er weiß, wie der Verein tickt. Vor jedem Heimspiel schreit Schneider sich schier die Lunge aus dem Leib, er lebt den TSV 1860. Und er lebt von guten Ergebnissen. Was derzeit wieder mal nicht der Fall ist. Die tz sprach nach dem 0:0 in Ahlen mit Schneider.

Vier Punkte nach vier Spielen, wie steht’s da um das persönliche Befinden?

Schneider: Ich habe nach den zwei Siegen zum Auftakt nicht geschrien, dass wir aufsteigen und bin jetzt auch keiner, der nach drei Spielen ohne Sieg gleich havariert.

Aber so ein Auftritt wie in Ahlen…

Schneider: Der hat mich natürlich schon auch getroffen. Eigentlich hätte ich gedacht, dass wir beim Tabellenletzten drei Punkte holen. Aber wir haben so viele neue Spieler, wie soll da alles schon harmonieren?

Fünfmal Note 5: Einzelkritik und Bilder von der 1860-Nullnummer in Ahlen

Zuerst die gute Nachricht: Der TSV 1860 München (Foto: Antonio Rukavina, l., vor Thomas Bröker) hat in Ahlen einen Punkt geholt! © dpa
Jetzt die schlechte: Es war ein erschreckend schwaches Spiel! © dpa
Wir können Ihnen von dem 0:0 leider keine Tore zeigen, sondern lediglich Zweikämpfe wie diesen: Stefan Aigner versucht, den Ball zu erobern. © dpa
Auch Sascha Rösler konnte dem Spiel keine Impulse verleihen. © dpa
Kapitän Benny Lauth am Ball. © dpa
Es war zum Schreien! Die Löwen arbeiteten sich kaum Torchancen heraus. © dpa
Auch Florin Lovin (l.) konnte das Spiel nicht an sich reißen. Auf wen sollte Ewald Lienen in den nächsten Wochen überhaupt noch bauen? Die Einzelkritik. © dpa
Király: Kaum geprüft, beim Distanzschuss von Busch im ersten Durchgang auf dem Posten. Note: 3 © Getty
Rukavina: Auf der rechten Defensivseite nicht nur mit Abwehrarbeit beschäftigt, sondern immer wieder mit Aktionen nach vorne. Allerdings waren seine Pässe oft unpräzise. Note: 4 © Getty
Felhi: Lieferte sich rassige Zweikämpfe mit den Ahlener Offensivkräften Toborg und Bröker. Wirkte souverän. Note: 3 © Getty
Hoffmann: Rückte für den verletzten Ghvinianidze in die Startelf. Und der Routinier bot in der Innenverteidigung eine solide Vorstellung. Note: 3 © Getty
Holebas: In der Rückwärtsbewegung kaum zu kritisieren. Aber nach vorne ließ der Linksfuß einiges zu wünschen übrig. Traute sich zu wenig zu. Note: 4 © Getty
Aigner: Bestritt in dieser Saison nach langer Verletzungspause sein erstes Spiel bei den Profis. War auf der rechten Offensivseite bemüht, konnte aber keine Akzente setzen. Ein Fehlschuss in der 53. Minute blieb seine einzige nennenswerte Szene. Note: 5 © Getty
68. Minute: Kaiser ohne Bewertung © Getty
Ignjovski: Sollte im Mittelfeld für Kreativität sorgen. Ließ hin und wieder sein Können aufblitzen – aber insgesamt war es viel zu wenig Konstruktives im Spiel nach vorne. Note: 5 © Getty
Lovin: Der von Ewald Lienen schwer kritisierte Rumäne mit Champions-League-Erfahrung verzettelte sich dieses Mal nicht in sinnlosen Zweikämpfen – seine Verunsicherung war jedoch klar zu sehen. Note: 5 © Getty
Rösler: Bekam für den formschwachen Alexander Ludwig die Chance von Beginn an auf der linken Seite. War viel unterwegs und durchaus einsatzfreudig. Aber gelungene Aktionen mit Zug zum Tor gab’s eigentlich nicht. Note: 5 © Getty
ab 84. Minute: Djokaj ohne Bewertung © Getty
Cooper: Der US-Amerikaner war lauffreudig und wich viel auf die Flügel aus. Er bereitete auch Benny Lauths Großchance in der 64. Minute sehr geschickt vor. Note: 4 © Getty
Lauth: Hatte in der 64. Minute die erste und einzige Löwen-Chance des Spiels – und gleich eine hochkarätige. Aber der Löwen-Kapitän scheiterte am stark reagierenden Ahlen-Keeper Kirschstein. Wie gegen den KSC war es nicht sein Spiel. Note: 5 © Getty

Klingt sehr verständnisvoll…

Schneider: Am 4. Spieltag ist noch keiner auf- oder abgestiegen. Man hat in Ahlen auch erkannt, dass die Mannschaft nach den Niederlagen in Rostock und gegen Karlsruhe verunsichert war. Jetzt lass’ uns mal abwarten. Wenn es nach dem 10. Spieltag immer noch so düster aussieht wie derzeit, dann werde ich vielleicht auch pessimistisch.

Derzeit gibt’s für Sie also noch keinen Grund zur Sorge?

Schneider: Nein. Die Mannschaft hat doch schon bewiesen, dass sie es kann, und außerdem halte ich Ewald Lienen nach wie vor für einen großen Fußballlehrer. Und so ganz schwarze Tage wie wir zuletzt hatte doch unlängst auch ein ganz anderer Verein, der gar nicht so weit von uns entfernt ist.

Dieser Verein scheint sich aber nach dem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg und der Verpflichtung von Arjen Robben wieder zu berappeln. Bräuchte 1860 vielleicht auch noch Verstärkungen? Bis Montag wäre die Transferliste noch geöffnet.

Schneider: Ich finde nicht, dass das notwendig ist. Außerdem glaube ich nicht, dass 1860 dazu finanziell in der Lage wäre. Jetzt schauen wir einfach mal. In der 2. Liga spielt bisher fast keine Mannschaft beständig. Und wir haben einfach großartige Fans. 30.000 am Montagabend gegen Karlsruhe waren schon eine sehr, sehr imponierende Zahl.

Sie verlieren den Glauben an 1860 anscheinend nie, oder?

Schneider: Ich bin Stadionsprecher und damit einfach für’s Jubeln zuständig…

Claudius Mayer

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