"Es wird ein Hauen und Stechen"

Zweitliga-Check: Bommer macht 1860 Hoffnung

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Rudi Bommer.

München - Zum Start der Zweitliga-Saison sprach die tz mit Rudi Bommer. Im Interview verrät er, wie er die Löwen sieht und welche Meinung er zu RB Leipzig vertritt.

Was erwartet uns von der neuen Zweitliga-Saison? Gibt es wieder einen Sensationsaufsteiger wie den SC Paderborn? Können die Löwen endlich mal positiv überraschen? Es gibt viele weitere Fragen, und die tz hörte sich bei einem Mann um, der als Trainer in dieser Liga viel Erfahrung gesammelt und 2007 mit dem MSV Duisburg auch den Aufstieg geschafft hat: Rudi Bommer (56). Er macht den Zweitliga-Check.

Herr Bommer, Sie waren selbst lange genug als Trainer in der 2. Liga tätig. Ist sie die „beste 2. Liga der Welt“, wie es oft heißt?

Bommer: Ja, das würde ich so unterschreiben. In den vergangenen Jahren hat sich diese Liga richtig gemausert. Die hohen Zuschauerzahlen sprechen dafür, die attraktiven Vereine und die Darstellung in den Medien wird auch immer umfangreicher.

Und das Unterhaus wird wahrscheinlich wieder für Spannung sorgen…

Bommer: Das kann man wohl sagen. Was ich so mitgekriegt habe, wollen ungefähr zehn Vereine aufsteigen. Das gibt ein Hauen und Stechen.

Wer sind Ihre Favoriten?

Bommer: Die Absteiger Nürnberg und Braunschweig bringen aufgrund ihrer Bundesliga-Vergangenheit das meiste Geld mit. Beide sind ganz heiße Anwärter auf den direkten Wiederaufstieg.

RB Leipzig kommt aus der 3. Liga und hat dank seines Brausesponsors einen enormen finanziellen Spielraum. Halten Sie einen Liga-Durchmarsch für möglich?

Bommer: Eigentlich nicht. Klar, Geld schießt und verhindert Tore, aber ich glaube, Leipzig ist noch nicht reif für einen Aufstieg. Du brauchst schon auch Erfahrung.

Was halten Sie vom Modell Red Bull? Leipzig hat für acht Millionen Euro den belgischen Offensivmann Massimo Bruno gekauft und ihn erst mal nach Salzburg verliehen…

Bommer: Ich sehe das ganz gelassen. So lange das legitim ist, gibt es nichts einzuwenden. Und wer weiß schon, was aus Leipzig wird? Als ich damals von Düsseldorf nach Uerdingen verkauft wurde, bedeutete die Ablöse einen neuen Rekord für die Fortuna. Uerdingen war eine Werkself, gesponsert von Bayer und trug wie Leverkusen den Firmennamen. Und was ist man jetzt? Viertklassig.

Der „Dino“ der 2. Liga ist derzeit Ihr Ex-Verein 1860. Die Löwen gehen ins elfte Jahr. Ricardo Moniz ist nach Ihrer Entlassung Ende 2004 bereits der zehnte Trainer. Warum haben es die Löwen nie gepackt? Und wie sehen Sie die Chancen für die kommende Saison?

Bommer: Mir hat es wirklich Spaß gemacht bei 1860, aber auch schon damals herrschte eine ständige Unruhe, die viele Jahre geblieben ist. Auch jetzt wieder diese Geschichte mit dem Präsidium – so was ist halt nicht förderlich. Und man hat zwar einen Investor, aber der stopft nur finanzielle Löcher. Mehr nicht. Trotzdem: Ich schätze 1860 durchaus stark genug für eine Rolle ganz oben ein.

Und wer wird Ihrer Ansicht nach um den Klassenerhalt kämpfen müssen?

Bommer: Sandhausen, Aalen – auch Karlsruhe könnte Schwierigkeiten bekommen. Und beim VfL Bochum bin ich mir ebenfalls nicht sicher.

Welche Klubs werden Ihrer Ansicht nach am besten geführt?

Bommer: Schwer zu sagen. Ich kenne Helmut Hack von Greuther Fürth ganz gut und weiß, dass dort sehr seriös und souverän gearbeitet wird. Da ist niemand angreifbar. Auch die Braunschweiger machen es gut, sie haben sich durch den Abstieg nicht aus dem Konzept bringen lassen. Außerdem finde ich, dass der FC Ingolstadt jetzt auf einem sehr seriösen Weg ist.

Wie geht es mit Ihnen weiter? Seit November vergangenen Jahres sind Sie ohne Klub. Sieht man Sie bald wieder in der 2. Liga?

Bommer: Ich hoffe doch. Ich bin heiß und topfit. Die Trennung zuletzt von Energie Cottbus hatte ja mehrere Gründe. Durch Verletzungen wichtiger Spieler lief es sportlich nicht so wie erhofft, außerdem wurde bei mir im Herbst 2013 ein Tumor hinterm Ohr entdeckt. Das hat mich psychisch zusätzlich belastet, und deshalb habe ich es damals auch für besser gehalten, bei Energie aufzuhören. Ich wurde dann im Januar operiert, zum Glück war der Tumor gutartig, und es ist wieder alles in Ordnung.

Jetzt warten Sie auf den Rausschmiss eines Kollegen…

Bommer: So läuft das Geschäft, das ist ja nichts Neues. Im vergangenen Jahr waren, glaube ich, sechs Wochen nach Saisonstart schon sechs oder sieben Trainer weg…

Interview: tz

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