Cassalette neuer Boss bei Sechzig

tz-Kommentar: Operation am offenen Löwenherz

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Das neue Löwen-Präsidium aus Peter Cassalette, Vize Hans Sitzberger und Peter Helfer.

München - Ist die Wahl von Peter Cassalette für ihn selber nun Segen oder Fluch? Klar ist, auf den neuen Oberlöwen kommen schwere Zeiten zu, findet tz-Redakteur Ludwig Krammer.

Soll man Peter Cassalette jetzt gratulieren oder doch eher kondolieren, nachdem ihn die Mitglieder des TSV 1860 am Sonntag zu ihrem neuen Oberlöwen gewählt haben? Der Mann hat sich ein Amt aufgehalst, das ihn direkt auf die Shortlist für die Wahl zum MMdJ (Münchens Masochist des Jahres) befördert. Sechzig auf einen guten Weg bringen – genauso gut könnte Cassalette in die Wüste Gobi zum Schwammerlsuchen fahren.

Oder doch nicht?

Der Zeitpunkt und die Umstände des Einstiegs verleihen dem neuen Präsidenten einen brauchbaren Schutzschild aus Respekt und guten Wünschen. Er musste keine großen Sprüche klopfen, um gewählt zu werden. Und trotzdem könnte das Ziel, das er sich für die sieben Monate bis zur nächsten Wahl gesetzt hat, ambitionierter kaum sein.

Klarheit mit Hauptgesellschafter und Investor Hasan Ismaik will Cassalette schaffen. Also das, woran seine Vorgänger mehr oder weniger krachend gescheitert sind. Die Chancen auf ein gedeihliches Miteinander erscheinen nach den Erfahrungen der vergangenen vier Jahre überschaubar. Um Ismaik davon zu überzeugen, seinem verbrannten Geld mehr als unbedingt nötig hinterherzuwerfen, müsste eine Siegesserie von epischem Ausmaß her – unrealistisch in dieser Saison. Bleibt nach den Gesetzen der Logik nur das Ohneeinander, das möglichst ohne ein Gegeneinander verwirklicht werden soll. Wie clever es war, Ismaik öffentlich unter Druck zu setzen, ließ sich im Sommer am Beispiel Gerhard Mayrhofer erkennen, der es am Ende für das Beste erachtete, den Schleudersitz zu betätigen.

An Bord blieb der Stratege (und inzwischen Verwaltungsrats-Vorsitzende) Karl-Christian Bay. Dem Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer aus Lindau wird es zusammen mit Ismaik-Versteher und Aston-Martin-Aufsichtsratschef Dr. Ulrich Bez obliegen, die Liaison zwischen Arabien und Obergiesing unter maximaler Gesichtswahrung zu lösen. Eine komplizierte Operation mit ungewissem Ausgang, bei der dem neuen Präsidenten nicht viel mehr als die Rolle des sympathischen Daumendrückers mit sterilem Mundschutz zukommen dürfte. Cassalette wird wissen, worauf er sich bei 1860 eingelassen hat – und worauf nicht. Glück und Geschick sind ihm in gleichem Verhältnis zu wünschen!

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