Alles-oder-nichts-Spiel

tz-Kommentar zu 1860: Wenn nicht heute, wann dann?

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Für die Löwen geht's um alles.

München - In seinem Kommentar schreibt tz-Redakteur Bernd Brudermanns über das 1860-Spiel, in dem es um die Zukunft des Vereins geht.

tz-Redakteur Bernd Brudermanns.

Das Schöne am Fußball ist, dass es immer ein Morgen gibt. Ein neues Spiel, eine neue Saison, ein neues Finale. Das Unschöne am Fußball ist, dass all das heute für die Löwen nicht zutrifft. In der Zweitliga-Relegation gegen Holstein Kiel geht es schlicht und ergreifend um die Zukunft dieses Traditionsvereins im Profifußball.

Es gibt nicht wenige Löwen-Fans, die sagen, ein Abstieg würde dem TSV 1860 mal ganz guttun. Ohne Emotion betrachtet – ich weiß, dass das schwierig ist bei diesem Verein –, sei folgende Frage erlaubt: Was bitteschön soll 2004 der Abstieg in die Zweite Liga gebracht haben? Gefühlte 35 Trainer, 25 Sportdirektoren und 15 Vereinspräsidenten später steht der Verein schlechter da als zu Bayernliga-Tagen.

60 000 Fans werden heute gegen Kiel in der Allianz Arena sein. Man muss gar nicht erst pathetisch werden, um eines festzustellen: Das – und nur das – war und ist die Basis dieses Vereins. Einmal Löwe, immer Löwe mag für manche Möchtegern-Funktionäre dieses Klubs ein Slogan sein. Für viele in der Kurve ist es ihr Lebensmotto. 1994 der Wiederaufstieg in die Erste Liga, 2000 die Fast-Qualifikation für die Champions League – es gab auch in der jüngeren Vergangenheit Zeiten, in denen Sechzger auf ihren Verein stolz sein konnten.

Und jetzt? Die Frage, ob es die aktuellen Spieler verdient haben, in der Zweiten Liga zu bleiben, können sie hier und heute beantworten. Dass viele von ihnen in der kommenden ­Saison nicht mehr das Löwen-Trikot tragen werden, ist ohnehin klar. In der Vereinsführung ­wiederum wird derzeit viel davon geredet, die Saison genau zu analysieren und Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung dafür, diese Mannschaft so zusammengewürfelt zu haben? Verantwortung dafür, ein Nichtverhältnis zum ­„sogenannten“ Investor zu haben? Verantwortung dafür, die seit Jahrzehnten immer wieder aufflackernde Stadiondiskussion neu befeuert zu haben, um von eigenen Fehlern abzulenken?

„Krisen sollten Chancen sein – für jene, die sie erleiden, nicht für jene, die sie ­erzeugen“, schrieb der Schweizer Publizist Ernst Reinhardt. Der Mann muss ­Löwen-Fan sein – definitiv…

Bernd ­Brudermanns

Unser Ticker mit allen Infos zum 1860-Spiel

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