Schlägerei im Training - Wolf wirft Pourie raus!

Schön langsam wird’s zum Ritual beim Freitagstraining der Löwen. Irgendwann fliegen zwischen Torben Hoffmann und Marvin Pourie die Fetzen. Und die Fäuste.

Wie schon vor einer Woche gerieten die beiden Kampfhähne auch an diesem Freitag wieder aneinander. Tat Trainer Uwe Wolf das Ganze beim ersten Mal noch als durchaus willkommene „Aggressivität im Training“ ab, gab es dieses Mal harte Konsequenzen. Aber nur für Pourie.

„So lange ich Trainer bin, wird Marvin nicht mehr bei uns im Kader stehen“, erklärte Wolf. Aber nicht in erster Linie wegen der Schlägerei, sondern weil Pourie nach der Auseinandersetzung einfach den Platz verließ und in die Kabine ging. Auf Anraten seines Vaters übrigens, der fast bei jedem Training zuschaut. „Komm Marvin, wir gehen“, wies er seinen Sohn an, woraufhin Wolf den 18-Jährigen am Schlawittchen packte und ihm drohte: „Wenn du jetzt gehst, dann wirst du bei mir nie mehr zum Kader gehören.“

Pourie pfiff drauf und machte sich trotzdem vom Acker. Wolf wunderte sich nur noch über den 18-Jährigen, den der TSV 1860 im Januar von Schalke 04 ausgeliehen hatte: „Der lässt sich einfach nix sagen. Als junger Spieler muss ich mich auch hochdienen. Und auch wenn einer selbstbewusst ist – in Überheblichkeit darf das natürlich nicht ausarten. Dass er vom Platz gegangen ist, das ist auch eine Beleidigung gegenüber dem Trainer und den Spielerkollegen.“

Wolf hatte schon zu Trainingsbeginn wegen Pourie einen Hals gehabt: „Ich hatte Marvin aufgetragen, dass er elf Trainingsleibchen aus der Kabine mitnehmen soll. Als ich aber auf den Platz kam, waren keine Leibchen da.“ Wahrscheinlich ließ der Trainer auch deswegen das harte Einsteigen gegen Pourie zu. „Vielleicht war’s ja ein Foul von Hoffmann, das ich absichtlich nicht gepfiffen habe“, gab Wolf zu, „aber ich bin der Chef auf dem Platz und will aus den Spielern auch was rauskitzeln. Und wie, das liegt in meinem Ermessen.“

Pourie wollte es aber nicht akzeptieren und maulte Hoffmann an. Worauf dieser ihm Folgendes empfahl: „Halt’ die Fresse und spiel’ weiter!“ Und schon lagen sich die beiden in den Haaren und keilten aufeinander ein. Woraufhin ein weiterer Höhepunkt folgte. Pouries Vater brüllte nämlich wutentbrannt in Richtung des Abwehrspielers: „Hoffmann, dich krieg’ ich noch!“ Da soll noch einer sagen, bei den Löwen sei nix mehr los…

Uwe Wolf ist es ohnehin ein Dorn im Auge, dass der Vater von Pourie beim Training meist anwesend ist: „Das ist für den Jungen doch nicht förderlich. Beim Training geht Marvins Blick auch immer zuerst zum Vater nach jeder Aktion. Aber dass der jetzt seinen Jungen vom Platz beordert, das geht natürlich gar nicht.“ Und Hoffmann regte sich natürlich darüber auf, „dass der Vater seinen Sohn animiert, gegen mich handgreiflich zu werden. Wir reden hier über einen 18-Jährigen, der zwei, drei Spiele im Profibereich gemacht und noch gar nichts erreicht hat. Aber Marvin verhält sich ja schon seit Wochen respektlos anderen Spielern gegenüber. Er motzt und mosert und widerspricht in einer Tour. In dem Alter muss man sich schon noch was sagen lassen.“

Michael Hofmann gab ihm recht: „Das Ganze zeigt doch, dass es einigen jungen Spielern bei uns viel zu gut geht. Das ist eine Frage des fehlenden Respekts.“ Uwe Wolf unterrichtete nach dem Training sofort Sportdirektor Miki Stevic über die Vorfälle. Und der stellte sich hinter die Entscheidung des Trainers: „Uwe ist der Chef auf dem Platz und hat das Sagen.“ Ob Pourie unter dem Trainer Wolf aber tatsächlich nie mehr zum Einsatz kommt, wollte Stevic (sprach am Mittag auch mit Vater und Sohn Pourie) noch nicht als endgültig hinstellen: „Vielleicht kriegt Marvin bei ihm in zwei Wochen ja doch noch eine zweite Chance.“

Im Moment sieht es allerdings nicht danach aus. Pouries Berater Dirk Hebel war natürlich von den Socken, als ihn die tz darüber informierte, in welchen Eklat sein Schützling am Freitag verwickelt war. Und natürlich versuchte er, Pourie auch etwas in Schutz zu nehmen. „Die ganzen Umstände, die bei 1860 in letzter Zeit geherrscht haben, sind natürlich auch für ihn schwer zu verarbeiten. Marvin ist bei Marco Kurz nicht richtig drangekommen, dann gab’s den Trainerwechsel und es war für ihn wieder nicht so, wie er es sich vorgestellt hat.“

Zwei Jahre läuft der Leihvertrag von Pourie noch, erst 2011 soll er zu Schalke zurückkehren. Es könnte wohl aber schon eher Schluss sein, Denn von der Mannschaft irgendwann wieder akzeptiert zu werden, dürfte für ihn seit gestern sehr schwierig sein.

Claudius Mayer

Rubriklistenbild: © Lackovic

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