Wildmoser: Im Ledigenheim fing alles an

+
Der junge Wildmoser als Schankkellner – im Westend begann 1961 der steile Aufstieg zum Münchner Großgastronom.

Seinen 70. Geburtstag feiert Karl-Heinz Wildmoser groß. Aber nicht am 5. Mai, sondern etwas später „zusammen mit einigen guten Freunden, die ebenfalls 70 werden in diesem Jahr.

Die Gastronomen-Kollegen Günter Steinberg, Wiggerl Hagn und Hermann Haberl sowie Ex-Wiesn-Stadtrat Hermann Memmel. Wegbegleiter aus den gut zwölf Jahren, in denen Wildmoser beim TSV 1860 als Vizepräsident und Präsident tätig war, sind keine dabei.

Es scheint so, als besinne sich Wildmoser im Alter wieder auf seine Anfänge. Denn Wirt wurde er schon im zarten Alter von 22 Jahren. 1961 hatte er die Gaststätte Ledigenheim im Westend übernommen. Der Anfang einer beachtlichen Münchner Gastronomenkarriere, die Wildmoser nicht in die Wiege gelegt worden war. Er stammte aus einfachsten Verhältnissen, sein Vater verdiente das Geld als Schuster in Pasing und hatte insgesamt fünf Kinder durchzubringen. Wobei Wildmosers erste sechs Lebensjahre von den Schrecken des 2. Weltkriegs begleitet wurden. Auch nach 1945 wurde es nicht viel leichter.

So schön ist München

foto

„Mein Vater starb, als ich neun war“, erzählt er. Ein paar Jahre später schloss sich Wildmoser der Fußballabteilung der TSG Pasing an und spielte dort in der Jugend. „Insgesamt aber war im Münchner Fußball in den 50-er Jahren nicht viel los“, erinnert er sich, „1860 und Bayern spielten in der Oberliga Süd keine bedeutende Rolle, stiegen auch das ein oder andere Mal ab und wieder auf. München war absolute Fußballprovinz.“

Mit 17 betrat Wildmoser zum ersten Mal jene Spielstätte in Giesing, die ihm 40 Jahre später noch viel Ärger einbringen sollte: das Stadion an der Grünwalder Straße. „Es war ein B-Länderspiel gegen Österreich.“ Beim 4:0 erlebte er deutsche Fußball-Helden wie Helmut Rahn und Uwe Seeler hautnah.

Die große Tour durch das Grünwalder Stadion

foto

Wildmoser selbst wandte sich bald danach einer anderen Sportart zu: dem Boxen. Nachdem er in Rottach-Egern eine Metzgerlehre begonnen hatte, schloss er sich dem dortigen Box-Klub an und brachte es bis zum Süddeutschen Meister im Schwergewicht. Vielleicht prügelte er sich auch das Heimweh aus der Seele, „denn ich hatte unheimliche Sehnsucht nach München und nach meiner Mutter“. Aber in Zeiten des Wirtschaftswunders trieb ihn auch der Ehrgeiz in den folgenden Jahren mächtig an. Die Fresswelle in Deutschland kam ihm, dem Metzgermeister und Wirt, gerade recht. Wildmoser übernahm die Kantine der Pschorr-Brauerei, später dann die Pschorr-Großgaststätte in der Fußgängerzone und Anfang der 70-er Jahre den ­Hackerkeller auf der Theresienhöhe.

Lesen Sie auch:

Großes Interview mit Karl-Heinz Wildmoser

Von dort aus war es nur ein Steinwurf zur Wiesn, die er 1980 ebenfalls eroberte. Im Alter von 41 Jahren eröffnete Wildmoser dort die Enten- und Hühnerbraterei. Ein weiser Entschluss angesichts des Oktoberfestbooms, der in den letzten 15 Jahren eingesetzt hat. In den 80-er Jahren übernahm Wildmoser auch den durch eine K.o.-Tropfen-­ Affäre öffentlich schwer angeschlagenen Donisl am Marienplatz und den Pschorrbräu auf der Theresienhöhe. Und als er 1991 auch noch das Wirtshaus Hinterbrühl in Erbpacht nahm, konnte Wildmoser mit 52 Jahren stolz sein auf ein beachtliches Imperium in der Münchner Gastronomie.

Zu dem gehörten auch sein Sohn Heinz (geboren 1964) und Tochter Evi (geboren 1962) als Geschäftsführer. Seinen Wohnsitz hatte Wildmoser 1984 an den Starnberger See verlegt. Er kaufte die Villa des ehemaligen Reichskanzlers Heinrich Brüning und verbrachte seine Abende oft in der Starnberger In-Kneipe Klamotte. Deren Inhaber Dinand Scheermeyer war ein glühender Löwenfan – und er sollte das Leben des Karl-Heinz Wildmoser noch mal in ganz neue Bahnen lenken…

Lesen Sie ab Montag auf tz-online: Die goldenen Jahre des KHW

Auch interessant

Kommentare