Löwen-Kater nach der Duisburg-Pleite

Warum die jüngsten 1860-Ergebnisse nicht wirklich beunruhigend sind

Trainer des TSV 1860 München: Michael Köllner.
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Trainer des TSV 1860 München: Michael Köllner.

Bisher war die Rückrundenkrise ein Phänomen, das man vor allem beim Drittliga-Rivalen Unterhaching kannte. Die nackten Zahlen sprechen dafür, dass die Löwen stark abgebaut haben seit ihrer furiosen Hinrunde (Platz 3). Möglicherweise ist das aber nur die halbe Wahrheit. Für Frust besteht auch bei Dennis Erdmann kein Anlass: Der Rotsünder von Duisburg fehlt 1860 nur am Samstag in Halle.

Erst Raubein, dann reuiger Sünder. Dennis Erdmann hat nicht lange gebraucht, um eine innere Haltung zu seiner Kurzschluss-Aktion von Duisburg zu finden (Ringkampf-Rot für ihn, Elfer und 1:0 für den MSV). Auf seinem Instagram-Kanal zog der 1860-Verteidiger mannhaft die verbale Büßerkappe über. „Das Spiel geht auf mich“, postete earthman_13 und schickte voraus: „So selbstbewusst ich bin, so selbstkritisch bin ich. Fußball ist manchmal hart: eine Woche Held, andere Woche Versager.“ Noch ohne das DFB-Strafmaß zu kennen, sagte Erdmann: „Eine Woche gebückt gehen tut mir auch mal gut, vom gerade Gehen habe ich Rückenschmerzen.

„Erdmann wird den Löwen am Samstag in Halle fehlen. Beim Nachholspiel in Lübeck (17. März) darf er laut DFB-Urteil wieder dabei sein. Sein Aussetzer in Duisburg passt ins Bild einer Saisonphase, in denen den Löwen mehr miss- als gelingt. Um Erdmanns Metapher aufzugreifen: Gingen die Löwen noch aufrecht durch die Hinrunde, nehmen auch sie aktuell eine gebückte Haltung ein. Zahlen belegen die momentane Ergebniskrise. Kam 1860 bis zum Ende der Vorrunde (1:0 gegen Ingolstadt) auf einen Punkteschnitt von 1,73, beträgt der Schnitt in den sieben Spielen seither magere 1,14. Hochgerechnet auf die Saison: 66 Punkte und ein Aufstiegsplatz wären drin gewesen, wenn der Hinrunden-Lauf angehalten hätte. 43 Punkte stünden nach 38 Spieltagen unter dem Strich, wenn der Rückrundenschnitt Standard wäre. Stellt sich die Frage: Was ist passiert?

Ursachenforschung: Wie berichtet, besteht eine Korrelation zwischen Quirin Molls Kreuzbandverletzung und der aktuellen Leidensphase des Teams. Ohne Moll fehlt 1860 der Taktgeber im Mittelfeld, der Mann, der Bälle fordert und verteilt, die zweite Autorität auf dem Feld neben Kapitän und Zimmerpartner Sascha Mölders, 35. Weitere Gründe sind: fehlendes Spielglück (Zwickau, Duisburg) schlampiger Umgang mit Chancen, Absenzen (aktuell Daniel Wein) und handelsübliche Schwankungen. 1860 traf zuletzt auf Gegner mit ansteigender Form und hatte selber die ganze Bandbreite dabei: Stark wie noch nie in Magdeburg (3:0, beste Saisonleistung), schwach und blutleer in der ersten Halbzeit von Saarbrücken. Nicht unüblich für ein Team, das seinem Bildungsauftrag gerecht wird und mehr NLZ-Talente reinwirft als die meisten anderen Drittligisten.

Aber: Es gibt auch Hoffnung, dass die aktuelle Phase vielleicht wirklich nur eine Phase ist. Eine bemerkenswerte Konstanz weisen die Löwen nämlich auf, wenn man die Ergebnisse aus der Hin- mit jenen aus der Rückrunde vergleicht. Der Start gegen Meppen (3:1/1:1) und Magdeburg (1:1/3:0) brachte jeweils vier Punkte, auch die Erträge aus den Spielen gegen Rostock (2:2/1:1), Saarbrücken (zweimal 1:2), Haching (2:0/3:1) und Duisburg (0:2, 0:1) waren gleich. Unterpunktet hat 1860 nur gegen Zwickau (2:1/0:1), wobei es beim zweiten Duell mit den Sachen schon zur Pause hätte 3:0 stehen müssen. Stefan Lex dürfte das Spiel noch heute im Schlaf verfolgen.

Alles halb so wild also? Klarheit, wohin die Reise geht, dürften die nächsten drei Spiele bringen. Halle (6:1) und Lübeck (4:1) waren Highlights der Hinrunde. Gelingt den Löwen erneut die volle Ausbeute, könnte Dresden am 22. März ein echtes Topspiel werden. Erdmann dürfte heiß sein auf das Spiel gegen seinen Ex-Club – und das mit dem aufrechten Gang dürfte bis dahin auch wieder hinhauen.

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