Prügelei in der Allianz Arena

Video-Überwachung rettet Löwen-Fan vor Verurteilung

Hoch oben unter dem Dach der Allianz Arena laufen die Bilder zusammen. Von hier aus hat die Polizei die Ränge mit Kameras im Blick – und kann auch in Gesichter zoomen. bodmer/Archiv

München - Im Dezember 2014 lieferte sich ein Löwen-Fan eine handfeste Auseinandersetzung mit einem anderen Fan und wurde wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt. Dann wendet sich das Blatt.

Die Videokameras in der Allianz Arena haben eine Löwen-Fan vor Gericht gerettet. Der 20-Jährige war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, die Überwachungsbilder zeigten aber, dass es sich um Notwehr handelte.

Der Fall datiert vom Dezember 2014. Der junge Mann hatte das Spiel TSV 1860 München gegen den Karlsruher SC in der Allianz Arena besucht. Nach Spielende gegen 14.45 Uhr kam es in der Nordkurve im Block 240/241 zu einer Schlägerei. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage zum Jugendgericht mit dem Vorwurf, dass zunächst der Freund des jungen Fans und dann der 20-Jährige selbst einen unbekannten Mann mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben sollen.

Der zuständige Richter sah sich in der Verhandlung die maßgeblichen Videosequenzen, die von einer Stadionkamera aufgenommen worden waren, an. Daraus ließ sich laut Urteil erkennen, dass die Aggression zunächst eindeutig nicht von dem jungen Mann ausging, sondern von dem unbekannten Geschädigten. Der habe dem jungen Fan, als dieser das über der Reling hängende Banner abnehmen wollte, zunächst den Weg versperrt. Dabei sei der junge Mann völlig passiv geblieben.

Reflexartige Reaktion - Staatsanwalt beantragt Freispruch

Als es ihm schließlich gelang, am Geschädigten vorbei zu kommen und ihn von sich weg zu schieben, habe ihm dieser einen Schlag, vermutlich mit der Faust, ins Gesicht versetzt. Erst daraufhin habe der junge Fan reflexartig mit der offenen Hand dem Geschädigten ins Gesicht geschlagen. Die Staatsanwaltschaft beantragte nach Betrachtung der Filmsequenzen einen Freispruch. Der Richter folgte dem Antrag: „Dieser Schlag war durch eine Notwehrlage gerechtfertigt.“ Der Angeklagte sei der Gefahr ausgesetzt gewesen, weiter körperlich angegriffen und möglicherweise verletzt zu werden. Gegen die Fortsetzung des körperlichen Angriffs auf ihn habe er sich auf die erfolgte Art und Weise zur Wehr setzen dürfen. „Sein Verhalten war daher durch Notwehr gerechtfertigt und nicht strafbar.“ Das Urteil ist rechtskräftig (Aktenzeichen 1031 Ds 467 Js 203867/15 jug).

mm/tz

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