Statt Buchbach jetzt Allianz Arena

Bierofka: "Werde das Umfeld nicht richtig wahrnehmen"

München – Trainer-Novize Daniel Bierofka nimmt den Druck auf sich und erwartet, dass die 1860-Profis ihm folgen.

Er macht das schon nach wenigen Tagen richtig gut. Dort, wo bis vor kurzem Benno Möhlmann saß, nimmt am Freitag Daniel Bierofka Platz und schlägt sich wacker bei seiner zweiten Pressekonferenz: Kernige Kampfansagen Richtung Braunschweig („Wir werden einen ganz klaren Plan haben“), positiver Lagebericht („Es ist ein guter Zug drin“), gepaart mit vagen Prognosen bezüglich der Startelf – wie ein erfahrener Profitrainer. Nur an einem Punkt, da lässt der beförderte U 21-Coach durchblicken, wo er bis vor wenigen Tagen zu Hause war.

Die Frage lautete sinngemäß, wie das denn sei, wenn eben noch der Dorfplatz von Buchbach der Alltag war und plötzlich ein Abstiegs-Endspiel in der Allianz Arena ansteht (wir berichten im Live-Ticker)? Bierofkas Antwort: eine romantische Liebeserklärung an den Amateurfußball. „Ich bin immer gerne nach Buchbach gefahren. Da war gute Stimmung. Kleines Stadion, 2000 Fans – und Spanferkel gab’s auch.“ Es klingt nicht so, als habe es Bierofka herbeigesehnt, vor gut zehnmal so vielen Zuschauern die Resthoffnung des Löwen-Anhangs auf den Klassenerhalt bewahren zu müssen.

Auf das Spanferkel muss Bierofka am Sonntag ebenso verzichten wie auf das weitgehend unbeobachtete Arbeiten im Hintergrund. Blitzlichtgewitter, Sky-Interview, Pressekonferenz danach – Bierofkas Welt ist das nicht, doch die Kunst, sich gedanklich abzuschotten, hat er schon als Spieler beherrscht. Stichwort Tunnelblick. „Ich werde das Umfeld sowieso nicht richtig wahrnehmen“, sagt er: „Ich konzentriere mich auf das, was auf dem Platz passiert – und so sollten die Spieler das auch sehen.“

Schon zur Einstimmung auf das wichtige Spiel hat Bierofka seine neue Mannschaft allen neugierigen Blicken entzogen. Seit Donnerstag fand jede Trainingseinheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – ein Novum bei 1860. Bierofka jedoch scheint die wenige Zeit mit der Mannschaft sinnvoll genutzt zu haben. Neues System? Neue Laufwege? Vielleicht sogar ein neuer Torwart? Was genau er vorhat, verrät er nicht. Nur so viel sagt er: „Jeder Trainer hat seine Philosophie, wie man so schön sagt. Das ist bei mir nicht anders.“ Schlagworte, die er häufig erwähnt, lassen beherzten Pressingfußball erwarten. „Früh attackieren“, „den Gegner zu Fehlern zwingen“ – so in etwa will Bierofka seinen ersten Sieg als Profitrainer erzwingen.

An Zuspruch und prominenten Daumendrückern mangelt es jedenfalls nicht. Die Meisterlöwen fordern Unterstützung ein. Präsident Peter Cassalette schwärmt: „Daniel macht einen extrem motivierten Eindruck.“ Selbst Investor Hasan Ismaik wünscht via Stadionheft „viel Glück und Erfolg“. Einzig Werner Lorant, Bierofkas Vorbild, klingt skeptisch. „Ich hoffe natürlich, dass er’s schafft“, sagte Lorant in der tz. Aber, fügte der Ex-Trainer hinzu: „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich noch dran glaube.“

Ganz schön viel Druck für einen, der erst seit kurzem Trainer ist – und jetzt mal eben den Verein retten soll. Bierofka stellt sich tapfer – und erwartet, dass die Mannschaft ihm folgt. „Es ist keine One-Man-Show“, sagt er: „Ich nehme die Spieler mit ins Boot. Sie müssen überzeugt sein von dem, was wir machen, aber am Charakter der Spieler lasse ich keinen Zweifel, ich kenne sie ja schon länger.“ Ein Heimsieg – und alle wären zufrieden, Bierofka inklusive. Spanferkel vom Dorfgrill kriegt er frühestens wieder nächste Saison, aber das Essen im VIP-Club soll auch nicht so schlecht sein.

Rubriklistenbild: © sampics / Stefan Matzke

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