Österreicher startet Versuch bei 1860

Vielleicht die letzte Chance für Okotie

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Stemmt er die neue Herausforderung? 1860-Neuzugang Rubin Okotie.

München - Rubin Okotie hat schon einige Erfahrungen mit den Höhen und Tiefen im Profifußball gemacht. Beim TSV 1860 startet der Österreicher einen weiteren Versuch, sich endlich als Offensivkraft zu etablieren.

Die Empfehlung kam aus berufenem Munde. David Alaba (22) hat Rubin Okotie (27), seinem Landsmann und Kumpel, in den höchsten Tönen von dessen neuer Wahl-Heimat berichtet. „Er hat von München nur geschwärmt“, erzählt Okotie, Neuzugang des TSV 1860. Die beiden Wiener kennen sich seit der Kindheit, Okoties philippinische Tante ist die beste Freundin von Alabas Mutter, ebenfalls eine Philippina. Beide spielten im Nachwuchs von Austria Wien, beide wurden Fußballprofis, beide haben afrikanische Väter, beide sind in München gelandet. Doch in einem Punkt unterscheiden sich die Zwei gravierend. Während Alaba auf dem Weg zum Weltstar ist, kämpft Okotie in der 2. Liga darum, seiner Karriere endlich einen längst überfälligen Schub zu geben. „1860 ist eine große Chance für mich“, sagt der Angreifer, um sogleich hinzuzufügen: „Ich war schon in Situationen, in denen ich gar keine Chance hatte.“

Es ist also rauf und vor allem auch runter gegangen im Fußballerleben des Sohnes eines nigerianischen Diplomaten. Okotie, der in Karatschi/Pakistan geboren wurde und bis zum fünften Lebensjahr in Barcelona lebte, galt einst als eine der größten österreichischen Stürmerhoffnungen. In Wien – die Stadt, mit der er Heimatgefühle verbindet – lieferte er zunächst bei Rapid und dann beim Lokalrivalen Austria erste Talentbeweise. Mit Österreichs U 19 erreichte Okotie 2006 das EM-Halbfinale, im Jahr darauf gar das Halbfinale der U-20-WM. In seiner zweiten Profi-Saison (2008/ 09) erzielte er stattliche 14 Treffer für Austria Wien. 22 war er damals. Im gleichen Spieljahr stieg Okotie zum Nationalspieler auf (fünf Länderspiele), wurde mit der Austria Pokalsieger, im Finale erzielte er das 1:0. „Das ging schnell bergauf, ich träumte von einer großen Karriere“, erinnert er sich an seine bis heute beste Saison.

Doch schon im darauffolgenden Jahr stoppte ihn Knieverletzung, drei Operationen warfen den Stürmer immer wieder zurück. Sein Wechsel 2010 zum 1. FC Nürnberg war zum Scheitern verurteilt: „Ich war dort körperlich nicht in der Lage, mein Potenzial auszuschöpfen.“ Auch die anschließenden Stationen (St. Truiden/Belgien, Sturm Graz, erneut Austria Wien) brachten ihm kein Glück.

Erst im letzten Halbjahr zeichnete sich eine Wende zum Besseren ab. Der Trainer Lars Södergaard, der lange Zeit in Österreich verbracht hatte, holte ihn zum dänischen Provinzklub Sonderjysk. Okotie traf elfmal in 15 Partien, sicherte seinem Team den Erstligaverbleib.

Als ihn vor einigen Wochen die 1860-Offerte erreichte, zögerte der Mittelstürmer nicht lange. „Ich habe das Gefühl, dass da etwas Großes im Entstehen ist. Davon möchte ich ein Teil sein“, sagte er. Bei seinen bisherigen Testspieleinsätzen ließ Okotie, der den größten Oberschenkelumfang im Team aufweist, seine Gefährlichkeit zumindest aufblitzen. Gegen Mönchengladbach und Cardiff City traf er an den Pfosten, einmal wurde der Ball von der Linie geholt. „Wenn Rubin da zweimal trifft, sieht es gleich ganz anders aus. Mit ein bisschen Glück kann er auch Matchwinner sein“, erklärte Trainer Ricardo Moniz.

Der Niederländer belobigte grundsätzlich den Eifer des Neuzugangs: „Rubin ist sehr ehrgeizig, das spürst du.“ Zugleich machte Moniz dem 27-Jährigen aber auch Druck. In einem Interview mit „Sky Sport News HD“ betonte der Löwen-Coach: „Wenn er jetzt sein Potenzial, sein Talent und seinen Ruf nicht einlöst, dann ist alles vorbei. Es ist alles oder nichts.“ Höchste Zeit also für Okotie, zu zeigen, was er kann.

Armin Gibis

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