Übersicht zur Lage beim TSV 1860 

Die vier Baustellen der Löwen – und wie es vorangeht

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Ihm sind die Hände gebunden – wegen Ismaik: 1860-Geschäftsführer Fauser. 

Die Zukunft beim TSV 1860 hängt vor allem von Ismaik ab, der mal wieder einen langen Atem zu haben scheint. Eine Übersicht zu den drängendsten Fragen im Verein.

München – Seit Mittwoch steht der Termin fest, an dem der TSV 1860 seine Mitgliederversammlung nachholt, die am 2. Juli mangels handfester Fakten verschoben wurde. Es gab die Überlegung, bis nach den Sommerferien zu warten – in der Hoffnung, dass dann vielleicht mehr Klarheit an allen Fronten herrscht. Jedoch: Es setzte sich die Überzeugung durch, doch den übernächsten Sonntag anzupeilen (23. Juli, ab 10 Uhr, Zenith). Weiterhin sieht es nämlich nicht danach aus, als würden sich die drängenden Themen im Handstreich klären lassen. Kurzfristig nicht – und wohl auch nicht bis zum Herbst.

Investor Hasan Ismaik verbringt gerade lieber Zeit in seiner jordanischen Heimat als nach München zu fliegen und die Stundung seines Darlehens abzusegnen. Auch Unternehmer Gerhard Mey, der den Jordanier als Anteilseigner ersetzen oder ergänzen möchte, befindet sich laut SZ auf Reisen. Im Verein stellt man sich darauf ein, dass sich die Phase der Ungewissheit noch länger hinziehen könnte. Ein Überblick über die vier aktuellen Großbaustellen.

Erste Baustelle: Die Finanzsituation

Von Ismaiks Unterschrift unter die Verlängerung seines 2018 fällig werdenden Darlehens hängt alles ab. Ohne die Stundung der acht Millionen Euro droht der KGaA die Überschuldung, kann Geschäftsführer Markus Fauser keine positive Fortführungsprognose stellen. Und ohne diesen Bescheid wird sich auch „Die Bayerische“ nicht bewegen – weder wird die Versicherung ihr Engagement als Hauptsponsor verlängern, noch wird sie wie geplant ein Überbrückungsdarlehen gewähren, mit dem sich die akute Finanzierungslücke von zwei Millionen Euro schließen ließe. Es ist ein endloses Gepokere, wer den ersten Schritt macht. Pikant: Am Samstag in Bodenmais sollen die neuen Trikots vorgestellt werden, im Rahmen eines Testspiels gegen Heimstetten oder Kaiserslautern (17 Uhr). Jetzt kann es sein, dass das bereits gedruckte Sponsorenlogo überklebt werden muss – und Fauser ins Grübeln gerät. Mit einem gewissen Risiko könnte er wohl Grünes Licht für die anstehende Saison geben: Einsparungen und zwei lukrative Transfers (Pongracic, Uduokhai) haben die Lage ein wenig entspannt. Doch das Thema Insolvenz wäre nicht dauerhaft vom Tisch, weil ja dann 2018 die Insolvenz drohen würde – wenn Ismaiks Darlehen fällig werden. Die große Frage ist: Wer verliert zuerst die Nerven?

Zweite Baustelle: Die Investorenfront

Drei denkbare Szenarien gibt es, um die komplett entgleiste Situation mit Ismaik zu lösen. Die vom Verein erhoffte: Der Jordanier verkauft seine Anteile an Mey, erhält einen Teil seines Investments zurück und lässt die Löwen in Ruhe. Möglichkeit zwei: Die KGaA erhöht ihr Kapital und gibt zusätzliche Anteile aus, die Mey kaufen kann, der dann dritter Gesellschafter wäre. Szenario drei: Ismaik blockiert alles – dann jedoch würde das Pulverfass 1860 explodieren. Ein Insider sagt: „Die Zweierkonstellation – HAMG (Ismaiks Firma/Red.) und e.V. – muss aufgebrochen werden. Sei es durch seinen Ausstieg – oder durch den Einstieg eines Dritten, damit Allianzen gebildet werden können.“ Horrorvision aus Sicht der Löwen: Ismaik hat Erfolg mit seiner Klage gegen 50+1. Denn egal, wie viele Anteile er dann noch besitzt – er könnte sich für ein Taschengeld 51 Prozent an der Geschäftsführungs-GmbH sichern, die momentan noch zu 100 Prozent beim e.V. liegt (Stammkapital 25 000 Euro). Diese Option, Ismaiks letzte Trumpfkarte, wurde 2011 im Kooperationsvertrag verankert. Kommt es dazu, hätte der Jordanier auch als Minderheitsgesellschafter das alleinige Sagen.

Dritte Baustelle: Die sportliche Lage

Neuer Torhüter (Alexander Strobl), neuer Chefscout (Jürgen Jung) – zwei seiner drei Wünsche hat Daniel Bierofka erfüllt bekommen. Um beruhigt in die Saison starten zu können, fehlt dem Trainer noch ein erfahrener Torjäger. Diesbezüglich jedoch sieht es schlecht aus, wie die jüngsten Absagen von Karl-Heinz Lappe, Bernd Rosinger und Mathias Fetsch nahelegen. „Natürlich spricht es nicht für uns, wenn die Insolvenz ein Thema ist“, klagte Bierofka nach dem Training am Dienstag: „Das schreckt die Spieler schon ab.“ Im Test am Mittwoch bei der SpVgg Landshut (2:2) setzte er Gaststürmer Amir Falahen ein. Der Deutsch-Palästinenser ist 24 Jahre alt und dreimal für den SC Freiburg in der Bundesliga aufgelaufen – ohne Torerfolg allerdings. Die Beisterung des Coaches über seine Leistung hielt sich aber in Grenzen.

Vierte Baustelle: Die Stadionfrage

Erklärtes Ziel des Vereins ist, noch in dieser Woche mit dem Verkauf von Dauerkarten und Tickets für das erste Heimspiel zu beginnen. Ob’s klappt, hängt maßgeblich davon ab, wie die Verhandlungen mit der Allianz verlaufen, die dem Arena-Auszug der Löwen als einzige Partei im Wege steht. Mit den Bayern ist 1860 längst einig, ebenso mit Caterer Arena One, der sich kulant gezeigt haben soll. Wie berichtet, fordert nun aber die Allianz einen Millionenbetrag. Kein leichter Fall für Fauser, doch er soll zuversichtlich sein, auch dieses Problem gelöst zu kriegen.

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