Coach spricht über seine OP

Wohl nur 15.000 Löwen-Fans da - Möhlmann trotzig

München - Vor dem Kellerduell mit Duisburg sprüht der genesene Möhlmann vor Energie: „Wir müssen den Sieg mehr wollen“. Die Kulisse wird allerdings dürftig ausfallen.

Da war er also wieder. „Servus“, schmetterte Benno Möhlmann in den Presseraum, setzte sich schwungvoll hin und klatschte sich dann erstmal an beide Wangen. Eine gesunde rote Farbe hatten die – ganz anders als zehn Tage zuvor, als der Löwen-Trainer sich mit allerletzter Kraft an diesen Ort geschleppt hatte und nur Stunden später in einem Operationssaal der Rotkreuzklinik aufwachte. „Ich habe die ganze Geschichte ein bisschen zu leicht genommen“, blickte er zurück auf seine Leidenszeit: „Es war von Anfang an keine Magen-Darm-Geschichte, es war eine Entzündung im Bauchbereich. Am Ende blieb nichts mehr anderes übrig, als die poröse Gallenblase zu entfernen.“

Es war Möhlmann ein Anliegen, sich beim behandelnden Ärzteteam zu bedanken – aber auch beim „Rest des Trainerteams“ um Kurt Kowarz, das ihn würdig vertreten hatte. Nicht nur der Chefcoach wirkt ja erholt wie nach einer Kur, auch die Mannschaft, die in Mainz nach 80 Tagen mal wieder das Gefühl eines Sieges kennen lernen durfte. Der Einzug in die dritte Pokalrunde hat die Stimmung beim TSV 1860 deutlich entspannt. Spieler lachen wieder, Fans schöpfen neue Hoffnung, es gibt sogar einen furchtlosen Menschen, der Lust verspürt, Präsident dieses Vereins zu werden (Peter Cassalette, wie berichtet). Allerdings, betonte Möhlmann vor dem Kellerduell mit dem MSV Duisburg an Allerheiligen: „Die Situation in der Liga hat sich nicht verbessert. Wir sind nach wie vor bei sechs Punkten und in der unglücklichen Situation, dass wir noch kein einziges Ligaspiel gewonnen haben.“

Da konnte dem erfahrenen Coach keiner widersprechen. Vor lauter Euphorie um den überraschenden 2:1-Erfolg in Mainz ist die Trostlosigkeit der Zweitligatabelle fast ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Vorletzte empfängt am Sonntag den Letzten, und Möhlmann hat in den wenigen Stunden seit seiner Rückkehr gemerkt, dass in der Kabine eine positive Unruhe herrscht. „Ich spüre, dass die Mannschaft es satt hat, dem ersten Sieg hinterherzulaufen“, sagte er und erinnerte an die Basis für den Erfolg von Mainz: „Man kann mitnehmen, was möglich ist, wenn man gemeinsam eine Linie verfolgt und sich 100 Prozent als Mannschaft einbringt. So können wir auch am Sonntag erfolgreich sein.“ Von einem Endspiel will Möhlmann aber noch nichts wissen. „Der Weg ist sehr weit, lang und groß“, sagte er: „Der ist auch nach Duisburg nicht zu Ende.“

Aber: Die 21 Spiele danach fallen sicher leichter, wenn nicht am Sonntag der nächste Rückschlag kommt. Und wenn die Mannschaft dort weitermacht, wo sie in der zweiten Halbzeit von Mainz Fortschritte gezeigt hat. Zum Beispiel in den Disziplinen Tempo, Umschaltspiel, Entschlossenheit, Mut. „Das Entscheidende gegen Duisburg sind wir – nicht Duisburg“, sagte Möhlmann: „Wir müssen unsere Offensivaktionen besser, schneller und effektiver hinkriegen.“

„Langer, großer Weg“

Daher schaute der genesene Trainer am Freitag sehr genau hin, lobte, tadelte, korrigierte. Immer wieder hob er deutlich die Stimme – wie zum Beweis, dass er wieder ganz der Alte ist. Der starke Mann, nach dem sich kriselnde Löwen traditionell sehnen. „Es ist eine Situation, die mir keine Angst macht, sondern die meine Energie weckt“, sagte Möhlmann. Gegner Duisburg sei zwar in einer ähnlichen Lage und brauche den Sieg ebenso dringend. Aber, betonte er: „Wir müssen ihn mehr wollen!“

Biss zeigen – auch vor trostloser Kulisse. In einem der wichtigsten Spiele seit der Relegation gegen Kiel stellt sich der Verein auf höchstens 15 000 Zuschauer ein. Mit einem einsamen Pokalcoup gewinnt man die Masse offenbar nicht zurück. Aber auch der Allerheiligen-Termin sei schuld, sagt die Pressestelle. Es ist ein Umstand, der den Kampfgeist in Möhlmann noch mehr weckt. „Je weniger die Leute an uns glauben“, sagte er, „desto mehr müssen wir an uns glauben.“

Uli Kellner

Rubriklistenbild: © MIS

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