Von Ahlen hält sich zurück

"Es geht um die optimale Lösung für 1860"

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Markus von Ahlen.

Aalen - Ob Markus von Ahlen in zwei Wochen noch Löwen-Chefcoach ist, ist unklar. Nach der Niederlage in Aalen hielt er sich zurück.

Wie zwei Schüler bei der Projektarbeit saßen sie da. Halbzeit in Aalen, Spielstand 0:0, die Partie auf unterstem Zweitliganiveau, also wurde gegrübelt auf der Trainerbank des TSV 1860. Markus von Ahlen kaute auf einem Filzstift rum, Interims-Co-Trainer Filip Tapalovic saß mit seiner Schreibmappe daneben – beide scheinbar ratlos, vielleicht auch enttäuscht. Das Duo schien keine gute Vorahnung zu haben.

Zurecht. Der kurze Aufwärtstrend, der nach dem Rauswurf von Ricardo Moniz zu einem Derbysieg gegen Greuther Fürth (2:0) geführt hatte konnte beim Feiertagskick in Aalen nicht fortgesetzt werden, im Gegenteil. Vor der Pause lief fast nichts zusammen, danach noch weniger. Der eingewechselte Rodri vergab die einzige knackige 1860-Chance (79.), am Ende stand es 0:2 durch einen Doppelpack in der Schlussphase. Bedeutet für Prüfling von Ahlen: Cheftauglichkeitstest verpatzt, Versetzung stark gefährdet. Es sieht mehr denn je danach aus, als würde Bernd Schuster übernehmen.

Dabei hatte Gerhard Poschner bei „Sky“ vor dem Anpfiff noch in aller Gelassenheit erklärt, dass mitnichten eine Vorentscheidung in der Trainerfrage gefallen sei. „Ich bin da nicht wirklich involviert“, behauptete der Sportchef, angesprochen auf die Diskussionen um Schuster. „Wir wissen, was wir an Markus haben, wir schätzen ihn sehr. Es funktioniert alles relativ reibungslos.“ Die Länderspielpause bis zum Aue-Spiel will er nutzen, um zunächst mit von Ahlen zu sprechen, „ganz in Ruhe, bei einer Tasse Tee“. Zu diesem Zeitpunkt klang das noch fast so, als könnte jeder Dritte nur störenden Einfluss auf die besinnliche Teestunde haben.

Und nach dem Spiel? Da ließ sich von Ahlen wie immer wenig entlocken. „Ich kann nicht sagen, wie es weitergeht“, sagte er knapp. „Für diese Frage bin ich momentan auch gar nicht offen. Es geht um die optimale Lösung für 1860, der Verein tut gut daran, wenn er sich Zeit lässt.“

Abwarten und Tee trinken - so sind auch seine Spieler die Partie in Aalen angegangen. Alle elf auf dem Platz verfielen in den alten Trott – selbst Adlung und Weigl, die im Fürth-Spiel noch jede Menge aufgestauter Energie entladen hatten. Kein Tempo, keine Inspiration, mäßiges Interesse an energischer Zweikampfführung – willkommen in der Vergangenheit. Dabei war auch der Auftritt der Aalener wenig Furcht einflößend. Aalen hatte sechs Spiele nicht gewonnen – das merkte man ihrer Körpersprache an, zumindest bis zum Halbzeitpfiff. Was danach passierte bzw. nicht passierte, darüber wird zunächst noch von Ahlen mit Sanchez und Co. sprechen. „Wir hatten uns mehr erhofft“, kommentierte der Trainer. „Aber wir sind nicht so ins Spiel gekommen, hatten nicht so einen Traumstart wie gegen Fürth.“

Fast schon ein Alptraum war dann die Schlussphase. Ex-Löwe Andreas Ludwig bereitete das 1:0 durch Weiß vor (83.), das 2:0 knallte Arne Feick seinen alten Kameraden ins Netz (86.) – noch so ein Verflossener, dem es leicht gemacht wurde, ein bisschen Rache zu üben.

Dass das Schiedsrichtergespann ein Handspiel von Ludwig vor dem 0:1 übersehen hatte, brachte Kapitän Schindler in Rage: „Das Spiel durften wir nie und nimmer verlieren.“ Andererseits: Die 83 Minuten zuvor waren trostlos genug. Vielleicht kann wirklich nur ein Engel die Löwen retten, zur Not ein blonder Engel. Schusters Chancen sind gestiegen – darüber gibt es seit Freitag keine zwei Meinungen mehr.

Uli Kellner 

Löwen-Niederlage in Aalen: Bilder und Noten

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