Er will TSV 1860 stabil kriegen

Von Ahlen: Das ist mein Plan für die Löwen

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Alter, neuer Hoffnungsträger: Schafft es von Ahlen, die Löwen zu einer funktionierenden Einheit zu formen?

München - Moniz ist über alle Berge – und Nachfolger von Ahlen? Der setzt mehr bei der Einstellung als bei der Aufstellung an, um die Löwen endlich stabil zu kriegen.

Am Tag nach der Trennung fuhr bereits der Umzugswagen vor. Ricardo Moniz konnte es nicht schnell genug gehen, die Stadt hinter sich zu lassen, die ihm kein Glück gebracht hat. Der Frust über seine Entlassung beim TSV 1860 sitzt tief, da machte der Niederländer keinen Hehl draus. „Die Trennung hat mich knallhart getroffen“, sagte Moniz, 50, gegenüber der tz. „Ich habe daran geglaubt, dass wir langfristig arbeiten und auf Kontinuität setzen. Aber es ist leider so, dass im Fußball manches sehr schnell geht.“ Als Therapie gegen den Jobentzug hat sich Moniz für die nächsten Wochen daheim in Eindhoven vor allem eines vorgenommen: „Ich werde mir viel Fußball anschauen.“

Markus von Ahlen, 43, Vorgänger und Nachfolger des glücklosen Holländers, übte derweil mit gewohntem Schwung die Rolle des Nothelfers aus, die ihm bestens vertraut ist. Außer dem „TR“ auf seinem Trainingsanzug habe sich nicht viel geändert, sagte er auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Greuther Fürth. „Stand jetzt bin ich Trainer“, sagte von Ahlen. „Sonst steht da ,CO’ drauf. Wir haben ja vor der Saison die Vereinbarung getroffen, dass ich Trainer vom Klub bin.“ Die Abmachung gelte bis 2016 – und glaubt man von Ahlen, dann ist es ihm herzlich egal, in welcher Funktion genau er gerade seine treuen Dienste zur Verfügung stellt.

Wie bereits im April, als er Friedhelm Funkel für fünf Spiele beerbte, so hat der loyale Westfale auch diesmal keine revolutionären Änderungen im Sinn. Damals berief er in seinem ersten Spiel die exakt gleiche Elf, die zuvor 0:3 gegen Karlsruhe verloren hatte (mit dem Ergebnis, dass sein Einstandsspiel in Dresden 2:4 endete). „Kurzfristige Kontinuität“, wie von Ahlen seine vertrauensbildende Maßnahme nennt, ist auch diesmal zu erwarten. „Wenn man noch nicht so stabil ist, ist es ratsam, nicht zu viele Veränderungen vorzunehmen“, argumentierte er. Lieber setzt der neue alte Krisenhelfer dort an, wo nach dem Missverständnis mit Moniz die meisten Probleme zu verorten sind: in den Köpfen der Spieler. „Viele Einzelgespräche“ werde es führen, sagte der Coach. Gestern vor dem Abschlusstraining fing er damit an, weitere sollten am Abend im Hotel folgen.

Mit Filip Tapalovic, dem Trainer der U 19, wird von Ahlen sein bewährter Helfer aus dem Frühjahr assistieren. Der 43-Jährige ist keiner, der groß Ansprüche stellt. Seine Loyalität scheint auch so weit zu gehen, dass er bereit ist, vorherrschende Meinungen aus der Führungsetage zu übernehmen: Vallori bleibt weiterhin out, Kagelmacher in, und gemäß seiner Ankündigung wird auch gegen Fürth mindestens ein Spanier auflaufen. Julian Weigl dagegen, der unter Moniz’ Brachialpädagogik litt, scheint dagegen wieder näher dran zu sein am Team: „Ju brennt auf einen Einsatz.“ Ebenso Adlung.

Auch was das Spielsystem betrifft, gibt sich von Ahlen linientreu. „4-3-3“ kündigt er an, ganz im Sinne der neuen Klubphilosophie. Geschenkt, dass er im Frühjahr in einer 4-2-3-1-Formation respektable zehn Punkten aus fünf Spielen holte. Von Ahlen sagt: „Ich denke, die Systemfrage wird überbewertet.“ So ganz falsch liegt er da sicher nicht. Finden die Löwen unter ihm den Weg aus der Krise, dann wird es dem Verein egal sein, in welcher Grundordnung die Männer auf dem Rasen angeordnet waren.

Gefragt nach seinen persönlichen Ambitionen, wich von Ahlen aus. „Ich habe momentan nur Fürth im Kopf“, sagte er, wohlwissend, dass die Franken auf Revanche sinnen. Das 1:2 im April kostete Fürth den Aufstieg. Von Ahlen dagegen schien damals auch das Glück auf seiner Seite zu haben. Kai Bülow traf in der Nachspielzeit. Schafft er auch diesmal so einen Positivlauf (mit Zwei-Punkte-pro-Spiel-Schnitt), könnte die Saison doch noch mal spannend werden – im positiven Sinne, versteht sich.

Uli Kellner

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