Von Ahlen zieht die Zügel an

"Mir ist egal, wie die Spieler das jetzt finden"

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Markus von Ahlen.

München - Als Reaktion auf die Larifari-Leistung beim 0:4 gegen Stuttgart II führte 1860 mal wieder den Acht-Stunden-Tag ein. Die Spieler nehmen's hin.

Politiker, die nicht mehr weiterwissen, bilden einen Ausschuss. Und 1860-Trainer, die einen Ausweg aus der Krise suchen? Die führen irgendwann den Acht-Stunden-Tag ein.

Falko Götz hatte 2004 Feldbetten im Jugendinternat aufstellen lassen. Walter Schachner wurde diese Maßnahme zu seinem Leidwesen von oben aufs Auge gedrückt (bedeutete: weniger Zeit für die „Auslagen“ in der Maximilianstraße). Jetzt ist es also Markus von Ahlen, der in der Januar-Vorbereitung bewusst auf die Karte „Fußballer-Vollbeschäftigung“ setzt.

„Wir sind auf Platz 15, es ist wichtig, dass sich die Spieler Tag und Nacht mit der Situation beschäftigen. Ich lebe das vor“, sagte der Trainer gestern Mittag – nachdem er die Herren Profis bereits im Morgengrauen an ihren Arbeitsplatz zitiert hatte. 7.30 Uhr Waldlauf, 9.30 Uhr Kraftraum, 10 Uhr Zirkeltraining, 15 Uhr normales Training – es war kein reiner Spaß, der Kapitän Schindler und Co. am fünften Tag der Januar-Vorbereitung erwartete.

Recht so, lautet das Echo in den Fanforen. Nicht nur die Lorant-Nostalgiker hätten sich schon früher mehr Drill gewünscht. Letztlich war es wohl die Larifari-Leistung beim 0:4 gegen Stuttgart II, die bei der Vereinsführung zu einem Umdenken geführt hat. Motto: Raus aus der Komfortzone! „Es ist klar, dass man am zweiten Tag nach der Weihnachtspause noch nicht in Topform ist, aber es geht auch um die Präsenz. Dass erfahrene Spieler auf dem Platz Coaching-Aufgaben übernehmen, dass sie verbal präsent sind“, erklärte der Trainer. Dies sei am Freitag definitiv nicht der Fall gewesen. „Und das“, sagte von Ahlen, „muss die Mannschaft spüren.“

Tut sie auch heute wieder. Und vielleicht morgen, übermorgen – womöglich noch die ganze Woche. Der Verein behält sich die Option vor, der Mannschaft bis zum Abflug ins Trainingslager am kommenden Dienstag ihren gemütlichen Freizeitmodus durcheinander zu bringen. Wobei: Von einem echten Acht-Stunden-Tag zu sprechen, verbietet sich. Mittags fuhren viele Spieler nach Hause, um dort einen Happen zu sich zu nehmen. Mangels geeigneter Essens- und Schlafräume ist es den Löwen leider nicht möglich, das Team ganztägig auf dem Vereinsgelände zu kasernieren.

Und wie reagieren die Spieler auf die Verschiebung des Verhältnisses Watte/Peitsche? Nach außen hin natürlich professionell. „Wir werden’s überleben“, sagte Torhüter Stefan Ortega zum Thema Frühsport. „Schaden tut’s nicht. Wir sind in einer Situation, wo wir mehr machen müssen als die anderen.“ Sagt einer, dem der Ehrgeiz ohnehin in die Wiege gelegt wurde. Anderen dürfte es dagegen schwerfallen, nicht mehr gar so viel Zeit für Cafébesuche, Shoppingmalls und Friseur- bzw. Tattoosalons zur Verfügung zu haben

„Der Trainer hat das so entschieden – und uns am Sonntag mitgeteilt“, berichtete Ortega. Geht es nach von Ahlen, ist die Maßnahme kaum der Rede wert. Mit Weckern, die um 6 Uhr klingeln, habe er kein Problem, teilte er einer besorgten TV-Reporterin mit. „Ich stehe immer so früh auf“, erklärte der Coach. „Mir ist egal, wie die Spieler das jetzt finden. Es wird gemacht.“

Uli Kellner

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