Reuter kontra Hasenstab: Deshalb kracht’s beim TSV 1860

Von wegen goldene Zeiten…

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Stefan Reuter und Michael Hasenstab.

Als die Löwen am 26. Mai diesen Jahres ihr neues Präsidium präsentierten, erklärte Vize Franz Maget freudestrahlend: „Jetzt geht der TSV 1860 goldenen Zeiten entgegen.“

Die Installierung des neuen Präsidenten Rainer Beeck und des neuen Vizes Michael Hasenstab, ein Investment-Banker, sollten die Garantie dafür sein. Jetzt, ein halbes Jahr später, ist von goldenen Zeiten nichts mehr zu erkennen. Sportlich hat nach den beiden Heimniederlagen gegen Oberhausen und Augsburg eine gewaltige Depression eingesetzt, und in der Führungsetage ist man beim TSV 1860 wieder mal nicht auf einer Wellenlänge.

Was aus diesen Löwen wurde...

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Seit dem Aufstieg in die Bundesliga 1994 kamen und gingen viele Kicker an die Grünwalder Straße 114 zu den Münchner Löwen. Die einen blieben in guter Erinnerung, die anderen weniger. Sehen Sie hier eine Auswahl "vergessener Löwen-Kicker" und was aus ihnen wurde. Olaf Bodden kickte zwischen 1994 und 1998 bei 1860 und erzielte in dieser Zeit 25 Tore. Heute verdient der ehemalige Stürmer als Spielerberater sein Geld. © dpa
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Jens Dowe kickte zwischen 1994 und 1996 im Grünwalder Stadion (51 Spiele, acht Tore). Der Mittelfeldspieler beendete seine Karriere 2004 in der Regionalliga bei Holstein Kiel und arbeitet heute im Jugendbereich von Hansa Rostock. © Archiv
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Holger Greilich schnürte die Kickstiefel zwischen 1995 und 2002 für die Löwen (114 Spiele, zwei Tore). Er beendete seine Karriere 2004 beim 1. FC Saarbrücken. Heute arbeitet der ehemalige Verteidiger als Spielerberater. © dpa
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Horst Heldt spielte von 1995 bis 1999 bei den Löwen (111 Spiele, elf Tore) und beendete seine Karriere 2006 beim VfB Stuttgart. Dort arbeitet "Hotte" auch heute noch - als Sportdirektor. © dpa
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Thomas "Icke" Häßler spielte zwischen 1999 und 2003 beim TSV 1860 (115 Spiele, 21 Tore) und beendete seine Karriere ein Jahr später beim SV Salzburg. Heute arbeitet "Icke" als Technik-Trainer bei seinem Heimat-Klub 1. FC Köln. © dpa
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Jens Jeremies' Vergangenheit als Löwe ist vergleichsweise kurz, wenn man seine drei 1860-Jahre (1995 bis 1998, 78 Spiele, zwei Tore) den acht Jahren beim FC Bayern gegenüberstellt. Jeremies beendete seine Karriere ebenda 2006 und arbeitet heute bei IMG. © dpa
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Roland Kneißl spielte sieben Jahre lang bei den Löwen und beendete seine Karriere dort im Jahr 1995. Später arbeitete Kneißl auch als Manager bei den Löwen, heute ist Kneißl bei der Fan GmbH 1860. © Archiv
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Alexander Kutschera war zwischen 1994 und 1997 ein Löwe (53 Spiele, ein Tor). Er beendete seine Karriere 2001 bei Eintracht Frankfurt und ist heute Trainer bei der SpVgg Landshut. © dpa
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Stefan Malz spielte von 1997 bis 1999 bei den Löwen (36 Spiele, zwei Tore). Er wechselte danach zu Arsenal London, konnte sich dort aber nie durchsetzen. Seine Karriere beendete Malz 2008 als Spieler beim FSV Oggersheim. © dpa
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Martin Max ist vielen Löwen-Fans als Knipser in guter Erinnerung. Er spielte zwischen 1999 und 2003 bei den Löwen (112 Spiele, 51 Tore) und beendete seine Karriere 2004 bei Hansa Rostock. Heute arbeitet Max gemeinsam mit einem anderen Ex-Löwen, Keeper Daniel Hoffmann, als Trainer beim Bezirksligisten TSV Grafing. © dpa
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Thomas Miller war und ist ein Ur-Löwe, der insgesamt 82 Bundesliga-Spiele für die Sechzger bestritt (ein Tor). Wie auch schon zeitweise während seiner aktiven Zeit arbeitet Miller als Finanzbeamter, heuer in Fürstenfeldbruck. © Archiv
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Erik Mykland spielte zwischen 2000 und 2002 bei den Löwen (26 Spiele, null Tore). Der 1971 geborene Mittelfeldspieler ist immer noch als Fußballer aktiv, und zwar beim norwegischen Zweitligisten Kristiansand. © dpa
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Peter Nowak regierte das Löwen-Mittelfeld zwischen 1994 und 1998 (93 Spiele, 15 Tore). Heute ist der gebürtige Pole Co-Trainer der US-Nationalmannschaft. © Archiv
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Peter Pacult schoss die Löwen mit seinem Treffer in Meppen 1994 in die Bundesliga, wo er in der Aufstiegssaison in 16 Spielen drei Mal einnetzte. Später arbeitete Pacult zwischen 2001 und 2003 auch als Chefcoach der Löwen. Heute coacht er den österreichischen Traditionsklub Rapid Wien. © Archiv
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Abedi Pele kickte zwischen 1996 und 1998 bei den Löwen (50 Spiele, zwei Tore). Heute engagiert sich Pele als WM-Botschafter für Südafrika. © dpa
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Rainer Berg hütete das Löwen-Tor zwischen 1991 und 1997 (100 Spiele) und arbeitet heute als Torwarttrainer bei der SpVgg Unterhaching. © dpa
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Thomas Riedl schnürte die Kickstiefel von 1999 bis 2001 für die Löwen (33 Spiele, ein Tor - das aber beim 1:0-Sieg gegen den FC Bayern). Heute steht der 32-Jährige bei Austria Kärnten unter Vertrag. © dpa
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Rene Rydlewicz spielte von 1994 bis 1996 bei den Löwen (46 Spiele, zwei Tore) und beendete seine Profi-Karriere im Sommer 2008 bei Hansa Rostock. Rydlewicz arbeitet nun bei Hansa Rostock. © Archiv
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Manfred Schwabl kam über den FC Bayern und den 1. FC Nürnberg zum TSV 1860 München und spielte dort von 1994 bis 1997 (83 Spiele, ein Tor). Heute arbeitet Schwabl als Unternehmer. © dpa
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Superstar Davor Suker ließ seine internationale Karriere (u.a. Real Madrid und Arsenal) bei den Löwen ausklingen (2001 bis 2003, 25 Spiele, fünf Tore). Heute arbeitet der ehemalige Top-Stürmer als Unternehmer und als Berater des kroatischen Fußball-Verbandes. © Sampics
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Bernhard Trares trug zwischen 1991 und 1997 das Löwen-Trikot (133 Spiele, 14 Tore), er beendete seine Karriere 2004 beim KSC. Heute trainiert der Ex-Kapitän Wormatia Worms. © dpa
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Manni Bender war zwar auch mal ein Roter, wechselte aber später die Farben und spielte zwischen 1996 und 1999 bei den Löwen (51 Spiele, vier Tore). Zuletzt war Bender als Trainer in der österreichischen Bundesliga bei SCR Altach aktiv. © dpa
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Elvis Brajkovic (ganz links) verteidigte für die Löwen zwischen 1994 und 1996 (18 Spiele, null Tore). Der 1969 geborene Kroate kickte bis Sommer 2008 als Profi in seiner Heimat weiter. Sein letzter Verein war NK Primorac Belgrad. © dpa
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Auch Harald Cerny hat eine "rote Vergangenheit", spielte aber nur für zwei Jahre als Profi beim FC Bayern. Von 1995 bis 2007 trug der Österreicher dann den Dress der Sechzger (263 Spiele, 17 Tore). Cerny blieb seinem Verein verbunden und arbeitet heute als U15-Trainer bei 1860. © dpa
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Didier Dheedene spielte nur ein Jahr lang bei den Löwen. Nach 18 Spielen (ein Tor) in der Saison 2001/2002 war dann aber Schluss. Seine Karriere setzte der Defensivspieler bei Austria Wien und Germinal Beerschot fort, wo er seine Karriere 2007 beendete. © dpa

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Fußball-Legenden - das neue Quiz

Hasenstabs öffentlich gewordene E-Mail an die Aufsichtsräte, in der er seine Einsparvorstellungen in Höhe von 2,5 Millionen Euro – bei einem erwarteten Minus von drei Millionen in diesem Geschäftsjahr – näher brachte, hat für große Aufregung gesorgt. Vor allem bei Beeck und Geschäftsführer Stefan Reuter, der Hasenstab nicht für berufen hielt, derartige Vorschläge der Geschäftsführung zu machen. Das sei Angelegenheit des Aufsichtsrats gewesen.

Ein Delegierter, der Hasenstab, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, gut kennt, widerspricht Reuter: „Hasenstabs Brief ging bereits ein paar Wochen vor deren Sitzung an die Aufsichtsräte raus, und es waren eigentlich mehr Gedanken, die zum Aufrütteln gedacht waren.“ Gedanken, die jetzt öffentlich wurden. Und die Reuter ablehnt: „Das Einsparpotenzial bezieht sich zu mehr als 50 Prozent auf den sportlichen Bereich. Das entspricht nicht unseren Plänen.“

Dabei, so der Delegierte, wolle Hasenstab „die Mannschaft gar nicht kaputtsparen, eher im Gegenteil. Aber es gibt Positionen im Profibereich, bei denen man sparen könnte.“ Zum Beispiel im Scoutingbereich, der inklusive Spesen rund 250 000 Euro jährlich verschlingen soll.

Reuter kontra Hasenstab. Zwischen den beiden soll es schon länger nicht mehr funktionieren. Bereits seit Sommer nicht mehr, als sich Hasenstab nach den drei Auftaktniederlagen nach der Telefonnummer eines anderen Trainers erkundigt haben soll.

Auch die Tatsache, dass Präsident Beeck vor einer Woche erzählte, dass er den zum Saisonende auslaufenden Vertrag mit Stefan Reuter verlängern wolle, muss bei Hasenstab Verwunderung hervorgerufen haben. Denn es gibt einen Präsidiumsbeschluss, dass die Personalie Reuter erst im Frühjahr behandelt werden soll. Beeck ist bei diesem Thema mittlerweile auch wieder zurückgerudert.

Am Dienstag Nachmittag kam dann folgende Pressemitteilung aus der Geschäftsstelle „Nach einer Sitzung des gesamten Präsidiums und der Geschäftsführung erklärten Reuter und Hasenstab: „Zwischen Präsidium und Geschäftsführung herrscht völliges Einvernehmen.“

Na dann…

Claudius Mayer

Die Löwen-Führung

Die Löwen-Führung © dpa/sampics/Jantz
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Der Präsident: Rainer Beeck (46), Prokurist der Flughafen München GmbH, Klubmitglied seit Dezember 2005, will Ruhe bei den Löwen reinbringen. Dem Fahrer eines roten (!) Porsches werden Macher-Qualitäten nachgesagt. © sampics
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Der Vize: Michael Hasenstab (38), Volkswirt, selbstständiger Investmentbanker und Enkel des Ex-Löwen-Spielers Adolf Hasenstab. In den letzten zwei Jahren schon beratend tätig. © sampics
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Der EX-Vize: Franz Maget (54), Chef der Münchner SPD und der SPD-Landtagsfraktion. Seit September 2007 Vizepräsident, trug die fristlose Entlassung von Geschäftsführer Stefan Ziffzer mit. © dpa
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Der Geschäftsführer: Stefan Reuter (41), Fußball-Weltmeister 1990. Seit Januar 2006 hauptamtlich bei den Löwen, seit dem Ziffzer-Rauswurf der starke Mann im operativen Geschäft. Muss jetzt seine Klasse beweisen. © dpa
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Der Aufsichtsrats-Boss des Vereins: Prof. Dr. Peter Lutz (51), Rechstanwalt in einer Münchner Kanzlei mit den Schwerpunkten Urheber- und Verlagsrecht, Presse- und Multimediarecht. Seit Dezember 2006 im Amt. © sampics
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Der Aufsichsrats-Boss der KGaA: Christoph Öfele (40), Sachverständiger für geschädigte Kapitalanleger. Seit Dezember 2006 im Amt. Mitglied auf Lebenszeit. © Sigi Jantz
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Der Oberbürgermeister: Christian Ude (60), Mitglied in den Aufsichtsräten von Verein und KGaA. © dpa
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Der EX-Vize-Präsident: Karsten Wettberg, führte die Löwen als Trainer in der Saison 1990/1991 in die zweite Liga und verdiente sich dadurch den Fan-Titel "König von Giesing". © Schlaf
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Der EX-Präsident: Dr. Albrecht von Linde war von März 2007 bis Mai 2008 im Amt. Er musste als Folge der Führungskrise seinen Hut nehmen. © sampics
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Der EX-Geschäftsführer: Dr. Stefan Ziffzer ist am 11. Mai 2008 der Kragen geplatzt. In seiner Wut-Rede am 11. Mai 2008 attackierte er das Präsidium. Das kostete ihn seinen Job. © sampics
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Der Trainer: Marco Kurz. Der Löwen-Coach übernahm den Posten von Walter Schachner. In seiner ersten Trainersaison führte er das Profi-Team auf Platz 8, im zweiten knapp am Abstieg vorbei. © dpa
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Das Maskottchen: Der Löwe steht vor der Geschäftsstelle und ist unverwüstlich, unumstritten, unentlassbar, chaosresistent und der einzige Löwen-Offizielle, dem noch keiner die Schuld am Niedergang gegeben hat. © dpa

Quelle: tz

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