Wahlkampf vor 1860-Delegiertenversammlung

Mayrhofer droht Denkzettel, aber wohl keine Abwahl

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Gerhard Mayrhoferwird wohl mit einem kleinen Denkzettel davonkommen.

München - Richtungsweisende Tage für 1860: Am Sonntag das Spiel gegen den FSV Frankfurt, am Dienstag die Delegiertenversammlung. Gerhard Mayrhofer muss sich wohl keine Sorgen machen.

Am Donnerstag war es auf den Tag genau 15 Jahre her. Am 27. November 1999 beendeten die Löwen durch ein Tor von Thomas Riedl die 22-jährige Sieglosigkeit gegen den FC Bayern. Es war der erste von zwei Derbyerfolgen hintereinander. Bekanntlich quetschte 1860 am Ende jener Saison einen Fuß in die Tür zur Champions League. Viel Pech war in den Hopp-oder-topp-Partien gegen Leeds im Spiel, und wenn man zurückblickt, hat damals bereits der nicht enden wollende Niedergang begonnen.

Aktuell belegen die Löwen in ihrem elften Zweiliga-Jahr den siebtletzten Tabellenplatz, und so bitter es klingt: Nicht mal einen Präsidenten kriegt der Verein pannenfrei hin. Über die Wahl von Gerhard Mayrhofers durch die 1860-Mitglieder wird seit fast eineinhalb Jahren gestritten, an den Stammtischen und in Gerichtssälen. Am Dienstag sollen begangene Formfehler korrigiert werden, doch so, wie es aussieht, wird das wieder nichts. Heinz Veauthier, Widerstandskämpfer im Auftrag des Mitglieds Helmut Kirmaier, hat frühzeitig mitgeteilt, dass auch eine Neuwahl Mayrhofers durch die Delegierten anfechtbar wäre. Inzwischen will der Anwalt sogar gerichtlich erwirken, dass die Veranstaltung gestoppt werden muss. Es ist ein unwürdiges und niveauloses Ränkespiel, das das Klischee des ewigen Chaosvereins bedient, mal wieder.

Aber: Wenige Tage vor der geplanten Versammlung in Taufkirchen (Dienstag, ab 18.30 Uhr) gibt sich das angeschlagene Präsidium kämpferisch. Dem in Ungnade gefallenen Kirmaier wurde per Brief sein Ausschluss aus dem Verein mitgeteilt (weswegen Anwalt Veauthier reflexartig eine weitere Klage ankündigte). Und: Der „Notvorstand“ betreibt Wahlkampf. Am Mittwoch, bei einer Infoversammlung von Pro 1860, das das Gros der 217 Delegierten stellt, zeigten sich Mayrhofer und Verwaltungsratschef Siegfried Schneider der Basis, beantworteten in der Gaststätte des Sechzger-Stadions geduldig die Fragen der kritischen Gefolgschaft. Mit Erfolg offenbar. „Die werden ihn schon wählen“, sagt einer, der besser vernetzt ist als jeder andere im Verein. „Richtig zufrieden mit ihm ist niemand, aber das Kirmaier-Theater will auch keiner haben. Ich denke, dass viele sich enthalten werden, um ihm einen Denkzettel zu verpassen. Aber dass Mayrhofer bei der Wahl durchfällt, steht überhaupt nicht zur Debatte.“

Okotie muss Löwen-Training abbrechen - Bilder

Okotie muss Löwen-Training abbrechen - Bilder

Die Presse war übrigens weder am Mittwoch erwünscht – noch soll sie am Dienstag Zugang zur Versammlung haben. So viel zum Demokratieverständnis des Vereins. Auf der anderen Seite wird natürlich dafür gesorgt, dass sich zumindest die positiven Nachrichten – über mediale Kanäle – verbreiten. 1860 hat in dieser Saison zumindest keine finanziellen Hiobsbotschaften zu befürchten. Die Lizenzauflagen der DFL sind erfüllt worden, heißt es. Jetzt fehlt nur noch ein Heimsieg am Sonntag gegen Frankfurt – und die Stimmung beim Anhang dürfte endgültig von vorweihnachtlicher Milde geprägt sein.

Richtig, kommt es einem da in den Sinn: Fußball wird ja auch noch gespielt. Zum Leidwesen der Löwen steht hinter dem Einsatz von Rubin Oktie ein Fragezeichen. Dem Torjäger vom Dienst macht seit Tagen eine Kapselverletzung im Knie zu schaffen, nach seiner Auszeit am Mittwoch brach er am Donnerstag das Training ab. Einen Leonardo in der Hinterhand zu haben, wäre jetzt gewiss kein Luxus.

von Uli Kellner

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