Löwen-Legende feiert 80. Geburtstag

Weggefährten gratulieren Radi: "Bleib, wie Du bist!

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Kapitän Peter Grosser (M.) und Torwart Petar Radenkovic.

München - Löwen-Legende Petar Radenkovic feiert seinen 80. Geburtstag. In der tz gratulieren die Weggefährten aus der Meistermannschaft von 1966.

Peter Grosser, Kapitän der Meistermannschaft: "Bleib, wie du bist"

Als Spielführer hatte ich hin und wieder große Auseinandersetzungen mit dem Radi, weil er immer mitreden wollte, was unsere Spielanlage anbetraf. Weil er ja der Ansicht war, dass er die meiste Ahnung vom Fußball hätte. Das ging so weit, dass er im Training im Sturm spielte und uns anderen Angreifern Anweisungen gab, wie wir uns bewegen sollten. Irgendwann wollte ich mich bei ihm revanchieren. Bei einem Privatspiel in Starnberg schoss ich beim Stand von 19:0 auf unser Tor, um dem Radi einen reinzuhauen. Aber was macht der? Zeigt eine unglaubliche Parade. Allerdings hat er sich dabei verletzt. Ansonsten war Radi natürlich der größte Showman bei uns. Er wusste, was bei den Leuten ankommt. Deshalb machte er auch absichtlich Fehler, wenn er deutsch sprach. Weil das allen gefiel.

Fredi Heiß: "Dann war der Radi blank…"

Für mich ist der Radi bis heute der beste Torwart, der je in der Bundesliga spielte. Er besaß ein unglaubliches Talent, unsere Abwehr zu organisieren, und war so was von cool, wenn ein Angreifer allein auf ihn zukam. Aber eigentlich sah er sich ja als Feldspieler. Er hielt sich ja auch für einen besseren Rechtsaußen als mich. Dass ich Nationalspieler war, hatte er wohl vergessen. Radis Traum sah so aus: Er stürmt am rechten Flügel auf und davon, spielt alle Gegner aus und legt dann den Ball Rudi Brunnenmeier zum Tor auf. Lustig war auch folgende Episode mit ihm: Der Radi erzählte uns, dass er ein todsicheres System wisse, wie er im Roulette gewinnt. Einmal brachte er dann ins Trainingslager am Deininger Weiher einen Roulettekessel und Chips mit. Der Radi übernahm die Bank und wir anderen Spieler, die keine Ahnung von Roulette hatten, sollten setzen. Taten wir auch, und wir gewannen und gewannen. Am Schluss machten sogar unsere ganz ruhigen Zeitgenossen, der Steiner Rudi und der Zeiser Rudi mit. Das Ende vom Lied: Irgendwann war der Radi blank, hatte kein Geld mehr und warf vor lauter Wut den Roulette-Kessel und die Chips durch die Gegend.

Hans Rebele: Der Verrückte & sein Motorboot

Der Radi fuhr schon ziemlich früh einen ­dicken Mercedes. Und auch noch mit Autotelefon. Damals absolut extravagant. Er kam oft zu spät zum Training, und wenn er da war, blieb er manchmal noch im Auto sitzen und telefonierte. Vor den Augen von Trainer Max Merkel, der schier platzte vor Wut. Aber was sollte er machen? Er brauchte den Radi ja. Auf dem Wasser war es mit den Fahrkünsten unseres Torwarts aber nicht weit her. Ich erinnere mich an einen Urlaub mit ihm in Budva, Montenegro. Wolfgang Fahrian, Timo Konietzka und Zjelko Perusic waren auch dabei. Wir lagen am Strand, als Radis Frau Olga plötzlich aufgeregt auf uns zugelaufen kam. „Stellt euch vor“, rief sie, „der Verrückte hat sich gerade ein Motorboot gekauft. Aus Mahagoniholz, ziemlich teuer. Dabei hat er gar keinen Bootsführerschein.“ Also heuerte der Radi auch noch einen Fachmann an, der das Schifferl steuern durfte, und dann sollten wir seine Fähigkeiten im Wasserski bewundern. Mit meiner Frau auf den Schultern wollte er uns Kunststücke zeigen, aber damit war’s schnell vorbei. Die ganze Nummer spielte sich eher unter Wasser ab.

Manfred Wagner: Blutiger Spaß

Am Abend vor einem Spiel in der letzten Oberliga-Saison 62/63 kam ein Spieler auf die Idee, dem Präsidium im Trainingslager einen Schreck einzujagen. Wir besorgten uns Verbandsmaterial, kippten Tische und Stühle im Aufenthaltsraum um und „verarzteten“ uns gegenseitig. Einigen wurden die Hände eingebunden, andere bekamen jede Menge Pflaster ins Gesicht, und dann rief einer mit tränenerstickter Stimme bei Präsident Adalbert Wetzel an und teilte ihm mit, dass die Partie am Sonntag nicht stattfinden könne, weil sich viele Spieler bei einer Massenschlägerei verletzt hatten. Wetzel war entsetzt. „Ja, wo ist denn der Trainer?“, fragte er. „In den Wald geflohen“, war die Antwort. Wetzel und die Vorstandschaft brausten raus zum Deininger Weiher und wurden mit dem Schlachtfeld konfrontiert. Am lädiertesten sah der Radi aus, der sich eine Mullbinde um den Kopf gewickelt hatte, die mit roter Tinte getränkt war. Wir ließen den Spaß eine Weile laufen, ehe wir die Vorstandsherren aufklärten.

Bernd Patzke: "Geh’ ins Tor!"

Ich kam im Sommer 1964 aus Lüttich zu 1860 und wusste noch nicht, wie der Radi tickt. Bei meinem ersten Spiel lief er auf einmal aus seinem Kasten raus, drehte sich noch zu mir um und rief „Geh’ ins Tor!“, und weg war er in Richtung gegnerische Hälfte. So was hatte ich noch nie erlebt bis dahin.

Jimmy Schmitt: "Radi, der Würger von Giesing"

Ich habe zwar nur drei BundesligaSpiele gemacht, aber dank dem Radi habe ich auch eine Art Berühmtheit erlangt. Es war im September 1967, Heimspiel gegen Kaiserslautern. Nach einem Angriff der Lauterer rette ich im letzten Moment zur Ecke, der Ball ging ganz knapp am Pfosten vorbei. Zwei Wochen vorher hatte ich beim 3:3 gegen Stuttgart ein Eigentor fabriziert, und der Radi dachte wohl, ich wollte ihm schon wieder einen reinhauen. Er ging auf mich zu, fasste mich von hinten am Hals - es tat nicht weh, aber da ich mich befreien wollte und dabei hinfiel, sah das Ganze natürlich schlimmer aus, als es war. Radenkovic war der Buhmann und musste zur Halbzeit in der Kabine bleiben.

tz

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