Lars Bender gibt Winter-Ziel vor

"Wer redet, der trifft"

Jung und erfolgreich: Die Benders freuen sich über das 3:0 in Frankfurt.
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Jung und erfolgreich: Die Benders freuen sich über das 3:0 in Frankfurt.

"Fußball ist Tagesgeschäft" – wer eine aktuelle Bestätigung dieser Binse braucht, dem sei ein Blick auf die "Heute im Stadion"-Homepage empfohlen.

Dort darf zurzeit darüber abgestimmt werden, welcher bayerische Trainer das erste „Opfer“ der Saison sein wird. Aktueller Zwischenstand Sonntag Nachmittag: Jürgen Klinsmann 41,5%, Holger Fach 38,2%, Michael Oenning 13,4%, Marco Kurz 6,9% (siehe http://www.br-online.de/bayern1/heute-im-stadion/ ).

Ja, so schnell kann’s gehen. Vor zwei Wochen, nach dem 0:1 in St.Pauli, schienen die Tage des Löwen-Trainers noch gezählt. Nun, einen Pokalsieg und vier Ligapunkte später, entladen sich die Gewitterwolken ein paar Städte (oder Straßen) entfernt. Löwenkrise? War da was?

FSV Frankfurt - TSV 1860: Die Löwen in der Einzelkritik und weitere Bilder vom Spiel

FSV Frankfurt - TSV 1860: Die Löwen in der Einzelkritik und weitere Bilder vom Spiel © 
Tschauner: Hatte zweimal viel Glück, als er den Ball mit dem Fuß spielen musste. Ansonsten aber fehlerfrei, wenn auch wenig geprüft. Note: 3 © fishing4
Johnson: Erst mehr als solide in der Verteidigung, sein Mut, einfach mal draufzuhalten, wurde mit dem 1:0 belohnt. Und dann legte er auch noch das 2:0 auf. Note: 2 © fishing4
Ghvinianidze: Wenn er den Ball klären musste, dann tat er das kompromisslos. Hin und wieder ein bisschen Fußball wäre aber auch schön. Note: 3 © Sampics
Berhalter: Gutes Stellungsspiel, spielte seine ganze Cleverness und Routine aus. Note: 2 © fishing4
Benny Schwarz: Hätte auf der linken Seite vielleicht noch mehr nach vorne tun können und sollen. Beide den Standards etwas unglücklich. Note: 3 © fishing4
Gebhart: Sehr agil, viele gelungene Aktionen nach vorne. Und sein Treffer zum 2:0 war einfach traumhaft. Note: 2 © fishing4
Ab der 70. Minute: Kucukovic. Ohne Bewertung © fishing4
Beda: Unauffällig, hielt im defensiven Mittelfeld den Laden zusammen. Note: 3 © dpa
Lars Bender: 50. Pflichtspiel. Der 19-Jährige agierte schon sehr abgeklärt – in der Rückwärtsbewegung fehlerlos. Und dann beschenkte er sich bei seinem Jubiläumspiel auch noch mit dem Tor zum 3:0-Endstand. Note: 2 © fishing4
Sven Bender: Bissig, zweikampfstark, eroberte viele Bälle – ein gelungener Auftritt. Note: 2 © fishing4
Lauth: Lief viel, bemühte sich – aber es wollte ihm wieder kein Tor gelingen. Der nicht ganz fitte Ersatzkapitän musste dann auch früher runter. Note: 3 © Sampics
Ab der 70. Minute: Holebas. Ohne Bewertung © Sampics
Schäffler: In einigen Szenen zu eigensinnig. Wollte sein erstes Zweitliga-Tor erzwingen. Auch er musste früher raus. Note: 4 © fishing4
Ab der 70. Minute: Di Salvo. Ohne Bewertung © Sampics
Sven Bender kopfballstark. © fishing4
Chaos vor dem Löwen-Tor, doch Keeper Tschauer hielt seinen Kasten sauber. © fishing4
Timo Gebhart zeigte eine starke Leistung, nicht nur wegen seines Traumtores. © fishing4
Gebharts Schuss zum 0:2 ist für FSV-Keeper Klandt unhaltbar. © fishing4
Symbolträchtiger Jubel: Gebhart feierte seinen Treffer auch mit Trainer Marco Kurz. © fishing4
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Manuel Schäffler verletzte sich leicht und musste vorsorglich ausgewechselt werden. © fishing4
Keeper Tschauner in Aktion. © fishing4
Zwillingsjubel: Lars und Sven freuen sich. © fishing4

„Wer mich kennt, der weiß, dass ich jetzt nicht anfange, in Euphorie zu verfallen“, ordnet Kurz die Dinge mit gebotener Sachlichkeit ein. Die Mannschaft freilich durfte am Samstagabend schon ein bisserl feiern. „Wir waren im Hackerzelt und danach noch beim Kufler im Weinzelt“, erzählte Ersatzkeeper Michael Hofmann. „Man hat schon gemerkt, dass eine gewisse Befreiung da ist. Aber jeder weiß, dass die Lage noch lange nicht so ist, wie wir uns das vorstellen. Sieben Punkte in sieben Spielen. Da muss schon noch mehr kommen.“

Für Hofmann selbst geriet schon Timo Gebharts Traumtor zum 2:0 in Frankfurt zur akuten Gesundheitsgefahr. „Ich war die Woche über ein bissel krank. Beim Tor hat sich dann mein Kreislauf kurzzeitig verabschiedet“, sagte der Keeper. „Im Fernsehen hieß es ja, ich hätte mir den Kopf an der Trainerbank angeschlagen – das stimmt so nicht.“ Wäre also auch das geklärt.

Die elf letzten Löwen-Trainer - und was sie heute machen

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39 Trainer waren beim TSV 1860 seit der Bundesliga-Gründung im Amt. Wir zeigen Ihnen die letzten elf - und was aus ihnen geworden ist. Karsten Wettberg (im Amt von 21.2.1990 - 31.5.1992): Der "König von Giesing" blieb mit den Löwen 54 Spiele in Folge ungeschlagen und führte 1860 in die zweite Liga. Eine Spielzeit später wurde er entlassen, weil der Abstieg drohte. Doch er ist dem Verein treu geblieben (Foto von 2006). © sampics
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Im April 2009 hat er überraschend einen Trainerposten beim Bayernligisten SV Seligenporten übernommen. © sampics
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Edmund Stöhr (1.6.1992 - 30.6.1992): Co-Trainer "Edi" Stöhr übernahm das Zepter von Wettberg - blieb aber nur einen Monat hauptverantwortlich im Amt. © tz-Archiv
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Er arbeitete danach weiter als Trainer - bei den Stuttgarter Kickers, Austria Lustenau (Österreich), Sachsen Leipzig sowie als Assistenzcoach im Katar. Zudem war er als Scout für Hertha BSC und den VfL Wolfsburg tätig. Seit Dezember 2007 coacht Stöhr den Landesligisten Berliner SC und betreut neben der ersten Herren-Mannschaft auch den Nachwuchsbereich. © tz-Archiv
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Werner Lorant (1.7.1992 - 17.10.2001): Bei den Löwen prägte "Werner Beinhart" (Foto von 1996) eine ganze Ära, führte 1860 von der Bayernliga ins Oberhaus. Unter Lorant schafften es die Löwen in den UEFA-Cup und durften an der Champions-League-Qualifikation teilnehmen. Die Ära Lorant endete erst nach über neun Jahren. © dpa
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Nach Stationen in unter anderem Zypern, der Türkei, Unterhaching und beim Münchner Bezirksligisten Ata Spor war der Wandervogel zuletzt in der Slowakei. Vom Erstligisten Dunajská Streda hat er sich im April "in beiderseitigem Einvernehmen" getrennt. © Kruse
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Peter Pacult (18.10.2001 - 12.03.2003): Der Österreicher spielte von 1993 bis 1995 bei den Löwen, assistierte nach seinem Karriereende Werner Lorant und stieg nach dessen Abschied zum Cheftrainer auf. Trotz Stars wie Martin Max oder Thomas Häßler konnte er nicht an die Erfolge der Lorant-Amtszeit anknüpfen. © dpa
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2005 feierte er eine triumphale Rückkehr nach München: Bei der Generalprobe vor der Eröffnung erzielte Pacult das erste Tor überhaupt in der Allianz Arena. Heute trainiert er Rapid Wien, den Rekordmeister seiner Heimatnation Österreich. © dpa
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Falko Götz (12.03.2003 - 17.04.2004): Der in Berlin aufgewachsene Ex-Fußballer startete gut in sein Traineramt, dann gerieten die Löwen jedoch in den Abstiegsstrudel. Nach einem Jahr Amtszeit wurde Falko Götz vor die Tür gesetzt. © dpa
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Heute coacht Götz den Regionalligisten Holstein Kiel. © dpa
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Gerald Vanenburg (18.04.2004 - 30.06.2004): Der Niederländer übernahm die Zügel von Falko Götz, konnte jedoch den Abstieg in die 2. Bundesliga auch nicht mehr verhindern. Nach gut zwei Monaten räumte er wieder seinen Stuhl. © dpa
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Bis März 2008 coachte Vanenburg den niederländischen Zweitligisten FC Eindhoven. © dpa
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Rudi Bommer (01.07.2004 - 05.12.2004): Der gebürtige Aschaffenburger feierte ein kurzes Intermezzo bei den Löwen: Nach nicht mal einem halben Jahr lautete die Diagnose der Löwen-Ärzte "Chronische Erfolglosigkeit" - sie wiesen ihm die Tür. © dpa
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Nach einem rund zweieinhalbjährigen Trainer-Intermezzo beim MSV Duisburg ist Bommer seit dem 9. November 2008 auf Jobsuche. © dpa
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Reiner Maurer (06.12.2004 - 23.01.2006): Legt man Punkte pro Spiel als Maßstab an, war Maurer sogar erfolgreicher als Lorant. Dennoch musste Maurer gehen, als Viertplatzierter in der 2. Bundesliga. © dpa
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Heute trainiert Maurer den griechischen Zweitliga-Aufsteiger AO Kavala © dpa
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Walter Schachner (24.01.2006 - 18.03.2007): An "Schoko" verschluckten sich die Löwen. Der renommierte Österreicher konnte nie umsetzen, was sich die Sechzger von ihm versprochen hatten. © dpa
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Heute arbeitet Schachner wieder in seiner Heimat und trainiert den österreichischen Zweitligisten Admira Wacker. © dpa
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Marco Kurz war bis zum 24. Februar 2009 Trainer des TSV 1860 München. © dpa
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Ab der Saison 2009/2010 coacht Kurz den Ligakonkurrenten 1. FC Kaiserslautern. © sampics
Der zweite Löwen-Coach der Saison 2008/2009 musste bereits nach knapp drei Monaten wieder gehen: Uwe Wolf wurde am 13. Mai 2009 entlassen. © Sampics
Bitter für ihn, hatte er doch knapp eine Woche zuvor seine Katja geheiratet. Wenigstens hatte Wolf so Zeit für Flitterwochen. © Sampics

Doch wie geht’s nun weiter beim TSV 1860? Wird der verletzungsbedingt verschärfte Jugendkurs beibehalten? In Frankfurt standen mit Benny Lauth, Mathieu Beda und Gregg Berhalter nur drei Profis über 23 in der Startelf. Zudem durfte in den letzten 20 Minuten nach Lauths Auswechslung mit Lars Bender (19) der jüngste Spieler der blauen Historie die Kapitänsbinde überstreifen. „Dass Lars die Binde bekommen hat, war schon ein kleines Signal. Er ist eine absolute Stammkraft,“ sagte Kurz.

Und als solche darf er neuerdings auch öffentlich reden. „Es war der Schritt in die richtige Richtung, den wir gebraucht haben. Auch spielerisch war was erkennbar“, befand der Juniorchef („Man weiß nie, was die Zukunft bringt, aber im nächsten Jahr will ich noch bei den Löwen spielen“) und gab gleich das Ziel für die restlichen zehn Spiele bis zur Weihnachtspause vor: „Wenn wir 20 Punkte bis zum Winter hätten, wär’s super.“

Auch weiteren Bender-Toren steht jetzt nichts mehr im Weg – verspricht zumindest Lars augenzwinkernd: „Man hat’s ja gesehen: Kaum darf ich reden und kaum krieg ich die Binde, schon klappt’s mit dem Toreschießen.“

Quelle: tz

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