Er macht sich große Sorgen um seine Löwen

Lorant: "1860-Team ungeeignet für Abstiegskampf"

+
Werner Lorant.

München - Nicht nur Werner Lorant hat die Befürchtung, dass der TSV 1860 nach 22 Jahren im kommenden Sommer wieder in der Drittklassigkeit landet. Die tz fragte beim Ex-Löwen-Trainer nach.

Am 13. Juni 1993 hatte Werner Lorant den TSV 1860 durch ein 1:1 gegen den SSV Ulm aus der Drittklassigkeit in die Zweite Liga geführt. Eine Klasse, die die Löwen seither nie mehr verlassen haben, es sei denn eine Stufe nach oben. Jetzt aber treibt nicht nur Werner Lorant die Befürchtung um, dass der TSV 1860 nach 22 Jahren im kommenden Sommer wieder dort landet, woraus er den Traditionsklub einst erlöst hat: in der Drittklasssigkeit. Auf seiner Facebook-Seite meldete sich Lorant vor Kurzem besorgt zu Wort, nachdem er in der Allianz Arena Augenzeuge der 0:1-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf geworden war: „Es ist verdammt traurig, so ein Heimspiel zu sehen.… Und dann noch zu glauben, sie wären die Besseren gewesen… Ich verstehe es nicht… Die armen Fans…“ Die tz fragte bei Lorant nach.

Herr Lorant, wie beurteilen Sie die Situation bei 1860, das mit zwölf Zählern punktgleich mit dem Vorletzten dasteht? 

Werner Lorant: Die kommenden zwei Spiele in Berlin und gegen Frankfurt sind ganz entscheidend. Wenn die auch danebengehen, dann weiß man, wo der Weg hingeht: nach unten.

Und dann?

Werner Lorant: Dann habe ich wenig Hoffnung. Dann ist die Gefahr groß, dass es auch am Ende nach unten geht. Denn diese Mannschaft ist von der Mentalität her für einen Abstiegskampf nicht geeignet.

Stellt sich dann auch die Trainerfrage? Markus von Ahlen hat von den letzten sechs Spielen fünf verloren.

Werner Lorant: Weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass man nicht jedes Jahr drei Trainer beschäftigen kann.

Wer wäre denn der ideale Trainer für 1860?

Werner Lorant: Da kenne ich nur einen… Nee, Quatsch. Aber vom Typ her müsste es so einer sein wie ich. Ich hätte in der jetzigen Situation nicht zweieinhalb Tage freigegeben. Nicht um die Spieler zu strafen, sondern damit sie merken, dass es so nicht weitergeht.

Die Vereinsführung erklärt, dass man auf einem guten Weg sei.

Werner Lorant: So ein Spiel wie gegen Düsseldorf kann ich doch nicht schönreden. Eine Torchance in 90 Minuten, kein Tempo, kein Flügelspiel, niemand, der im Mittelfeld Druck macht, nichts Einstudiertes – das ist zu wenig. Die Mannschaft ist gar nicht in der Lage, mal ein Spiel zu drehen.

Was halten Sie von der Aussage von von Ahlen, er habe damit gerechnet, dass Düsseldorf das Spiel taktisch anders angehen werde?

Werner Lorant: Im Fußball musst du mit allem rechnen – und sofort reagieren. Ich komme jetzt mal wieder mit früher. Als ich Trainer bei 1860 war, da musste es gleich mal in den ersten zwanzig Minuten rauschen. Wir waren total aggressiv. Und das sollte die jetzige Mannschaft sich mal zu Herzen nehmen. Einfach mal böse sein auf dem Platz.

Jetzt hat 1860 aber noch das Glück, in Rubin Okotie einen erfolgreichen Goalgetter unter Vertrag zu haben. Warum kommt trotzdem so wenig dabei raus?

Werner Lorant: Der Okotie ist ein Strafraumspieler. Er könnte noch viel mehr Treffer auf dem Konto haben, wenn er mehr Anspiele bekommen würde. Und nicht nur drei in 90 Minuten.

Alle Löwen-Trainer seit Werner Lorant

Alle Löwen-Trainer seit Werner Lorant

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsspieler in der jetzigen Mannschaft?

Werner Lorant: Ja, den Leonardo. Der gefällt mir…

…spielt aber kaum.

Werner Lorant: Wenn dieser Mann mit seinen fußballerischen Möglichkeiten nicht spielt, nur weil er nicht laufen will, dann muss ich ihm das beibringen. Und die Mitspieler müssen ihm defensiv zur Seite stehen. Was Leonardo kann, das kann kein anderer in diesem Kader. Mich erinnert er vom Spielertyp her an Peter Nowak. Aber er muss auch Tempo gehen. Will oder kann er das nicht, dann muss er sich einen neuen Verein suchen. Auf der Bank brauche ich ihn auch nicht. Da nimmt er nur jungen Spielern den Platz weg.

Sie sprachen von den armen Fans. Aber zuletzt feierten sie die Mannschaft auch nach Niederlagen. Was halten Sie davon?

Werner Lorant: Das hätte es früher nicht gegeben. Manche Fans sind mittlerweile offenbar mit wenig zufrieden. Ich kann mich erinnern dass wir im Aufstiegsjahr 1994 nach einem Heimsieg ausgepfiffen wurden, nachdem wir schlecht gespielt hatten…

tz

Auch interessant

Meistgelesen

Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert
So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert
Nach Korb im Sommer: Ärgert Mölders die Bayern ein zweites Mal?
Nach Korb im Sommer: Ärgert Mölders die Bayern ein zweites Mal?
Jan Mauersberger und Nicolas Feldhahn: Ja, es ist ein Derby!
Jan Mauersberger und Nicolas Feldhahn: Ja, es ist ein Derby!

Kommentare