Erhoffte Rückkehr in den Profifußball

Vergängliches Idyll: Wie lange bleibt das Grünwalder Stadion Heimat der Löwen?

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Altehrwürdiger Tempel: Der TSV 1860 empfängt den FC Pipinsried zum Heimspiel im Grünwalder Stadion.

Rentner erleben ihren zweiten Frühling, die Euphorie der jugendlichen Anhänger ist schier grenzenlos - mit der Rückkehr ins Grünwalder Stadion hat der TSV 1860 ein Stück Heimat zurückgewonnen. Doch was passiert eigentlich, wenn der Münchner Traditionsklub in den Profifußball zurückkehrt?

Der TSV 1860 boomt! Anders kann man die Entwicklung, die die Löwen seit dem Zwangsabstieg in die vierte Liga durchleben, kaum beschreiben. Anfang Oktober stand der Traditionsklub bei fast 22.000 eingetragenen Mitgliedern und belegt damit unter den deutschen Fußballklubs einen sensationellen zwölften Rang - und das als Regionalligist!

Mit der Rückkehr zu seinen Wurzeln hat der Klub ein ganzes Stadtviertel wieder für sich entdeckt. Die aktive Fanszene will Giesing nach ihren Vorstellungen gestalten - und wehrt sich medienwirksam gegen umstrittene Modernisierungsmaßnahmen. Jeden Freitagabend etwa beteiligen sich Löwen-Anhänger an einer Mahnwache an der Ruine des illegal abgerissenen Uhrmacherhäusls. 

Was passiert im Falle eines Aufstiegs?

In der Liga steht die Elf von Übungsleiter Daniel Bierofka mit neun Punkten Vorsprung unangefochten auf Rang 1, die Selbstzerfleischungsprozesse wechselnder Funktionäre, die das landesweite Bild des Traditionsklubs in den vergangenen Jahren prägten, bleiben aus. Alles scheint perfekt. Ein Bericht der Süddeutschen Zeitung hat nun allerdings die Frage aufgeworfen, was passiert, wenn die Löwen in den Profifußball zurückkehren.

Über 30 Fanbusse rangieren mitunter auf der Candidstraße, wenn die Elf von Trainer Daniel Bierofka zu Heimspielen in der Regionalliga Bayern bittet. Das Stadion mit 12.500 Zuschauern ist stets ausverkauft. Auch beim Derby am Sonntag (wir berichten im Live-Ticker) wird ein voll besetzter Hexenkessel erwartet. Doch was ausreicht, wenn Dorfvereine wie der FC Pipinsried aus dem Dachauer Hinterland oder der Passauer Stadtteilklub SV Schalding-Heining mit ihrer Anhängerschaft anreisen, könnte im Falle eines Aufstiegs Probleme bereiten.

Ist Giesing zu klein für diese Welt?

„Die jungen Burschen haben ihre Freude, auch mir gefällt es gerade. Aber was kommt dann“, frägt Allesfahrer und Klub-Legende Franz Hell. Denn dass die Löwen früher oder später in den Profifußball zurückkehren müssen, dürfte auch dem romantischsten Anhänger klar sein. In dieser Saison könnte es mit dem Aufstieg in die 3. Liga schon klappen, mittelfristig ist die Rückkehr in die 2. Bundesliga das Ziel. Was geschieht, wenn in naher Zukunft Vereine wie der 1. FC Nürnberg oder Fortuna Düsseldorf im Grünwalder Stadion gastieren sollten? Ist Giesing zu klein für diese Welt?

Sollte der TSV 1860 eines Tages auf die große Fußballbühne zurückkehren, müssten weitreichende Änderungen vorgenommen werden. So wie sich das Grünwalder Stadions heute präsentiert, können dort keine Bundesliga-Heimspiele ausgetragen werden. Selbst für Partien in der Regionalliga können einige Anforderungen des Verbandes nur mit Mühe erfüllt werden. Einem ordnungsgemäßen Umbau des Löwen-Tempels müssen wohl eher geringe Chancen eingeräumt werden. Auch ein Umzug ins altehrwürdige Olympiastadion, das den Anforderungen des Profifußballs längst nicht mehr genügt, scheint unrealistisch. Bleibt die Möglichkeit eine komplett neue Heimstätte zu errichten. Entsprechende Pläne waren bereits mit der Stadtverwaltung verhandelt worden.

Vorbildliches Verhalten der Fans

Doch noch ist der TSV 1860 nicht aufgestiegen, mindestens bis zum nächsten Sommer dürfen die Löwen-Anhänger den Mythos Regionalliga im Grünwalder Stadion genießen. Das tun sie ganz vorbildlich, wie die Münchner Polizei lobt. Die vor Saisonbeginn von den Fans auferlegte Selbstverpflichtung hat dazu geführt, dass Randale um die Heimspiele der Bierofka-Elf bisher ausblieben. Beim emotionsgeladenen Derby am Sonntag dürfen sich die Anhänger wieder von ihrer besten Seite zeigen.

lks

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