Krisen-Löwen schlecht wie nie

"Wir haben alles falsch gemacht" - heute droht Rang 18

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Valdet Rama (l.) spielt den Ball an Düsseldorfs Christian Strohdiek (r.) vorbei.

Düsseldorf – Die Löwen gehen in Düsseldorf unter, Rubin Okotie geht vorübergehend k.o. – und erste Krisensymptome treten beim TSV 1860 auf.

Aus Sicht des TSV 1860 gab es die beste Nachricht, als der trostlose Auftritt bei Fortuna Düsseldorf längst in Altbierkneipen oder auf der Autobahn Richtung München verarbeitet wurde. Rubin Okotie ist wohlauf, meldete die Pressestelle der 0:3 (0:2) unterlegenen Löwen. Kein Schädeltrauma nach seinem K.o., wohl kein längerer Ausfall.

Ein Zusammenprall mit Fortuna-Torwart Michael Rensing hatte in der 74. Minute für bange Momente in der Esprit-Arena gesorgt. Okotie, am Sonntag nur Einwechselstürmer, sackte fünf Minuten nach dem Zwischenfall zusammen, ohne Einwirkung eines Gegenspielers. Sanitäter rannten auf den Platz und holten den Österreicher zurück ins Bewusstsein, ehe er in die Uniklinik gebracht wurde. Die Nachricht, die später am Nachmittag folgte, war daher eine Erlösung. Die Bilder, die der Computertomograph lieferte, seien „unauffällig gewesen“, hieß es. Okotie konnte zusammen mit Teamarzt Dr. Mathonia zurück nach München fahren.

Und der Patient 1860? Dem geht es schlechter, als nach einer Reihe ansprechender, aber weitgehend ertragloser Auftritte anzunehmen war. Tabellenplatz 17, nach wie vor ohne Sieg, mit nur zwei eigenen Treffern – all das Minusrekorde. Nie in den zurückliegenden vier Jahrzehnten waren die Löwen schlechter in eine Saison gestartet. Und das Besorgniserregende aus Münchner Sicht: In Düsseldorf spielten die Blauen auch so harmlos, wie es ihr Tabellenplatz vermuten lässt.

„Wir haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, sagte Kai Bülow, der selber bei den Gegentoren von Ihlas Bebou (9.) und Didier Ya Konan (30., 66.) nicht viel richtig gemacht hatte: „Wir haben viel zu ängstlich gespielt, viel zu fehlerhaft, sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Dass wir aggressiv sind, die Gegner anlaufen – all das haben wir heute nicht gemacht.“ Der mit Pfiffen empfangene Ex-Fortune Michael Liendl bilanzierte: „Es war ein gebrauchter Tag.“

Auch für ihn selber. Eine schöne Flanke auf Rama (5.) in der beschwingten Anfangsphase der Löwen, ein Beinschuss gegen den bärenstarken Axel Bellinghausen (gab die Flanken zu 1:0 und 2:0) – mehr hatte der Österreicher nicht zu bieten. Wie schon in Bochum holte Torsten Fröhling den neuen Spielmacher vorzeitig vom Feld. Kerem Demiray, 22, den die Düsseldorfer als Liendl-Ersatz geholt hatten, machte dagegen ein überaus inspiriertes Spiel.

Als Fröhling zur Pause Okotie und Jungstar Marius Wolf brachte, war die Partie fast schon gelaufen. „Wir haben zum richtigen Zeitpunkt zugebissen“, sagte Düsseldorfs Trainer Frank Kramer, der selber Monate auf seinen ersten Sieg gewartet hatte. Seine Analyse ergab, dass die Fortuna einen „unbändigen Willen“ gezeigt habe. Und 1860? Keiner außer Maxi Wittek, Daylon Claasen und dem mehrfach geprüften Vitus Eicher erreichte Normalform, warum auch immer. Zweimal rettete zudem der Pfosten für 1860 (Ya Konan/ 49. und Sararer/58.). Ohne Weiteres wäre gestern auch eine höhere Niederlage möglich gewesen – wenngleich Fröhling die Krisensymptome nicht sehen will. „Die Löwen-Fans müssen sich keine Sorgen machen“, sagte er bei Sky: „Wir haben gesagt, dass auch irgendwann mal ein schlechtes Spiel kommt. Das war heute nicht unser bestes Spiel, das muss man ganz klar sagen. Wir haben den Gegner stark gemacht. Erstens, weil wir kein Tor erzielen. Zweitens, weil wir zu viele einfache Fehler machen.“

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Der Realist Fröhling weiß, „dass wir uns solche Spiele nicht oft erlauben dürfen“. Schon nach sechs Spielen ist die Stimmung im Keller, die Konsolidierungssaison in akuter Gefahr – und allen guten Vorsätzen zum Trotz dürfte es nun auch Diskussionen um das Wirken des im Vorjahr gefeierten Trainers geben. Die mit etlichen Folklorenummern gespickte Woche vor der Wiesn und dem FCK-Heimspiel hatten sich die Löwen anders vorgestellt. Am Samstag ab 13 Uhr, kurz nach dem Ozapfen, geht es für Fröhlings Mannschaft bereits um sehr, sehr viel.

von Uli Kellner

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