Vom Sündenbock zum Stabilisator: Abwehrchef Berhalter greift an

"Wir stecken noch im Loch!"

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Hart gegen sich und den Gegner: 1860-Verteidiger Gregg Berhalter (hier gegen Duisburgs Kouemaha) hat sein Formtief überwunden

Was musste sich Gregg Berhalter nicht alles anhören. Zu langsam sei er, zu alt mit seinen 35 Jahren, ein Auslaufmodell in der Zweiten Liga.

Nach dem 1:2 gegen Mainz, seinem fatalen Stellungsfehler vor dem ersten Gegentor, machte ihm ein zweieinhalb Zentner schwerer Trainingskiebitz sogar seine Herkunft zum Vorwurf. „Ein Amerikaner sollte nicht Fußball spielen!“, brüllte der Mann. Berhalters Reaktion: Schweigen – und weitergehen.

Sieben Wochen ist das jetzt her. Und mittlerweile zerreißt sich kein Kiebitz mehr das Maul über Berhalter. Der Grund: In den letzten fünf Pflichtspielen kassierten die Löwen gerade mal zwei Tore; mit acht Gegentreffern stellen sie hinter Freiburg (5) statistisch gesehen die zweitbeste Abwehr der Liga. Und einer der Garanten dafür heißt: Gregg Berhalter.

„Er ist der Spieler, der hinten die Organisation hat“, sagt Trainer und Ex-Abwehrchef Marco Kurz. „An Greggs professioneller Einstellung, an seinem Willen können sich viele junge Spieler ein Beispiel nehmen.“

Und an seinem Umgang mit Kritik.

Kurz: „Gregg ist keiner, der sich ins Schneckenhaus verkriecht, im Gegenteil: Er geht mit Leistung voran. So stelle ich mir einen Profi vor.“

Berhalter schmeichelt die Anerkennung des Trainers. Aber er weiß halt auch, wie das Profi-Geschäft läuft. „Ich habe in all den Jahren gelernt, mit Fehlern umzugehen“, sagt er. „Du darfst nicht einfach drüber weggehen, du musst dir schon genau anschauen, was du gemacht hast. Aber spätestens in der Endphase der Vorbereitung aufs nächste Spiel muss Schluss damit sein. Dann musst du Leistung bringen. Damit kannst du alles lösen in diesem Geschäft.“

Auch die schwere Aufgabe gegen Fürth am übernächsten Sonntag? „Da bin ich besonders motiviert“, sagt Berhalter. „Ich habe in München jetzt zweimal 0:3 gegen die verloren, das muss sich ändern. Wir waren nach dem Saisonstart in einem tiefen Loch, jetzt kommen wir langsam raus. Aber noch haben wir’s nicht geschafft.“

Eine realistische Einschätzung bei sieben Punkten aus sieben Spielen. Berhalters ambitioniertes Ziel: „Mit 24 bis 30 Punkten zum Winter wäre ich zufrieden.“

Bleibt die Frage nach seiner persönlichen Zukunft. Der Vertrag läuft zum Saisonende aus, eine Rückkehr in die USA, ein Karriereausklang in der Major League Soccer (MLS) ist eine ernsthafte Option. „Ich habe Kontakte dorthin“, sagt Berhalter, „aber bis zum Winter halte ich mir alles offen. Ich bin fit. Vielleicht kann ich auch noch ein Jahr bei 1860 spielen.“

FSV Frankfurt - TSV 1860: Die Löwen in der Einzelkritik und weitere Bilder vom Spiel

FSV Frankfurt - TSV 1860: Die Löwen in der Einzelkritik und weitere Bilder vom Spiel © 
Tschauner: Hatte zweimal viel Glück, als er den Ball mit dem Fuß spielen musste. Ansonsten aber fehlerfrei, wenn auch wenig geprüft. Note: 3 © fishing4
Johnson: Erst mehr als solide in der Verteidigung, sein Mut, einfach mal draufzuhalten, wurde mit dem 1:0 belohnt. Und dann legte er auch noch das 2:0 auf. Note: 2 © fishing4
Ghvinianidze: Wenn er den Ball klären musste, dann tat er das kompromisslos. Hin und wieder ein bisschen Fußball wäre aber auch schön. Note: 3 © Sampics
Berhalter: Gutes Stellungsspiel, spielte seine ganze Cleverness und Routine aus. Note: 2 © fishing4
Benny Schwarz: Hätte auf der linken Seite vielleicht noch mehr nach vorne tun können und sollen. Beide den Standards etwas unglücklich. Note: 3 © fishing4
Gebhart: Sehr agil, viele gelungene Aktionen nach vorne. Und sein Treffer zum 2:0 war einfach traumhaft. Note: 2 © fishing4
Ab der 70. Minute: Kucukovic. Ohne Bewertung © fishing4
Beda: Unauffällig, hielt im defensiven Mittelfeld den Laden zusammen. Note: 3 © dpa
Lars Bender: 50. Pflichtspiel. Der 19-Jährige agierte schon sehr abgeklärt – in der Rückwärtsbewegung fehlerlos. Und dann beschenkte er sich bei seinem Jubiläumspiel auch noch mit dem Tor zum 3:0-Endstand. Note: 2 © fishing4
Sven Bender: Bissig, zweikampfstark, eroberte viele Bälle – ein gelungener Auftritt. Note: 2 © fishing4
Lauth: Lief viel, bemühte sich – aber es wollte ihm wieder kein Tor gelingen. Der nicht ganz fitte Ersatzkapitän musste dann auch früher runter. Note: 3 © Sampics
Ab der 70. Minute: Holebas. Ohne Bewertung © Sampics
Schäffler: In einigen Szenen zu eigensinnig. Wollte sein erstes Zweitliga-Tor erzwingen. Auch er musste früher raus. Note: 4 © fishing4
Ab der 70. Minute: Di Salvo. Ohne Bewertung © Sampics
Sven Bender kopfballstark. © fishing4
Chaos vor dem Löwen-Tor, doch Keeper Tschauer hielt seinen Kasten sauber. © fishing4
Timo Gebhart zeigte eine starke Leistung, nicht nur wegen seines Traumtores. © fishing4
Gebharts Schuss zum 0:2 ist für FSV-Keeper Klandt unhaltbar. © fishing4
Symbolträchtiger Jubel: Gebhart feierte seinen Treffer auch mit Trainer Marco Kurz. © fishing4
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Manuel Schäffler verletzte sich leicht und musste vorsorglich ausgewechselt werden. © fishing4
Keeper Tschauner in Aktion. © fishing4
Zwillingsjubel: Lars und Sven freuen sich. © fishing4

Quelle: tz

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