Weigl, Reuter & Co.

Der Löwen-Fluch: Kaum waren sie weg, hatten diese Ex-60er Erfolg

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Einer von vier Protagonisten, die anderswo mehr Erfolg haben als bei den Löwen: Stefan Reuter.

München - Stefan Reuter, Robert Schäfer, Ewald Lienen und Julian Weigl hatten beim TSV 1860 München alle mäßigen Erfolg. Nach ihrem Wechsel zu anderen Vereinen lief es besser. Ein Vergleich zu ihrer Zeit bei den Löwen. 

Stefan Reuter, Robert Schäfer, Ewald Lienen und Julian Weigl sind alle in unterschiedlichen Positionen tätig. Aber eines haben sie gemeinsam: sie arbeiteten einst alle für den TSV 1860 München. Doch bei den Löwen hatten sie alle nur mäßigen Erfolg, während es bei ihrem aktuellen Arbeitgeber deutlich besser läuft. Ein Vergleich.

Stefan Reuter, Geschäftsführer Sport

Stefan Reuter war als Profi unter anderem aktiv für den 1. FC Nürnberg, den FC Bayern und zwölf Jahre für Borussia Dortmund. Im Januar 2006 trat er sein Amt als Geschäftsführer mit dem Aufgabenbereich Sport an der Grünwalder Straße an. 

In dieser Zeit waren die Löwen sowohl sportlich als auch finanziell bedroht. Ende April 2006 rettete der FC Bayern Sechzig vor der Insolvenz, indem die Löwen ihre Anteile an der Allianz Arena für elf Millionen Euro an den Stadtrivalen verkauften.

In der selben Saison gerieten die Löwen zudem in Abstiegsgefahr, konnten aber am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt sichern. Unter Reuter erreichte „Münchens große Liebe“ zwar wieder eine stabile Wirtschaftslage, der Wiederaufstieg in die Bundesliga gelang jedoch nicht.

Im Gegenteil: 2008 musste erneut kurz vor Ende der Saison der Klassenerhalt gesichert werden. Im Januar 2009 wurde Stefan Reuter als Geschäftsführer Sport beurlaubt. 

Am 27. Dezember 2012 wurde Reuter dann beim FC Augsburg vorgestellt. Mit dem neuen Trainer Markus Weinzierl stand der FCA nur auf Platz 17 am Ende der Hinrunde. Doch Reuter verpflichtete mit André Hahn und Dong-won Ji zwei absolute Leistungsträger, und Augsburg konnte am letzten Spieltag den Klassenerhalt sicherstellen. In den folgenden Jahren ging es immer weiter bergauf.

2014 verpassten die Fuggerstädter mit Platz 8 nur knapp den Europapokal. Ein Jahr später aber konnte mit Rang 5 die beste Platzierung in der Geschichte des FC Augsburg in der Bundesliga erreicht werden, und die Schwaben qualifizierten sich zum ersten Mal überhaupt für die Europa League. 

Auch Rekordtransfers wurden unter Reuter getätigt. Der junge Abdul Rahman Baba wurde im Sommer 2015 für 25 Millionen an den FC Chelsea verkauft. Am Ende der Gruppenphase der Europa League schafften die Augsburger überraschend durch einen 3:1-Sieg in Belgrad den Einzug in die K.o.-Runde. Dort trifft man auf den FC Liverpool. 

Unter Stefan Reuter und Trainer Markus Weinzierl hat sich der FC Augsburg von einem Abstiegskandidaten zu einem Europapokal-Teilnehmer entwickelt.  

Bei den Löwen sorgte Reuter zwar auch für eine stabile Wirtschaftslage, in sportlichen Erfolg ließ sich das aber nicht ummünzen. Junge Talente konnten aufgrund der finanziellen Not nicht lang genug gehalten werden, um sich beim TSV schon zu absoluten Leistungsträgern zu entwickeln. Auch weil vielleicht nie der richtige Trainer gefunden wurde. 

Robert Schäfer, Geschäftsführer kaufmännisch

Am 15.11.2010 trat Robert Schäfer seine neue Position als Geschäftsführer beim TSV 1860 München an. Die finanzielle Situation war weiter angespannt, und so mussten die Löwen einige Spieler abgeben, um Geld einzunehmen. Sogar von der Insolvenz war die Rede. 

Ende Mai 2011 wurde mit dem jordanischen Investor Hasan Ismaik ein Kooperationsvertrag unterzeichnet, der Ismaik 49 Prozent der Stimmanteile sicherte. 

Der sportliche Erfolg mit angepeiltem Wiederaufstieg blieb jedoch erneut aus. Während Schäfers Amtszeit wurden die Löwen Neunter, zweimal Sechster und einmal Siebter. Trotz der relativ guten Ergebnissen am Ende dieser Spielzeiten wurden mehrere Trainer verschlissen. 

Am 27. September 2013 trat Schäfer von seinem Amt zurück. Er kam damit einer Entlassung zuvor, die durch Präsident Gerhard Mayrhofer und Investor Ismaik wohl unmittelbar bevorstand. 

Am 8. Mai 2014 wurde Schäfer bei Dynamo Dresden vorgestellt. Zwar stieg die Mannschaft am Ende der Saison in die Dritte Liga ab, spielte in der kommenden Spielzeit aber bereits wieder um den Aufstieg mit, der aber verpasst wurde. 

Robert Schäfer.

Im aktuellen Jahr konnte sich Dynamo nicht nur wirtschaftlich stabilisieren - unter anderem wurde ein Benefizspiel gegen den FC Bayern veranstaltet, bei dem 1,2 Millionen Euro Gewinn erzielt werden konnten - sondern auch sportlich wieder Erfolge landen. So steht das Team nach 24 Spieltagen mit acht Punkten Vorsprung auf Verfolger Erzgebirge Aue souverän an der Tabellenspitze. Auch ein Verdienst Schäfers. 

Doch den Aufstieg von Dynamo Dresden wird Schäfer nicht mehr als Geschäftsführer des Vereins erleben. Zum 1. Mai dieses Jahres wechselt er in die Geschäftsführung von Zweitligist Fortuna Düsseldorf.

Ewald Lienen, Cheftrainer

Ewald Lienen wurde am 13. Mai 2009 Cheftrainer bei den Münchner Löwen. Er übernahm das Amt von Uwe Wolf und holte aus den letzten beiden Spielen nur einen Punkt. Dies reichte aber zum Klassenerhalt in der zweiten Liga. 

Ewald Lienen.

Die Saison 09/10 begann denkbar schlecht, man drohte sogar auf einen Abstiegsplatz zu fallen. Unter Lienen konnte der TSV sich aber noch in der Hinrunde stabilisieren und die Spielzeit am Ende noch auf Platz 8 beenden. Der zum 150-jährigen Gründungsjubiläum angepeilte Wiederaufstieg wurde aber dadurch verpasst. 

Im Juni 2010 erhielt „Zettel-Ewald“ ein Angebot des griechischen Rekordmeisters Olympiakos Piräus, welches er annahm und der Vertrag mit Sechzig wurde aufgelöst. Nach schwierigen Jahren in Griechenland, bei Arminia Bielefeld und in Rumänien ging es 2014 für ihn wieder bergauf.

Sportlichen Erfolg konnte Ewald Lienen bei seiner Rückkehr nach Deutschland feiern. Im Dezember 2014 übernahm er den akut abstiegsbedrohten FC St. Pauli und führte die Kiezkicker nach einer starken Rückrunde noch auf den rettenden 15. Platz. In der aktuellen Saison spielte er mit den Hamburgern eine furiose Hinrunde und steht mit St. Pauli sogar auf dem 4. Rang, drei Punkte hinter dem Relegationsplatz und stellt hinter RB Leipzig das beste Auswärtsteam der Liga. 

Julian Weigl, Spieler

Julian Weigl ist das jüngste Beispiel der erfolgreichen Nachwuchsarbeit bei den Münchner Löwen und auch der neueste Beweis, dass es nach dem Abschied von 1860 steil nach oben gehen kann, wie unter anderem auch bei den Bender-Zwillingen, Kevin Volland oder Fabian Johnson. 

Der 20-jährige feierte bereits mit 18 Jahren sein Profi-Debüt am 21. Spieltag der zweiten Liga in der Saison 2013/2014.

Julian Weigl.

Zu Beginn der nächsten Spielzeit wurde er von Trainer Ricardo Moniz zum jüngsten Kapitän in der Geschichte des Vereins ernannt. Die Binde trug er allerdings nur zwei Spiele lang. Bei einem nächtlichen Partyausflug mit einigen Teamkollegen soll es zu negativen Äußerungen über den Verein gekommen sein. Aus disziplinarischen Gründen wurde er vorübergehend vom Spielbetrieb ausgeschlossen und war auch als Kapitän nicht mehr tragbar. Die restliche Saison machte er aber noch 22 weitere Zweitligaspiele. 

Zur neuen Saison wechselte Weigl für 2,5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Trainer Thomas Tuchel erkannte Weigls großes Talent als Ballverteiler im zentralen Mittelfeld. Völlig überraschend setzte sich der Youngster in der Vorbereitung gegen Konkurrenten wie Gonzalo Castro durch. In der bisherigen Runde spielte er bereits 19 Mal in der Bundesliga, 17 Mal von Beginn an und ist eine feste Größe im Team des BVB. Auch im DFB-Pokal und in der Europa League ist Weigl regelmäßig gesetzt. Ein kometenhafter Aufstieg des ehemaligen Junglöwen. 

Bei 1860 ohne Erfolg, woanders durchgestartet

Egal ob Geschäftsführung, Trainer oder Spieler. Beim TSV 1860 München hatten sie alle keine wirklich erfolgreiche Zeit, sobald sie aber gewechselt sind, ging es für diese Ex-Löwen steil nach oben. 

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