Bez äußert sich nach Rücktritt

Wohin steuert Hasan Ismaik 1860?

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Daumen hoch, alles gut? Hasan Ismaik (r.) hält die Löwen hin.

München - Nach einem Zerwürfnis zwischen Investor Hasan Ismaik und Vertrauensmann Ulrich Bez erklärte das Aufsichtsratsmitglied seinen Rücktritt. Ismaik setzt auf die Hinhalte-Taktik.

Waren die Erwartungen zu hoch? Haben die Löwen und ihre leidenden Fans mal wieder die Hoffnungen über die Realität gestellt? Oder hat Hasan Ismaik aus Verärgerung und Frust heraus einen Fehler begangen, der die Planungen für den Abstiegskampf im neuen Jahr unnötig erschwert?

Fakt ist, dass der Finanzier und Hauptgesellschafter des TSV 1860 am Freitag München verließ, ohne seine jüngsten Darlehen DFL-konform in Genussrechte umzuwandeln (Stichtag ist der 31.12.). Auch auf finanzielle Zusagen für die dringend nötigen Verstärkungen warteten die Verantwortlichen der Sechziger vergeblich. Über die Gründe für Ismaiks Hinhalte-Taktik kann nur spekuliert werden. Als gesichert gilt lediglich, dass es in diesen Fragen zu einem Zerwürfnis mit Beirats- und Aufsichtsratsmitglied Ulrich Bez gekommen war, der am Donnerstag von seinen Ämtern zurücktrat. „Es fand eine turnusmäßige Aufsichtsrats-Sitzung der KGaA statt und dabei ist Herr Bez zurückgetreten“, bestätigte Pressesprecherin Lil Zercher. Weiterführende Stellungnahmen wollte der Verein nicht abgeben. 

Getrennte Wege: Ex-Aston Martin-Boss Bez und die Löwen.

Bez selbst bestätigte seinen Rücktritt gegenüber der tz und erklärte: "Die Basis für eine weitere fruchtbare Zusammenarbeit zum Wohle der 60er war für mich nicht mehr gegeben." Obwohl er nur eine relativ kurze Zeit für die Löwen gearbeitet habe, habe er sich dennoch als echter Sechz'ger gefühlt. "Meine Aufgabe habe ich darin gesehen, Optionen vorzuschlagen, als auch Chancen und Risiken für den Club und dessen Investor aufzuzeigen. Alle Entscheidungsgewalt über die Optionen und die möglichen einzuschlagenden Wege lag und liegt beim Investor Hasan Ismaik.“

Was Ismaik und Bez auseinandergebracht hat, darüber gibt es seit Donnerstag mehrere Versionen. Wie die tz erfuhr, soll sich Ismaik vor allem über Bez’ wiederholten Rat, die Anteile an 1860 zu verkaufen oder noch einmal richtig zu investieren, aufgeregt haben. In dieser Version ging der Trennungsimpuls also von Ismaik aus. Eine andere Quelle bestätigte zwar den inhaltlichen Teil des Zerwürfnisses, schrieb den Rücktritt allerdings Bez selbst zu. Als Nachfolger für den 72-Jährigen soll Ismaiks Bruder Yahya Abdullah im Gespräch sein.

Einiges an dieser Geschichte erinnert an den Abtritt von Ismaiks ehemaligem Statthalter Hamada Iraki, der vor drei Jahren die Brocken als Beirat hingeworfen hatte. Angeblich soll Ismaik damals massiv darüber verärgert gewesen sein, dass Iraki die Pläne, Sven-Göran Eriksson als neuen Trainer zu installieren, nicht unterstützte. Iraki wiederum verwies in mehreren Gesprächen darauf, dass ohne feste finanzielle Zusagen gar nichts vorwärtsgehen könne beim TSV 1860. Womit der Investmentbanker im Nachhinein betrachtet nicht ganz unrecht hatte.

Aus sportlicher Sicht ist die neuerliche Unruhe bei 1860 natürlich alles andere als förderlich. Trainer Benno Möhlmann machte am Freitag gute Miene zum traurigen Spiel: „Dass es hier keine innere Ruhe gab, war in den letzten Jahren schon so. Die Spieler sind vielleicht nicht immer super damit klargekommen, aber haben gelernt, damit umzugehen. Wir brauchen keine Oase, aber einen Raum, in dem wir gut arbeiten können. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass wir die Dinge machen können, die wir vorhatten.“ Mehr als nur Zweckoptimismus? 

lk

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