"Wie ein erfahrener Sportdirektor"

Wolf-Berater findet Aygün "sensationell"

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Ein Novize arbeitet an seinem Profil: Interims-Sportchef Aygün meidet zwar das Licht der Öffentlichkeit, leistet aber offenbar gute Arbeit im Hintergrund. Aktuell arbeitet er an Vertragsverlängerungen mit den Juwelen Wolf (20) und Neudecker (18).

München - Auf neue Spieler wartet Trainer Torsten Fröhling weiterhin vergeblich, dafür hat 1860 gute Chancen, zwei Talente in den eigenen Reihen zu halten.

 War es das schlechte Gewissen wegen der dürren Nachrichtenlage? Die trickreiche Einführung eines neuen Sponsors? Oder einfach eine nette Geste bei gefühlt 40 Grad? Im Mediencontainer, in dem der TSV 1860 seine Pressekonferenzen abhält, wartete jedenfalls ein Kübel mit Steckerl-Eis auf die Reporter. „Die hat der Trainer spendiert“, teilte Pressesprecherin Lil Zercher mit: „Es gibt Löwen-Eis – oder Capri, den Klassiker.“

Ein paar coole Neuzugänge für sein Team hätte Torsten Fröhling deutlich lieber präsentiert, doch zu seinem Leidwesen sind es weiterhin eher Nebensächlichkeiten, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Vor dem Pokalspiel gegen 1899 Hoffenheim, das leider kein Klassiker ist (und dementsprechend auch nur 18 000 Zuschauer lockt), wurden daher folgende Themen abgehandelt: Der Wettbewerb an sich, zu dem Fröhling keinen großen Bezug hat: „Als Trainer hab ich nur mal mit Altona 93 und Oldenburg die erste Runde erreicht.“ Außerdem kommentierte er routinemäßig die Stärke des Gegners, die zuletzt gezeigten Ansätze des eigenen Teams, die Hitze – und, sehr vielsagend: den Spielball, der ja ein anderer ist als der aus der Liga gewohnte. Derbystar statt Adidas. Fröhling: „Wir trainieren schon die ganze Woche damit.“ Sein Eindruck: „Es ist ein Ball, mit dem man Pokal spielen kann.“

Das zweifelsohne. Die alles überlagernde Frage ist aber, wie die Löwen diese Monsteraufgabe und auch die folgenden in der Liga (Nürnberg, Bochum, Düsseldorf auswärts, zwischendurch Union Berlin daheim) bewältigen wollen, wenn das Team nicht schleunigst verstärkt wird. Als nächster Dämpfer lief am Freitag die Meldung über den Ticker, dass Peniel Mlapa ab sofort lieber für Bochum stürmt, anstatt zurück zu seinem Heimatklub zu wechseln. Bemerkenswert schon deshalb, weil der Vertrag dem Vernehmen nach bis auf die letzte Kommastelle ausgehandelt war (noch von Ex-Sportchef Poschner). Es muss also Gründe geben, warum sich sämtliche Transfers zerschlagen. Allein: Die Bosse, die ja mehrheitlich Interimslösungen sind, hüllen sich in Schweigen. Und Fröhling, der momentan als Pressesprecher wider Willen fungiert, tappt offenbar selber im Dunkeln.

Immerhin: Einer, der gerade Einblicke in die neu besetzte Chefetage der Löwen gewinnen konnte, ist geradezu begeistert, vor allem vom Auftreten Necat Aygüns. Ersin Akan, Berater der Hoffnungsträger Marius Wolf und Richard Neudecker (und des Ex-Löwen Julian Weigl), traf sich mit dem Übergangsmanager, um über die auslaufenden Verträge der beiden Jungprofis zu sprechen. Sein Eindruck: „Sensationell war das, sehr, sehr positiv. Ich bin ja schon seit 15 Jahren im Geschäft, kannte Necat Aygün nicht persönlich, aber ich muss sagen, dass er über alles Bescheid wusste – wie ein erfahrener Sportdirektor.“ Gefragt, ob die Löwen demnach Chancen haben, ihre heiß begehrten Talente zu behalten, sagte Akan: „Also, mein Gefühl ist, dass sie bei 1860 auf einem sehr guten Weg sind. Für mich war vor allem wichtig zu hören, welche Perspektiven sie jungen Spielern aufzeigen. Finanzielle Dinge und Laufzeiten waren jetzt noch gar nicht das große Thema.“

In schweren Zeiten wie diesen ist das zumindest ein Hoffnungsschimmer. Auch eine Pokal-Sensation könnte zu einer positiveren Grundstimmung beitragen. Fröhling beziffert die Chance auf „50:50“ und sagt: „Wir dürfen uns nicht hinten reinstellen. Dafür ist die Qualität von Hoffenheim zu hoch.“ Und selbst den Wechsel des Spielgeräts kann man ja positiv sehen, nachdem Okotie & Co. in der Liga noch ohne Tor dastehen. „Es ist eine Umstellung“, sagt Fröhling über den Derbystar: „Er hat eine andere Flugbahn und kommt einem etwas schwerer vor. Aber die Bälle sind ja alle schön bunt.“ Jetzt müssen sie nur noch ins richtige Tor fliegen.

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