Ex-Löwen-Coach im Interview

Wolf: "Transferpolitik bei 1860 völlig daneben"

+
Auch eine Herzensangelegenheit: Wacker-Trainer Uwe Wolf vor der imposanten Kulisse der Burghauser Burg.

Burghausen - Uwe Wolf ist Trainer bei Wacker Burghausen. Im großen Interview spricht er über seine Mission und geht mit den Löwen hart ins Gericht.

Uwe Wolf ist ein besonderer Trainertyp: Emotional, leidenschaftlich, manchmal grenzüberschreitend. Nun stellt er sich der Aufgabe, Wacker Burghausen aus der Abstiegszone der Regionalliga zu führen. Ein Gespräch über eine Kehrtwende, Ziele, zwei Gesichter und die Sorge um seinen Ex-Klub 1860.

Uwe Wolf, nach dem Abstieg aus der 3. Liga im letzten Sommer haben Sie Wacker Burghausen mit den Worten verlassen, Feierabendfußball sei nichts für Sie. Nun sind sie doch wieder Wacker-Trainer, müssen die Mannschaft aus dem Tabellenkeller der Regionalliga holen. Was hat zu diesem Meinungsumschwung geführt?

Uwe Wolf: Erst einmal muss ich sagen, dass ich Feierabendfußball durchaus schätze, ich habe selbst früher tagsüber bei BASF gearbeitet und nur abends trainiert. Aber so, wie es Burghausen nach dem Abstieg zunächst plante, nur einmal am Tag zu trainieren, das war nicht mein Anspruch.

Hat sich das jetzt geändert?

Wolf: Total. Seit meiner Rückkehr im November haben wir an 74 Tagen 86 Einheiten und drei Pflichtspiele absolviert, jetzt in der Vorbereitung üben wir oft zweimal täglich.

Zunächst wurden Sie ja als Feuerwehrmann bis zur Winterpause geholt, nun haben Sie einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Sehen Sie wieder eine Zukunft für den SV Wacker im Profifußball?

Wolf: Sonst wäre ich nicht hier. Das Gespräch mit Bürgermeister Hans Steindl war der ausschlaggebende Punkt, das ist ein Mann, der mit vollem Herzblut dabei ist, der Fußball liebt und lebt. Der Verein, da waren wir uns einig, gehört zumindest in die Spitze der Regionalliga, mittelfristig wieder in den Profifußball.

Sie sagten, die Rückkehr zu Wacker sei eine Herzensangelegenheit. Was verbindet den Pfälzer und Wahl-Münchner Wolf so sehr mit Burghausen?

Wolf: Das ist eine tolle Stadt mit netten Menschen und hoher Lebensqualität. Hier habe ich mich immer wohl gefühlt.

Das allein dürfte Sie aber nicht zur Rückkehr bewogen haben?

Wolf: Nein, mir hat es sehr weh getan, dass ich letzten Sommer trotz einer guten Rückrunde den Abstieg nicht verhindern konnte. Jetzt sehe ich mich in der Verantwortung, die Mannschaft wieder dorthin zurückzuführen, wo sie hingehört. Wenn alle mitziehen, kann wieder was wachsen.

Haben Sie einen konkreten Plan?

Wolf: Die Mannschaft war im Herbst in einen Negativstrudel geraten, musste nun sinnvoll ergänzt und verstärkt werden. Wir haben sieben neue Spieler geholt, die auch charakterlich passen. Spieler, die wir kannten oder deren Vita wir verfolgt haben. Kurzfristig wollen wir ins gesicherte Mittelfeld der Tabelle, was hart und schwer wird. Die Qualität ist da, muss aber nun in den Wettkampf rübergebracht werden.

Sie sind ein Trainer, der polarisiert. Die „Süddeutsche Zeitung“ beschrieb Sie mal als „Rampensau mit Arbeitergemüt“, nicht selten legen Sie sich während des Spiels mit Schiedsrichtern, gegnerischen Trainern und Fans an. Privat aber wirken Sie eher sanft. Wird der Wolf während des Spiels zu einem anderen Menschen?

Wolf: Christoph Daum hat mal gesagt, wer Feuer entfachen will, muss selber brennen. Ich bin nun mal ein sehr emotionaler Trainer, will mich nicht verstellen, sondern authentisch sein. Ich könnte nie 90 Minuten lang ruhig auf der Bank sitzen.

Oft aber übertreiben Sie, wenn Sie nicht nur die Coaching-Zone verlassen, sondern plötzlich drei Meter im Spielfeld stehen.

Wolf: Das merke ich gar nicht, da bin ich zu sehr fokussiert. Da kochen schon mal Emotionen hoch, aber man muss sich hinterher immer in die Augen schauen und die Hand geben können.

Macht der Fußball aus Uwe Wolf einen anderen Menschen?

Wolf: Scheint so. Ich bin zwar ein Einzelkind, aber meine Eltern sagten schon, sie hätten eigentlich zwei Söhne: Den Uwe daheim und den Uwe auf dem Sportplatz. Früher haben sich andere Eltern bei meinen beschwert, ich hätte im Training ihren Sohn umgetreten. Aber auf dem Platz kenne ich nun mal keine Freunde. Das ist meine Art, dazu stehe ich. Wäre ich anders gewesen, hätte ich mein großes Ziel, Profi zu werden, nie erreicht, andere hatten viel mehr Talent als ich.

Als Trainer verkörpern Sie eher den Typ der alten Schule, in Ihrer Zeit bei 1860 wurden Sie gerne mit Lorant verglichen...

Wolf: ...was für mich ein Kompliment ist. Ich bin ein Trainer, mit dem man Pferde stehlen kann, auf dem Platz aber zählt nur harte Arbeit. Dabei schaue ich aber auch über den Tellerrand, ich war ja schon U19-Trainer in Hoffenheim und wer Rangnick kennt, weiß, dass er großen Wert auf moderne Trainingsmethoden und -philosophien legt. Die haben durchaus ihre Berechtigung, auf die richtige Mischung kommt es an. Als Trainer stehe ich für E wie einfach, so will ich Fußball spielen. Ich will nichts zu sehr verwissenschaftlichen.

Alle Löwen-Trainer seit Werner Lorant

Sie waren als Spieler und Trainer bei 1860, wie besorgt verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung dort?

Wolf: Sehr besorgt. Ich bin im Herzen ein Sechziger, mein Sohn ist am 18.6. geboren, ich bin im Sternzeichen Löwe. Aber dort läuft seit der Wildmoser/Lorant-Ära vieles falsch, mir fehlt die Kontinuität und Identität. Als Löwen-Spieler sollte man wissen, was das Löwen-Stüberl ist, das aber kennen viele gar nicht mehr.

Ist 1860 denn noch zu retten?

Wolf: Mit der aktuellen Personalpolitik nicht. Dass sie im Verein ausgebildete Spieler wie Eicher, Wolf und Vollmann im Moment fördern, zeigt zumindest, dass sie lernfähig sind. Das ist aber mehr aus der Not geboren. Was eindeutig zeigt, dass die Transferpolitik im Sommer völlig daneben war – und deshalb steckt 1860 im Abstiegskampf fest, daran wird sich vermutlich bis zum Saisonende nichts ändern. Der Verein braucht Leute, die wissen, was Sechzig ausmacht. Sie müssen echte Löwen mit Fußball-Kompetenz in die Verantwortung und in die Gremien holen wie Thomas Miller, Roland Kneißl, Erich Beer oder auch Werner Lorant.

Nun aber sind Sie in Burghausen. Wo sehen Sie den Verein in fünf Jahren?

Wolf: Zurück in der 2. Liga. Fußball ist das Aushängeschild des SV Wacker, nur über den Fußball bekommst du das mediale Interesse, Fußball ist der beste Werbeträger für die Stadt und das Unternehmen Wacker Chemie. Man muss nun den nächsten Schritt machen, entscheidende Positionen mit fußballaffinen Leuten besetzen. Dass die Firma nun als Trikotsponsor auftritt, werte ich als positives Zeichen. Denn eins ist klar: Wo Wacker drauf steht, muss Qualität drin sein.

Dieser Artikel erschien auf der Amateursportseite im Münchner Merkur. Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Zwei Löwen fehlen angeschlagen - fallen sie gegen Buchbach aus?
Zwei Löwen fehlen angeschlagen - fallen sie gegen Buchbach aus?
Gebhart poltert: „Jeder Spieler muss sich fragen: Gebe ich wirklich alles?“
Gebhart poltert: „Jeder Spieler muss sich fragen: Gebe ich wirklich alles?“
Marinkovic: „1860 ist eine große Mannschaft – wer will da nicht hin?“
Marinkovic: „1860 ist eine große Mannschaft – wer will da nicht hin?“
Weber verrät: Relegation ist bereits Thema in der Löwen-Kabine
Weber verrät: Relegation ist bereits Thema in der Löwen-Kabine

Kommentare