Die tz sprach mit seinem Entdecker

"Die Bundesliga ist drin für Julian Weigl"

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Der Sprung aus der U21 in die Zweite Liga ist ihm geglückt: Julian Weigl.

München - Trainer und Teamkollegen sind voll des Lobes für Julian Weigl. Der 18-Jährige will sich derzeit nicht äußern. Die tz sprach nun mit seinem Entdecker Wolfgang Schellenberg, der auch in den höchsten Tönen schwärmt.

Die anerkennenden Worte, ja fast Lobeshymnen, von Trainer Friedhelm Funkel und den Mannschaftskollegen hat Julian Weigl sicherlich mit Freude vernommen, nur: Kommentieren durfte er sie nicht. Mit knapp achtzehneinhalb Jahren steht der Senkrechtstarter der Löwen noch unter „Welpenschutz“, wie die Geschäftsstelle des TSV 1860 ausrichten ließ: Kicken ja, darüber Quatschen nein. Schade. Denn es wäre schon interessant gewesen, was Weigl von Aussagen wie „Wenn er so weitermacht, wird Julian ein Großer“ (Moritz Stoppelkamp), oder „Weigl ist super, der spielt wie ein 35-Jähriger“ (Daniel Bierofka) hält. Und das nach erst zwei Einsätzen in der Zweiten Liga. Weigl – irgendwie das strahlende Juwel in der derzeitigen Löwen-Finsternis.

Wolfgang Schellenberg.

Einer, der Julians Entwicklung ganz genau verfolgt, ist natürlich Wolfgang Schellenberg, der Leiter der Nachwuchsabteilung beim TSV 1860. Und – man kann schon sagen, auch Weigls Entdecker. Als Schellenberg vor vier, fünf Jahren als Cheftrainer von 1860 Rosenheim tätig war, fiel ihm der 14-jährige Mittelfeldmann aus der C-Jugend positiv auf. „Ich habe ihn sofort in unseren Förderkader, der aus verschiedenen Jahrgängen bestand, raufgezogen, weil er einfach ein sehr großes Talent war.“

Was auch anderen, größeren, Klubs nicht verborgen blieb. Im Sommer 2010 buhlten der TSV 1860 und der FC Bayern um Weigl, und er entschied sich nach Probetrainings bei beiden Münchner Vereinen für die Blauen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Schellenberg ihm nahegelegt hatte, dass für seine Entwicklung ein Wechsel an die Grünwalder Straße förderlicher sei. Weigl war dankbar für den Ratschlag: „Bei 1860 hat es mir ohnehin besser gefallen. Alles war persönlicher und familiärer“, sagte er vor einigen Monaten. Damals, als er über sich noch sprechen durfte…

Weigl stammt aus Ostermünchen, einer 1300-Einwohner-Gemeinde zwischen Grafing und Rosenheim. Wobei die Rosenheimer Gegend offenbar ein sehr fruchtbarer Boden für fußballerische Talente ist. Schellenberg: „Bastian Schweinsteiger und seinen Bruder Tobias habe ich Mitte der 90er-Jahre als U15-Coach bei 1860 Rosenheim trainiert, und die Bender-Zwillinge stammen ja ebenfalls aus dem Landkreis, nämlich aus Brannenburg.“

Mit ihnen feierte Schellenberg im Jahr 2006 als B-Jugendtrainer des TSV 1860 auch den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Und wenn das Thema auf Weigl kommt, denken viele auch sofort an die Zwillinge, die inzwischen, wie von Schellenberg vor acht Jahren schon prophezeit, auch längst A-Nationalspieler geworden sind.

Welche Parallelen sieht Schellenberg bei den Benders und Weigl? „Eine Ähnlichkeit ist da“, sagt der 42-jährige Nachwuchsexperte. „Natürlich einmal die schlaksige Figur, aber auch, was die Spielintelligenz betrifft und das Lösen von Situationen. Julian hat schon eine saubere Technik.“

Wobei Weigl ihn eher an Lars als an Sven erinnert. „Auch Julian ist mehr ein offensiver Sechser“, sagt er, wie eben Lars. Sven ist eher der Typ Abräumer.“

Und welche Prognose traut er sich im Fall Weigl zu? Schellenberg lacht: „Soll ich jetzt auch sagen, dass er Nationalspieler wird? So etwas wie die Benders gibt es nur alle 30 Jahre. Die sind schließlich von der B-Jugend in die Zweite Liga durchgestartet. Von einem bin ich aber überzeugt: „Die Bundesliga ist auf alle Fälle drin für Julian.“

tz

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