Spieler verlässt wohl bald die Löwen

Yannick Stark: Innerlich gekündigt

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Glücklich sieht anders aus: Yannick Stark, 24, empfindet das Dasein als 1860-Profi zunehmend als Last. Zumindest strahlt er das aus. Zeitnahe Trennung wahrscheinlich.

München - Unzufriedenheit auf beiden Seiten: Yannick Stark und der TSV 1860 München gehen wohl schon bald getrennte Wege.

 Von Yannick Stark, 24, sind schon nach wenigen Tagen in Marbella überdurchschnittlich viele Fotos entstanden. Mal zieht der Mittelfeldspieler seinen Rollkoffer zum Hotel, mal steht er gestikulierend auf dem Trainingsplatz, mal stemmt er die Langhantel. Auf fast allen Bildern wirkt der Löwen-Profi mit dem Lockenkopf abwesend, manchmal auch in sich gekehrt. Sein Blick ist ernst, der ungewissen sportlichen und persönlichen Lage entsprechend, aber fürs Lächeln wird er ja auch nicht bezahlt. Auch zuletzt in München war der Eindruck entstanden, dass sich Stark schon wohler beim TSV 1860 und überhaupt in seiner Haut gefühlt hat. Die Psychologie kennt einen Ausdruck für diese Haltung: „Innere Kündigung“.

Ist dem so? Bekannt ist, dass Stark nicht zufrieden ist mit seinen ersten eineinhalb Jahren im Löwen-Trikot. Als herausragender Mittelfeldspieler der 2. Liga nach München gekommen (laut kicker-Rangliste), fing er stark an: Große Präsenz auf dem Platz, Attitüde eines Führungsspielers. Allerdings ließen seine Leistungen ebenso schnell nach. Der anfangs so selbstbewusste Stark versteckte sich auf dem Platz, wurde fast unsichtbar und bald auch intern in Frage gestellt. Die Krise des Klubs war ihm anzusehen, dazu kam diese hohe Erwartungshaltung, die er vom FSV Frankfurt nicht gewohnt war. Kurzum: Stark fremdelte – und als dann auch noch die Taxiaffäre öffentlich wurde, die nie bis in alle Facetten aufgeklärt wurde, schien er sich gedanklich immer weiter weg zu wünschen von diesem anstrengenden Verein. Zum Beispiel zu Darmstadt 98.

Bilder: Stahl zaubert im zweiten Donnerstagstraining

Sein Ex-Klub will ihn, das ist kein Geheimnis. Und dass auch Stark nicht abgeneigt wäre, einen Neuanfang in der Heimat zu starten, strahlt er zumindest aus. Die Trainer griffen in der Not immer wieder auf Stark zurück, erst der anspruchsvolle Ricardo Moniz, dann Markus von Ahlen, doch sehr viel mehr als Dienst nach Vorschrift war meist nicht mehr aus dem frustrierten Profi herauszuholen.

Mehr denn je stellt sich die Frage: Hat diese Verbindung überhaupt eine Zukunft? Die Aussagen des Sportchefs klingen derzeit eher nach einer sich anbahnenden Trennung. „Wir müssten im Moment genau überlegen, ob wir ihn abgeben können“, sagt Gerhard Poschner über den Hessen, dessen Vertrag eh im Sommer ausläuft. Poschner scheint Starks dosierter Arbeitseifer zu missfallen, das letzte Vieraugengespräch soll lange zurückliegen. „Er ist kein Sonderfall“, stellt der Sportchef klar: „Wir erwarten bedingungslosen Einsatz von ihm.“

Eine durchaus nachvollziehbare Forderung, doch allzu sehr auf die Karte Stark zu setzen, scheint den Löwen zu riskant. Inzwischen spricht Poschner offen davon, nicht nur einen Stürmer, sondern auch einen Mittelfeldspieler auf der To-do-Liste zu haben. Dem Vernehmen nach ist ein Leihgeschäft mit einem routinierten Leader in Planung – Stark wäre dann verzichtbar.

Der gesetzte Sanchez, Talent Weigl, der offensive Adlung – es ist ein dünnes Eis, auf dem sich die Löwen im zentralen Mittelfeld bewegen, doch das Risiko, mit einem unzufriedenen Spieler in den Abstiegskampf zu gehen, ist auch nicht gering. Zuletzt sagte Stark: „Diese Saison haben wir schon in den Sand gesetzt. Jetzt müssen wir schauen, dass wir noch das Beste rausholen.“ Dass für ihn selber eine Luftveränderung das Beste wäre, kann man im Subtext heraushören. Stark und die Löwen – ein großes Missverständnis steht vor der Auflösung.

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